16. April 2019

Fachkräfte binden

Porträt Julia Holzemer-Thabor
Julia Holzemer-Thabor
Foto: Heike Rost, Mainz

Der demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel sind längst auch in den Architekturbüros und Baubehörden des Landes und der Kommunen angekommen.

Der Arbeitsmarkt scheint wie leergefegt. Viele Büros und Behörden klagen darüber, dass es kaum noch möglich ist, geeignetes Personal zu finden. Umso wichtiger ist es daher, das vorhandene Personal langfristig zu binden.

Interessante Daten hierzu liefert uns seit Jahren die Hommerich Untersuchung, in der regelmäßig die angestellten Architekten zu ihrer beruflichen Situation befragt werden. Dabei ist es nicht nur die Höhe des Gehaltes, die Mitarbeiter bewegt, langfristig für ein Unternehmen tätig zu sein. Es sind vielmehr auch die "weichen Faktoren": Sie haben einen enormen Einfluss darauf, ob sich Mitarbeiter langfristig an ein Unternehmen binden oder eben auch nicht. Zu diesen Faktoren gehören u. a. die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit in bestimmten Lebensphasen in Teilzeit zu arbeiten.

Motivierte und begeisterte Mitarbeiter sind die beste Werbung für ein Unternehmen.

Für die Angestellten im öffentlichen Dienst sind diese Faktoren in den Tarifverträgen geregelt, was die Einhaltung dieser Regelungen ungleich einfacher macht. Angestellte in den freien Büros handeln in der Regel ihre Arbeitsverträge selber aus und sind dabei auf ihr persönliches Verhandlungsgeschick angewiesen.

Die Einhaltung der vereinbarten Regelungen ist im Arbeitsalltag allerdings oft schwierig umzusetzen. Wir kennen das alle. Der Entwurf muss fertig werden, die Ausschreibung muss raus und auf der Baustelle fehlen noch die aktuellen Werkpläne. Die Folge sind Überstunden, die oft genug nicht abgebaut werden können. So entsteht über kurz oder lang bei vielen Angestellten der Wunsch an dieser Situation etwas zu verändern.

Arbeitskräfte zu binden, ist eine Generationenfrage

Die Bereitschaft, sich beruflich zu verändern, ist ganz klar eine Generationenfrage. Die sogenannten Babyboomer, die heute 54- bis 64-Jährigen, haben ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis in Bezug auf ihren Arbeitsplatz. Sie kennen noch die Zeiten in den Architekturbüros, in denen man froh war, überhaupt eine Arbeitsstelle zu haben. Doch diese Generation wird in den nächsten knapp 15 Jahren das Rentenalter erreichen.

Es wachsen die jüngeren Generationen X, Y und Z nach, die bereits ganz andere Erwartungen an ihr Berufsleben haben. Die Millenniums, die in den nächsten 10 Jahren auf den Arbeitsmarkt strömen, zeichnen sich durch Unabhängigkeit aus. Sie sind in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass alles möglich scheint. Eine Konkurrenz auf dem Arbeits-markt müssen sie nicht mehr fürchten. Work-Life-Balance wird für sie nicht nur ein Begriff sein, sie werden es leben. Hierzu gehören nicht nur eine angemessene Bezahlung und geregelte Arbeitszeiten. Der passende Standort, Anerkennung, Perspektiven und die Identifikation mit dem Unternehmen sind wichtige Faktoren, die stimmen müssen. Wer diese Generation an sich binden möchte, wird sich auf sie einstellen müssen. Alle Generationen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen in einem Team zu führen, ist dabei die große Herausforderung. Das gilt übrigens für die Architekturbüros und den öffentlichen Dienst gleichermaßen.

 

Archivbeitrag vom 16. April 2019