Die Architektenkammer lebt von der Selbstverwaltung. Was bedeutet dieses Prinzip für Sie persönlich?
Selbstverwaltung ist für mich von zentraler Bedeutung. Wir entscheiden selbst, welche Themen für unseren Berufsstand wichtig sind – nicht ein Ministerium oder ein Konzern. Wir erkennen die Bedarfe und entwickeln die passenden Antworten. Genau darin liegt die Stärke unserer Kammer.
Welche Themen werden die Arbeit der Kammer in den kommenden Jahren prägen?
Ich bin überzeugt, dass der Bestand künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken wird. In unseren bestehenden Gebäuden stecken enorme Ressourcen. Als Architektinnen und Architekten wissen wir, wie sich dieses Potenzial nutzen lässt. Dieses Wissen müssen wir noch stärker in die Gesellschaft tragen.
Gleichzeitig wird uns das Thema Klimaanpassung weiter intensiv beschäftigen – etwa durch sommerlichen Wärmeschutz, möglichst mit einfachen Lösungen. Resiliente Städte, Quartiere und Wohngebäude werden dabei eine zentrale Rolle spielen.
Warum sollten sich insbesondere auch junge Architekt:innen zur Wahl stellen?
Es geht um unsere Zukunft. Wer sich als junge Architektin oder junger Architekt, als Planerin oder Planer engagiert, kann diese Zukunft aktiv mitgestalten. Die Architektenkammer bietet dafür hervorragende Möglichkeiten, denn sie ist an vielen Gesetzgebungsverfahren beteiligt. Dadurch haben wir die Chance, unsere fachliche Expertise einzubringen und an der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen mitzuwirken.
Viele Architekt stehen unter hohem wirtschaftlichem und zeitlichem Druck. Wie kann die Kammer dennoch Menschen für ein Ehrenamt gewinnen?
Ein Ehrenamt erfordert natürlich Zeit und Engagement. Gleichzeitig lässt sich der persönliche Einsatz oft gut steuern und mit dem Berufsalltag verbinden. Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich sagen: Ich habe mein ehrenamtliches Engagement immer gut mit meiner beruflichen Tätigkeit vereinbaren können – und es nie bereut.
Was hat Ihnen Ihr eigenes Engagement gebracht – beruflich wie persönlich?
Besonders wertvoll ist für mich der kollegiale Austausch. Die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen sind fachlich bereichernd, inspirierend und oft sehr zielführend. Darüber hinaus sind im Laufe der Zeit Freundschaften entstanden, die ich sehr schätze und die sich in einem anderen Kontext wahrscheinlich nicht entwickelt hätten.
Warum lohnt sich Engagement in der Kammer?
In der Architektenkammer diskutieren Kolleginnen und Kollegen die Themen, die unseren Berufsstand bewegen. Diese Impulse werden in die Fachgremien getragen, dort weiterentwickelt und mit Blick auf die Zukunft gestaltet. Allein die Möglichkeit, Zukunftsthemen aktiv mitzugestalten – auch im Hinblick auf Gesetzgebung und politische Rahmenbedingungen –, macht das Engagement lohnenswert. Unser Zukunftskongress zum 75-jährigen Kammerjubiläum hat gezeigt, wie groß das Interesse am fachlichen Austausch und an der gemeinsamen Weiterentwicklung unseres Berufsstandes ist. Diesen Dialog fortzusetzen, neue Impulse aufzugreifen und die Zukunft der Architektur gemeinsam zu prägen, ist heute wichtiger denn je.
Das Interview führte Lena Pröhl.
