30. November 2009

Reger Austausch: Vertreterversammlung Herbst 2009

35 Mitglieder der Vertreterversammlung waren am 13. November in die Räume der Kammer gekommen, um das vergangene Halbjahr zu reflektieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Zu Beginn ließ Kammerpräsident Stefan Musil die vergangenen Monate Revue passieren. Seinen Rückblick startete er mit der Berufspolitik und den Bundestagswahlen und ihren Auswirkungen. Sieben Mitglieder des neuen Bundestages sind nun Architekten oder haben ihr Studium in einer der Architektur-Fachrichtungen absolviert. Architektin Mechthild Heil aus Andernach vertritt Rheinland-Pfalz. Im Koalitionsvertrag ist eine Weiterbearbeitung der HOAI vereinbart worden, was man als positives Zeichen deuten könne, so Musil. Das Bauvertragsrecht soll ebenfalls novelliert werden. Aus Sicht der Kammer beinhaltet dies auch zwingend das Planungsvertragsrecht. Die Überlegungen innerhalb der Parteien, das Vergaberecht zu „vereinfachen“ und einen Rechtsschutzes unterhalb des Schwellenwertes einzuführen, bereitet der Kammer dagegen Sorge. Ihr Ziel ist es, die VOB und VOF in ihrer Form zu erhalten und keine neuen Bürokratielasten enstehen zu lassen.

Für Rheinland-Pfalz hat Ministerpräsident Kurt Beck einen Evaluierungsbericht vorgelegt. Demnach hat das Konjunkturpaket II zur Stabilisierung des öffentlichen Hoch- und Tiefbaues beigetragen, von der auch Architekturbüros landesweit profitiert hätten. Eine Umfrage der Kammer bestätigt dies. In den fünf rheinland-pfälzischen Großstädten hat es nach Auskunft der jeweiligen Baudezernenten eine starke Beteiligung von freiberuflichen Architekten und Ingenieuren gegeben.

Musil berichtete weiter, dass es im Rahmen des Landesgesetzes zur Anpassung an die Dienstleistungsrichtlinie gelungen sei, die Bauvorlageberechtigung formal weiter zu klären. So werde es in Rheinland-Pfalz, wie in anderen Budnesländern,künftig nicht möglich sein, dass Absolventen eines sechssemestrigen Bachelor-Studiums Architektur über die Liste der bauvorlageberechtigten Ingenieure das Planvorlagerecht erlangen. Das Gesetz wird zum 28. Dezember 2009 in Kraft treten.

Zur BUGA 2011 wird das zb:zentrumbaukultur nach Koblenz verpflanzt. Vom 15. April bis zum 16. Oktober zieht das Ausstellungszentrum in das neue von hg merz gebaute Empfangsgebäude der Festung Ehrenbreitstein auf dem Veranstaltungsgelände. In der Zeit werden die Ausstellungen und Vorträge dort stattfinden.

Energieeffizienz bewegt

Im Rahmen der Ausschussarbeit ist besonders intensiv über die Entwicklungen beim energieeffizienten Bauen diskutiert worden. Das Bewusstsein sei weiter gewachsen und eine Nachfrage nach produktneutraler Energieberatung und energieeffizienter Planung durch Architekten deutlich merkbar, berichtete Hans-Jürgen Stein. Die Bereitschaft von Seiten der Architekten, sich an Messeständen zu beteiligen sei jedoch noch sehr verhalten. Bei den Aktionswochenenden „Unser Ener“ habe sich gezeigt, dass die Bündelung von Aktionen durch mehrere Aktionspartner sowohl den Nutzen erhöhe als auch den Aufwand reduziere, so dass diese Strategie weiter verfolgt werden soll. Das landesspezifische beispielsweise von der EOR akkreditierte Zertifikat Energieberater Rheinland-Pfalz lehnt die Architektenkammer ab. Das Zertifikat löse nicht die Probleme der Energieberatung oder verhindere Fehler, es erlaube lediglich Berufsgruppen, die für eine gesamtheitliche Betrachtung eines Gebäudes nicht geeignet seien, eine solche Beratungen vorzunehmen.

In einer lebhaften Diskussion wurde beklagt, dass bei den Überlegungen zum Energiesparen die bauphysikalischen Aspekte immer im Vordergrund ständen, die Fassadengestaltung und Wohnkomfort dagegen nicht berücksichtigt würde. Vizepräsident Gerold Reker rief dazu auf, sich auf die berufsspezifischen Kompetenzen zu besinnen: gesamtheitliche Betrachtung des Gebäudes und die Gestaltung. In technischen Feinheiten könnten Architekten die entsprechenden Fachleuten integrieren. Sehr wohl müssten Architekten aber die ersten Ansprechpartner von Bauherren sein, diejenigen, die über die sinnvollsten Maßnahmen entscheiden, und diese auch mit der Gestaltung in Einklang bringen. Wichtig sei zudem, das Thema Energiesparen nicht separiert zu betrachten, sondern in Kombination mit den Anforderungen des demografischen Wandels. Die von der Kammer zusammen mit dem Umweltministerium organisierte Tagung „Zukunft Solararchitektur“ rückt eine Gesamtbetrachtung bereits in den Fokus.

