20. August 2026

Architektur als Haltung

Sommerfest
Politisches Sommerfest der Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Foto: Kristina Schäfer, Mainz

13. Politisches Sommerfest

Rund 350 Gäste aus Politik und Verwaltung, Kammern und Verbänden, der Architekten- und Bauwirtschaft sowie den Hochschulen kamen am 20. August zum 13. Politischen Sommerfest der Architektenkammer Rheinland-Pfalz ins Zentrum Baukultur in Mainz. Unter Arnes Brücke wurde über aktuelle Herausforderungen des Planens und Bauens, bezahlbares Wohnen, die Zukunft der Baukultur und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung diskutiert.
 

Rheinland-Pfalz im Fokus

In seiner Begrüßung richtete Kammerpräsident Joachim Rind den Fokus auf Rheinland-Pfalz – die angespannte politische Großwetterlage blieb außen vor. Mit Blick auf die neue Landesregierung, begrüßte er den neuen Zuschnitt des Ministeriums für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur. Damit seien – wie von der Architektenkammer seit Langem gefordert – zentrale Themen rund ums Bauen gebündelt.
Zugleich mahnte Rind eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen an. Bei öffentlichen Bauprojekten komme es zu häufig zu Verzögerungen, weil Fördermittel zunächst bewilligt werden müssten. „Wir brauchen Prüfverfahren mit Augenmaß“, forderte er. Auch Prozessbeschleunigung, Phase Null, Bauteams und Digitalisierung seien wichtige Ansätze. Ebenso brauche es eine neue Fehlerkultur und mehr Vertrauen, griff er zentrale Punkte der Rede von Bauminister Sven Teuber beim 25. Bauforum am 23. Juni 2026 auf. „Wir stecken in dieser Sackgasse – in einer Verhinderungsunkultur. Lassen Sie uns aufräumen“, appellierte Rind. Rein juristisches Denken beim Planen und Bauen werde den Projekten nicht gerecht. Zugleich sprach er sich für eine fachkundige Besetzung der zuständigen Ämter aus.

Mit Verweis auf den Konvent der Baukultur im Juni in Potsdam stellte Rind die Bedeutung guter Gestaltung heraus: „Schönheit ist ein Garant für Nachhaltigkeit.“ Wettbewerbe seien ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung. Der Gebäudetyp E sei zwar kein Allheilmittel, könne aber einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von Wohnraum leisten. Zudem lobte er die neue Landesbauordnung, die mit dem Leitbild „Umbau“ die Umnutzung, Sanierung und den Erhalt des bestehenden Gebäudebestands vor dem Neubau priorisiert. Beim Thema Nachhaltigkeit warb Rind dafür, Lösungen stärker in die Breite zu tragen, statt Anforderungen immer weiter zuzuspitzen. Als Beispiel nannte er die Landesgartenschau 2028 in Neustadt an der Weinstraße, die nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip geplant und umgesetzt wird.

Ein besonderes Anliegen des Vorstands ist die Förderung des Nachwuchses. „Viele Junge haben wieder Mut“, freute sich Rind über die Bereitschaft des Architektennachwuchs zur Bürogründung und verwies auf den „Nachwuchsarchitekt:innentag“ am 23. Oktober in Karlsruhe als bundesweites Netzwerktreffen. 

Zum Abschluss appellierte Rind an die Mitglieder, sich an der bevorstehenden Kammerwahl im Herbst zu beteiligen: „Ihre Stimme stärkt unsere berufsständische Selbstverwaltung!“

Mehr Haltung, mehr Baukultur

Bauminister Sven Teuber knüpfte unmittelbar an die gesellschaftliche Bedeutung von Architektur und Baukultur an. Seine Kernbotschaft: „Architektur ist Haltung.“ Die gebaute Umwelt sei Ausdruck gesellschaftlicher Entscheidungen und Vorstellungen. Architektur sei damit auch „eine Haltung zur Demokratie“. Bauen und Wohnen dürften deshalb nicht als reines Finanzprodukt betrachtet werden, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Mit Bezug auf den Soziologen Hartmut Rosa warb Teuber dafür, wieder stärker aktiv zu gestalten. „Wir brauchen Orte, die Identität stiften, die Heimat schaffen.“ Regionale Materialien und Bezüge könnten dazu beitragen – etwa Schiefer in Trier oder roter Sandstein in Mainz.

Mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen verwies der Minister auf die europäischen Bemühungen, den Wohnungsbau stärker zu unterstützen. Dies werde jedoch durch zunehmende Vorschriften konterkariert. „Wir haben dicke Bretter zu bohren“, sagte Teuber. Den eingeschlagenen Weg wolle er dennoch konsequent weitergehen. 

Orte der Begegnung 

Landtagsvizepräsidentin Jaqueline Rauschkolb hob in ihrem Grußwort die Bedeutung von Orten der Begegnung für die Demokratie hervor. Wohnen sei eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt; bezahlbare Mieten längst eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Bezahlbarer Wohnraum, moderne Infrastruktur, die Bewältigung der Folgen des Klimawandels und die Sicherung von Lebensqualität in Stadt und Land gehörten zu den zentralen Aufgaben. Umso wichtiger sei es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam neue Wege zu entwickeln. Das Politische Sommerfest biete dafür eine wichtige Plattform. Es brauche Mut zum Wandel – bei Planenden, Bauwirtschaft und Kommunen ebenso wie in der Politik, die dafür die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen müsse.

Im Dialog die Zukunft gestalten

Der Abend klang bei angeregtem Austausch in lockerer Atmosphäre aus. Das Zentrum Baukultur und sein Umfeld hatten sich erneut in eine sommerliche Partylocation verwandelt.

Das 13. Politische Sommerfest zeigte einmal mehr: Gute Baukultur entsteht dort, wo Politik, Planung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen – und gemeinsam den Mut haben, Zukunft zu gestalten.

 

Fotos: Kristina Schäfer, Mainz