16. Juli 2009

Alle Jahre wieder

Volle Häuser beim Tag der Architektur 2009: Rund 12.400 Menschen waren am letzten Juniwochenende wieder beim „Tag der Architektur“ in Rheinland-Pfalz dabei, rechnet man die Teilnehmer der „woche der baukultur“ hinzu, waren es noch einige mehr. Damit zeichnet sich ein neuer Besucherrekord ab.

Natürlich waren die insgesamt 66 architektouren-Projekte zwischen Daaden und Steinfeld nicht gleichmäßig gut besucht. Insbesondere aber die privaten Wohnhäuser zählten wieder zu den Publikumsmagneten. Sie konnten beinahe allesamt zwei-, drei-, ja bis zu sechshundert Gäste begrüßen. Den engagierten, mutigen und geduldigen Bauherren, die diese Mühe oft mit großem Enthusiasmus auf sich nehmen, ist dafür in allererster Linie zu danken. Sie ermöglichen es „ihren“ Architekten, an der öffentlichkeitswirksamsten Architekturveranstaltung des Jahres teilzunehmen - gerade bei Privatleuten keine Selbstverständlichkeit, aber auch ein ganz wunderbares Plädoyer für das Bauen mit Architekten, In­nenarchi­tekten, Landschaftsarchitekten und Stadt­pla­nern. Bei den „Nicht-Wohngebäuden“ war es wohl das recht versteckt im Pfälzer Wald gelegene „Haus des Wassers“, das mit 400 Besuchern am besten und für einen öffentlichen Bau ganz außergewöhnlich gut besucht war.

woche der baukultur

In und um Mainz hatte die Kammergruppe im Rahmen ihrer „woche der baukultur“ wieder zusätzlich zu den individuellen Rundfahrten einen Bus organisiert, der am Samstag und am Sonntag eine treue Gruppe Unermüdlicher jeweils mehr als acht Stunden mit zeitgenössischem Planen und Bauen vertraut machte. In Edenkoben lockte der traditionelle Terrassenabend auf der Villa Ludwigshöhe rund 150 Gäste mit einem Werkbericht aus dem Büro Mahler Günster Fuchs/MGF Architekten und dem Trio „French Touch“ zum Ausklang. Die Erste Baukulturwoche mit Filmen und Führungen in Trier meldet ebenfalls hervorragende Besucherzahlen: Am Eröffnungsfilmabend mehr als 100, bei einem Stadtspaziergang mit Professor Peitz gar 150 Teilnehmer. Kaiserslautern widmete sich in der Architekturgalerie der spannenden Frage, wie Stadt und Umland mit der für die kommenden 20 Jahre prognostizierten Schrumpfung um etwa 20 Prozent umgehen können. In Koblenz wurde ein Spaziergang über die BUGA-Baustelle angeboten.

Mainz wollte außerdem mit seiner Baukulturwoche Schule machen: Gezeigt wurde unter anderem die Ausstellung des nordrhein-westfälischen Schulbaupreises „Hier macht lernen Spaß“. Vizepräsident Gerold Reker machte bei der Eröffnung darauf aufmerksam, dass trotz PISA- und OECD-Diskussion der Schulbau - anders als in den sechziger Jahren - kaum diskutiert werde. Er konstatierte „Gerade bei Sanierungen und Renovierungen steht man häufig vor einem Berg funktionaler Anforderungen, die den ‚dritten Lehrer’, den Raum, buchstäblich ‚an die Wand’ fahren.“ Für ihn war offensichtlich, dass ein verändertes Bildungssystem ein Umdenken in den Planungsstrukturen der Bauaufgabe Schule erfordere. Die anwesenden Eltern und Pädagogen konnten dem nur zustimmen. Sein nord­rhein-westfälischer Kollege Michael Arns, der im Anschluss die Ausstellungsbeiträge besprach, konnte durchaus von Erfolgen durch eine große Flexibilisierung im Nachbarland berichten. Diesen Eindruck verstärkte am Folgeabend das Referat von Frauke Burgdorff und Dr. Karl-Heinz Imhäuser, die aus der Arbeit der Montag Stiftung „Konzepte für eine pädagogische Architektur - Schule als Lern- und Lebensraum“ vorstellten.