29. März 2021

Professor Günter Kleinjohann verstorben

Professor Günter Kleinjohann
Foto: Kristina Schäfer

Ein Nachruf von Präsident Gerold Reker

„Wer etwas Sinnvolles schaffen will, muss sich voll einbringen“, so lautete das Petitum von Professor Günter Kleinjohann. Sein Beruf war für ihn Berufung. Der Trierer Architekt und Hochschullehrer verstarb am 4. März 2021 im Alter von 94 Jahren.

1926 in Dortmund geboren, studierte er nach Schulzeit, Teilnahme am Zweiten Weltkrieg und Abitur von 1948 bis 1953 Architektur an der Universität Stuttgart und an der RWTH Aachen. Dort waren Rudolf Schwarz, Hans Schwippert und Rudolf Steinbach seine Lehrer. Schon 1960 wurde er an die Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen Trier berufen. Von 1972 bis 2016 lehrte als Professor für Entwerfen und Baugeschichte im Fachbereich Gestaltung an der späteren Fachhochschule, heute Hochschule, und prägte in seiner Lehrzeit Generationen von Architektinnen und Architekten. Sein Wissen weiterzugeben, machte ihm bis ins hohe Alter Freude.

Neben seiner Lehrtätigkeit führte er 40 Jahre lang bis zur Jahrtausendwende als freischaffender Architekt ein Architekturbüro in Trier. Er gewann zahlreiche Wettbewerbe, entwarf und baute Kirchen, Gemeindezentren, Kindergärten, Wohnhäuser und Verwaltungsgebäude in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland. Gleich zweimal ist sein Werk daher im Architekturführer Rheinland-Pfalz 1945 - 2005 „Baustelle Heimat“ vertreten mit der Kirche St. Johannes der Täufer in Kastel-Staadt nimmt er 1962 unverkennbar Motive seines Lehrers Ruldolf Schwarz auf. Sein dort erwähntes Pfarr- und Jugendheim St. Peter und Paul in Remagen nimmt 1994 ein anders, ihn immer begleitendes Thema auf: Den Umgang mit Bestandsbauten und Denkmälern.

Eine der schönsten Ehrungen wird für ihn gewesen sein, dass seine Bauherren der Wohnbebauung „Auf der Hill“ in Trier ihm schon zu Lebzeiten ein Denkmal setzten: Sie tauften einen der Innenhöfe auf den Namen „Place de Petitjean“.

Der Jazz-Liebhaber, Tennis- und Golfspieler war ein standfester Diskutant – ob es um Architekturfragen ging oder im Ehrenamt: 1960 trat er der Architektenkammer als Mitglied bei. Schon früh, von 1963 bis 1974 gehörte er dem Anerkennungsausschuss an. Doch sein berufspolitisches Leib- und Magenthema waren – neben der Ausbildung – die Wettbewerbe. Von 1969 bis 2002 prägte er den Wettbewerbsausschuss ganz wesentlich mit. Von der ersten Vertreterversammlung an, also seit 1977 engagierte er sich bis 2002 in der Vertreterversammlung. Ab der dritten Wahlperiode, also ab 1987 bis 2002 vertrat er die Region Trier im Kammervorstand. Seit 2001 war Professor Günter Kleinjohann Ehrenmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz.

1989 mit dem Staatspreis für Architektur und Bildende Kunst ausgezeichnet, war er Mitglied in unzähligen Jurys, wirkte in der bischöflichen Baukommission mit, gehörte dem Denkmalbeirat der Stadt Trier an. Beherzt und mutig engagierte er sich für Umwelt und Baukultur und verteidigte Nachhaltigkeit und Ehrlichkeit im Bauen. Die Suche nach „echter Qualität“ war ihm ein Muss.

„Ein Architekt ist ein Architekt ist ein Architekt“, diese Worte klingen noch nach. Sein trockener Humor verführte zum Schmunzeln, seine westfälisch geprägte Geradlinigkeit traf häufig punktgenau.

Die Architektenkammer verliert mit Prof. Günter Kleinjohann ein überaus geschätztes Mitglied, einen profunden Kenner der Materie, einen berufspolitischen Streiter, einen Verfechter berufsständischer Haltung.

 

Gerold Reker

Präsident