Großes Engagement

Besonderer Dank galt Hans-Josef Poetini und Thomas Lahmé, die beide jahrelang als Vorsitzende die Ausschüsse „Haushalt und Finanzen“ bzw. „Vergabe und Wettbewerbswesen“ geleitet haben. Den Vorsitz übernehmen nun Daniela Fischer A6, Anja Fischer A5 und Edda Kurz A4. Die neue Vorsitzende des Ausschusses Vergabe- und Wettbewerbswesen, Edda Kurz, berichtete dass die Richtlinie für Planungswettbewerbe RPW 2008, die bereits für Landesbauten in Rheinland-Pfalz gilt, nun auch auf kommunaler Ebene und für Zuschussbauten zum Jahresende eingeführt werden soll.

Mehr Austausch

Lebhaftere Diskussion und Diskurs während der Sitzungen forderte der ehemalige Präsident Günther Franz und provozierte damit eine solche. Er kritisierte, dass der Bundesauftakt des Tages der Architektur im Hambacher Schloss in diesem Jahr, nach seinem Empfinden zu wenig Resonanz in den Medien gefunden hätte. Es habe eine Botschaft gefehlt und seiner Ansicht nach würden die Architekten in der Öffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen. Es müsse deutlicher Stellung bezogen und mehr Rückgrat gezeigt werden. Der Vorstand verwies darauf, dass die Kammer in vielen Fällen aktiv und erfolgreich ist. Notwendig sei aber, dass Forderungen und Regelungen von den eigenen Mitgliedern umgesetzt würden, indem beispielsweise die neuen HOAI-Sätze angewendet werden. Hier gebe es aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage und der Nachfragemacht das Ziel die Verhandlungsführung zu verbessern.

Vorstandsmitglied Manfred Müller wies auf Konflikte zwischen der Denkmalpflege und Architekten hin. Musil bat um positive sowie negative Beispiele in der Zusammenarbeit, da in Gesprächen zwischen dem Vorstand und der Generaldirektion Kulturelles Erbe keine Diskrepanz zu erkennen sei. In der Diskussion bestätigte sich, dass es zu Problemen vor allem mit der unteren Behörde kommt, die über konkrete Projekte entscheidet sowie dass die Einschätzungen und Vorgaben stark personenabhängig sind. Vorgeschlagen wurde, sie früher mit moderner Architektur vertraut zu machen. Mit der Veranstaltungsreihe „Tatort Altbau“ versucht die Kammer bereits seit einem Jahr, in dem fünf Tagungen stattfanden, die beiden Berufsgruppen zusammenzubringen. Mit Erfolg, wie Geschäftsführerin Annette Müller anmerkte.

Um den Austausch auch unter den Kammergruppen zu intensivieren, schlug Jens Ternes eine dritte Vertreterversammlung pro Jahr ohne Tagesordnungspunkte vor. Der Wunsch wurde zustimmend aufgenommen. Die Mitglieder einigten sich jedoch darauf, eine der beiden bestehenden Termine pro Jahr auf ganztägige Treffen auszudehnen. Die nächsten beiden Vertreterversammlungen finden am 11. Juni und am 12. November 2010 statt.

Sachverständigenordnung + Haushaltsfragen

Vorstandsmitglied Gerlinde Wolf stellte die Neufassung der Sachverständigenordnung vor. Es sei erstmals gelungen, zwischen benachbarten Architekten- und Ingenieurkammern ein gemeinsames Niveau und Vorgehen bei der Überprüfung der besonderen Sachkunde festzulegen. Die vorgelegte gemeinsame Prüfungsordnung ist unter Abstimmung der Architekten- und Ingenieurkammern von Saarland, Hessen und unter Federführung von Rheinland-Pfalz entstanden.

Das Haushaltsjahr der Kammer schließt mit einem Überschuss ab, so dass knapp 150.000 Euro der Rücklage zugeführt werden können, berichtete Hauptgeschäftsführer Dr. Coridaß. Vorstandsmitglied Ehrenberg stellte den Haushaltsplan für das Jahr 2010 vor. Darin sind keine Erhöhungen der Beiträge vorgesehen. Die Vertreter nahmen die Satzungsänderungen an und beschlossen nach Jahren eine Anpassung der Tagesgelder sowie der Aufwandsentschädigung.

Die nächsten Vertreterversammlungen finden am 11. Juni und am 12. November 2010 statt. Auf Anregung von Jens Ternes als ganztägige Veranstaltung, um Zeit für einen Erfahrungsaustausch zu haben.