19. Februar 2016

Baukultur und Hochschulpolitik in Rheinland-Pfalz

Premiere in der Hochschule Mainz: Professoren, Studierende und Architekten diskutieren mit Politikern über die aktuelle Situation der Lehre und Verbesserungspotentiale.

 

Die Fachbereiche der Architektur, der Innenarchitektur und der Raum- und Umweltplanung rheinland-pfälzischen Hochschulen, also der TU Kaiserslautern sowie der Hochschulen Kaiserslautern, Koblenz, Mainz und Trier haben gemeinsam mit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz am 28. Januar 2016 zum ersten Diskussionsabend unter dem Titel „Baukultur und Hochschulpolitik in Rheinland-Pfalz“ in die Aula der Hochschule Mainz eingeladen. Gut 150 Teilnehmer waren - teils mit Bussen aus den Hochschulstandorten Koblenz, Trier und Kaiserslautern - nach Mainz gekommen, um ihre Anliegen zu artikulieren. Initiiert und konzipiert wurde der Abend im Hochschulbeirat, zu dem die Kammer seit vielen Jahren regelmäßig einlädt.

Die Begrüßung der Gäste hatten der Präsident der Hochschule Mainz, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth und Kammervizepräsident Ernst Wolfgang Eichler übernommen. Eichler nutzte seinen Part, um die zunehmende Komplexität des Berufes und die ständig steigenden Anforderungen an die Ausbildung deutlich zu machen. Er forderte mehr Ausbildungskultur als Voraussetzung für das, was der Beruf gesellschaftlich zu leisten habe.

Im Anschluss leiteten zwei Impulsreferate ins Themenfeld ein, wobei sich Prof. Dr. Christoph Grafe von der Universität Wuppertal auf „Architekturvisionen“ und das gesellschaftspolitische, innovative Potential der Architekturschulen bezog. Er stellte sie als Denkräume dar, deren Aufgabe es sei, architektonische und stadtplanerische Diskurse nicht auf die Ausbildungsstätte zu begrenzen, sondern in die jeweilige Hochschul-Stadtgesellschaft zu tragen. Welche Voraussetzungen räumlicher und personeller Art dafür nötig sind, machte er am Beispiel der Hochschule Delft deutlich.


Auf die Zahlen und Fakten der derzeitigen Architekturausbildung machte Prof. Clemens Bonnen aufmerksam. Er lehrt an der Hochschule Bremen und berichtete aus der Erfahrung als Vorstandsvorsitzender des ASAP, dem Akkreditierungsverbund für Studiengänge der Architektur und Planung. Die Umstellung auf die BA/MA-Ausbildung bei gleichzeitiger Steigerung der Anzahl von Studienanfängern unter anderem durch doppelte Abiturjahrgänge führte seit der Jahrtausendwende zu einer drastischen Verschlechterung der Betreuungssituation. In Rheinland-Pfalz kommen große räumliche Engpässe seit vielen Jahren erschwerend hinzu.

Die anschließende politische Diskussionsrunde prägten dann drei Forderungen:
1.    eine adäquate personelle Ausstattung
2.    ausreichende Flächen für alle Studierenden
3.    die Sicherung der Berufsqualifizierung durch eine Erhöhung der Aufnahmeplätze in den Masterstudiengängen.

Moderiert von Prof. Bonnen diskutierten die hochschul- und forschungspolitische Sprecherin der SPD Fraktion Rheinland-Pfalz Barbara Schleicher-Rothmund, die Sprecherin für Wissenschaft und Weiterbildung der CDU Fraktion Rheinland-Pfalz Dorothea Schäfer, Gunther Heinisch als Sprecher für Wissenschaft/Hochschule der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Rheinland-Pfalz mit Prof. Dipl.-Ing. Helmut Kleine-Kraneburg von der TU Kaiserslautern und Prof. Dr.-Ing. Julius Niederwöhrmeier als Vertreter der Hochschule Mainz. Steffen Netterdorn, Studierender im BA-Studiengang Architektur der Hochschule Mainz und Celine Zimmer, ebenfalls BA-Architektur- Studierende der Hochschule Trier, komplettierten die Runde, an deren Ende zunächst die unterschiedlichen Positionen verdeutlicht und konkrete Einladungen zu weiteren Informationsrunden, darunter in den nächsten Hochschulbeirat, ausgetauscht waren.