14. Mai 2021

Angestellte und Beamte im Ehrenamt

Vorstandsmitglied Julia Holzemer-Thabor
Vorstandsmitglied Julia Holzemer-Thabor
Foto: Heike Rost, Mainz

Die Zahl der angestellten und beamteten Kammermitglieder (A+B) wächst. Zu ihnen zählt Vorstandsmitglied Julia Holzemer-Thabor, die als Architektin im öffentlichen Dienst tätig ist. Warum sich ehrenamtlicher Einsatz lohnt, erzählt sie im Gespräch.

Frau Holzemer-Thabor, Sie sind seit über zehn Jahren ehrenamtlich in der Architektenkammer Rheinland-Pfalz tätig, seit 2012 im Vorstand. Warum engagieren Sie sich?

Das Engagement in der Kammer ist mir sehr wichtig, weil genau hier unsere berufspolitischen Interessen vertreten werden. Und damit meine ich nicht nur die Interessen der Angestellten und Beamten, sondern die Interessen des gesamten Berufsstandes mit all seinen Fachdisziplinen. Hierzu zählen neben den berufsständischen Themen auch so wichtige Themen wie Baukultur, Wohnungsbau, Umwelt- und Klimaschutz oder die Fortbildung. Persönlich macht mir die Tätigkeit in der Kammer nach wie vor noch sehr viel Freude.

Rund die Hälfte der Mitglieder der Architektenkammer sind angestellt oder beamtet. In den Kammergremien sind sie noch nicht in diesem Umfang aktiv. Woran liegt das?

Ehrenamtliches Engagement nimmt allenthalben ab. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sich der wachsende Mitgliederanteil der A+B auch in den Gremien widerspiegeln sollte. Viele Kollegen denken vielleicht, dass Aktivitäten in der Kammer mit einem enormen Arbeitsaufwand verbunden seien, was ich zumindest für eine Mitgliedschaft in der Vertreterversammlung (VV) nicht bestätigen kann. Einige Kollegen denken auch, dass die Kammer nur die Interessen der Freiberufler vertrete. Das ist natürlich nicht so. Alle Leistungen und Angebote der Kammer stehen selbstverständlich auch den A+B zur Verfügung und sie profitieren von den guten Angeboten.

Welche beruflichen Themen bewegen A+B aktuell besonders?

Aktuell sind es natürlich die Auswirkungen der Coronapandemie, die alle Themen überschatten. Bei den A+B geht es dabei um die Herausforderungen von Homeoffice, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch um Gendergerechtigkeit. Weitere große Themen sind der Fachkräftemangel und die Notwendigkeit der fachspezifischen Stellenbesetzung in den öffentlichen Bauverwaltungen. Hierzu haben wir in einer A+B Arbeitsgruppe ein umfangreiches Positionspapier erarbeitet, das bei offiziellen Terminen mit Bürgermeistern und Landräten weitergegeben wird.

Warum lohnt sich das Engagement in der Architektenkammer für A+B?

Es gibt Themen in der Kammer, die A+B besonders betreffen und unmittelbare Auswirkungen auf deren Berufsalltag haben. Ich denke da an das Dauerthema des Verbleibs der angestellten Architektinnen und Architekten in den berufsständischen Versorgungswerken, seitdem die DRV die Befreiungspraxis deutlich restriktiver handhabt. Hierzu war eine Anpassung des Berufsbildes im Architektengesetz erforderlich, was in Rheinland-Pfalz bereits umgesetzt wurde. Seitdem gelingt es wieder deutlich mehr Antragstellerinnen und Antragstellern, im berufsständischenen Versorgungswerk zu bleiben.

Wie kann man eine ehrenamtliche Tätigkeit und den Beruf unter einen Hut bringen?

Ehrenamtliche Tätigkeit bedeutet immer Zeitaufwand, besonders im Vorstand. Die Mitglieder der VV haben in der Regel nur zwei Sitzungstermine im Jahr. Bei persönlichem Interesse kann man sich noch in Arbeitsgruppen engagieren. Ich denke, dass der zeitliche Aufwand gut mit dem Berufsalltag zu vereinbaren ist. Im Gegenzug ist es auch für jedes Mitglied der VV sehr bereichernd, sich bei den Sitzungsterminen mit den vielen Kolleginnen und Kollegen zu treffen, sich auszutauschen und natürlich auch mitbestimmen zu können.

Welche Tipps haben Sie für diejenigen, die zum ersten Mal im Ehrenamt tätig sind?

Keine Scheu haben und einfach beginnen. Ein guter Einstieg ins Ehrenamt bei der Kammer sind die Kammergruppen. Deren Teams treffen sich regelmäßig und organisieren viele gute Aktionen, an denen man sich beteiligen kann. Bei Interesse an einer Mitgliedschaft in der Vertreterversammlung kann man natürlich auch direkt kandidieren. So war es bei mir. Als ich vor 10 Jahren angesprochen wurde, habe ich nicht lange gezögert.

Was wünschen Sie sich für die Vertreterversammlung der kommenden Wahlperiode?

Ich wünsche mir, dass die Anzahl der A+B in der VV weiter steigt, denn sie werden in Zukunft die Kammerarbeit ganz entscheidend mitbestimmen. Hier sind insbesondere die jungen Mitglieder gefragt. 

  

Sie sind angestellt oder beamtet und möchten sich in Ihrer Kammer engagieren? Dann nehmen Sie am digitalen Infoabend für A+B am Montag, 21.06. 2021, ab 17.00 Uhr teil.
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