23. Juni 2026
„Junge Perspektiven müssen mit am Tisch sitzen“

© Soufiane Talhaoui | © Theresa Jerke
Warum sollten sich junge Architekt:innen zur Wahl stellen – und nicht einfach die eigene Karriere in den Fokus stellen?
Bader: Das ist keine Entweder-oder-Frage. Berufspolitisches Engagement und Karriere schließen sich nicht aus – im Gegenteil. In den Kammern werden wichtige Rahmenbedingungen für die Zukunft unseres Berufs verhandelt: vom Berufseinstieg über Honorare bis hin zu Entwicklungen der gesamten Branche. Wenn wir mitentscheiden wollen, wie wir künftig arbeiten, müssen wir uns einbringen.
Krippleben: Gerade zu Beginn der beruflichen Laufbahn bietet das Engagement einen enormen Mehrwert. Man kommt mit vielen Kolleg:innen ins Gespräch, baut ein starkes Netzwerk auf und profitiert vom Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen unseres Berufs.
Was hat Sie dazu bewegt, sich in der Kammer zu engagieren?
Krippleben: Der Wunsch, mitanzupacken und aktiv etwas zu verändern – vor allem in Bezug auf faire Arbeitsbedingungen beim Berufseinstieg. Denn schon während des Studiums hatte ich oft das Gefühl, dass viele ähnliche Herausforderungen und Sorgen im Hinblick auf den späteren Berufsalltag teilen. Außerdem möchte ich die Außenwirkung der Kammer positiv mitgestalten, um die Identifikation jüngerer Kolleg:innen mit der Kammer zu stärken.
Was bringt Ihnen das Engagement konkret?
Bader: Einen generationenübergreifenden Austausch - man lernt voneinander, erweitert den eigenen Horizont und merkt, dass die eigene Perspektive gefragt ist.
Engagement klingt gut – aber wie realistisch ist das neben langen Bürozeiten?
Krippleben: Wir haben beide das Glück, Arbeitgeber zu haben, die unser Engagement unterstützen und uns beispielsweise für Kammersitzungen während der Arbeitszeit freistellen. Übrigens: Ehrenamt ist im Architektengesetz verankert. Aber natürlich kostet Engagement auch Freizeit. Wie stark man sich einbringt, ist dabei jedem selbst überlassen. Auch punktuelles Engagement kann viel bewirken!
Wie viel Einfluss haben junge Stimmen?
Krippleben: Veränderungen passieren selten über Nacht. Viele Prozesse brauchen Zeit. Aber junge Stimmen setzen wichtige Impulse. Wir bringen neue Themen und hinterfragen etablierte Denkweisen und Formate. Im BAK-Juniorausschuss haben wir gerade einen Kammer-Guide entwickelt – eine Orientierungshilfe für Studierende und Berufseinsteiger.
Bader: Auch auf Landesebene können wir uns aktiv einbringen, beispielsweise betreuen wir den Instagram-Kanal für Juniormitglieder (@juniornetzwerk_akrp) und haben begonnen Stammtische und Baustellenführungen zu organisieren. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen: Man kann etwas bewegen, wenn man seine Stimme nutzt – aber gemeinsam ist man deutlich lauter als allein.
In welchen Fragen braucht es heute besonders dringend die Perspektive der jungen Generation?
Bader: Ganz klar bei Themen wie nachhaltigem, klimagerechtem Bauen, Digitalisierung und neuen Arbeitsmodellen. Aber auch beim Selbstverständnis des Berufs: Wie wollen wir arbeiten? Welche gesellschaftliche Verantwortung tragen wir? Welche Werte vertreten wir dabei?
Was schreckt viele junge Architekt:innen noch ab?
Krippleben: Viele glauben, sie hätten noch nicht genug Erfahrung, um mitreden zu dürfen. Dabei braucht es gerade die Perspektive derjenigen, die die Auswirkungen heutiger Entscheidungen am längsten spüren werden! Auch die Vorstellung, dass alles sehr formal und schwer zugänglich ist, schreckt ab. Das stimmt teilweise – aber es wird eben nur offener, wenn neue Leute dazukommen. In Rheinland-Pfalz haben Juniormitglieder das aktive und passive Wahlrecht; das ist leider bisher nicht in allen Bundesländern selbstverständlich. Also mitmachen, mitdenken, mitgestalten!
Ihr Pitch in einem Satz: Warum sollte man kandidieren?
Krippleben: An jungen Perspektiven mangelt es nicht – jetzt müssen sie nur auch mit am Tisch sitzen!
Bader: Mitgestaltung beginnt damit, sich einzumischen. Wer sich nicht einbringt, überlässt anderen die Entscheidungen.
Das Interview führte Lena Pröhl.
Der Instagram-Account @juniornetzwerk_akrp bietet jungen Architektinnen und Architekten eine unkomplizierte Anlaufstelle zum Vernetzen und Informieren. Reinschauen lohnt sich!