08. Juli 2026

Mehr wagen

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Trotz sommerlich hoher Temperaturen gut besucht: der kammer-start
Foto: Kristina Schäfer, Mainz

Am 26. Juni fand die After-Work-Party für Berufsstarter und Absolvierende statt

Studienabschluss in der Tasche – und dann? Antworten auf Fragen zum Berufseinstieg, zur Kammermitgliedschaft und zu den Perspektiven im Berufsstand gab Ende Juni die traditionelle After-Work-Party der Architektenkammer Rheinland-Pfalz in Mainz. Neben Informationen rund um den Start ins Berufsleben bot die Veranstaltung Gelegenheit zum Netzwerken.

„Ihr habt einen tollen Beruf gewählt“, begrüßte Kammerpräsident Joachim Rind die Absolventinnen und Absolventen. Architektur sei ein kreativer und besonders erfüllender Beruf, der Verantwortung mit sich bringe: „Wir gestalten Räume. Was wir planen, soll Bestand haben – unser Berufsstand hinterlässt Spuren.“

Rind stellte die Aufgaben und Gremien der Architektenkammer vor und betonte die Bedeutung der beruflichen Selbstverwaltung. Als freier Beruf genieße die Architektenschaft das Privileg, zentrale Fragen selbst zu regeln – von den Zugangsvoraussetzungen über die Fortbildungspflicht bis hin zu Honorarfragen und Mitgliedsbeiträgen. Ein weiterer Schwerpunkt war die Berufspolitik. Angesichts steigender Baukosten setze sich die Kammer für schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie den Abbau bürokratischer Hürden ein. Zu viele Vorschriften, Gutachten und langwierige Förderverfahren erschwerten insbesondere Bauvorhaben der öffentlichen Hand. Von einem Auftaktgespräch mit dem neuen Bauminister Sven Teuber Anfang Juli versprach sich Rind wichtige Impulse für die Zusammenarbeit.

Unter dem Motto „Mehr wagen“ ermutigte der Präsident den Nachwuchs, eigene Wege zu gehen. „Mit eurer Berufswahl habt ihr das schon gemacht“, sagte er und warb zugleich für unternehmerischen Mut: Angesichts einer wachsenden Zahl angestellter Architektinnen und Architekten appellierte er: „Macht euch selbstständig!“

Mit der Juniormitgliedschaft profitiert der Nachwuchs nun frühzeitig von Leistungen wie dem Versorgungswerk, Beratungs- und Fortbildungsangeboten sowie den Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung des Berufsstandes. Regionale Netzwerke und Stammtische fördern zusätzlich den Austausch.

„Fragt nicht nur, was die Kammer für euch tun kann – ihr seid oder werdet Teil der Kammer“, betonte Rind. Mit Blick auf die anstehende Kammerwahl im Herbst rief er insbesondere die jungen Mitglieder dazu auf, sich zu engagieren und die Zukunft des Berufsstandes aktiv mitzugestalten. Gerade bei Themen wie Nachhaltigkeit, Bauen im Bestand, Resilienz und Suffizienz brauche es die Perspektive der jungen Generation. Sein abschließender Wunsch lautete: „Macht schöne, nachhaltige Architektur.“ Denn wirklich nachhaltige Gebäude zeichneten sich nicht nur durch ressourcenschonendes Bauen aus, sondern auch durch Qualität, Langlebigkeit und zeitlose Gestaltung. 

Praxisnahe Einblicke gab der Mainzer Architekt Timm Helbach. Sein 2015 gegründetes Büros mamuth versteht sich als Manufaktur für Architektur, Mobiliar, Urbanismus und Theorie und ist insbesondere für nachhaltige Holzbauprojekte und Nachverdichtungen bekannt. Helbach, der sich unter anderem im Werkbund Rheinland-Pfalz, BDA sowie in der Mainzer Kammergruppe engagiert, hob die Bedeutung von Vernetzung und Architekturvermittlung hervor. Der kollegiale Austausch sei ebenso wichtig wie die Fähigkeit, planerische Ideen verständlich zu vermitteln – etwa mithilfe von Modellen.

Anhand verschiedener Projekte zeigte er die Chancen nachhaltiger Planung auf. Dazu gehörten die Revitalisierung der Dorfmitte Essenheim mit fünf Teilprojekten, das innovative Mischnutzungsprojekt „Ecohybrid in Rheinhessen“ mit kreislauffähiger Bauweise und Stampflehm sowie die serielle Sanierung der Grundschule Essenheim. Besonders am Herzen liegt Helbach das Bauen im Bestand. „Eigentlich dürfen wir gar nicht mehr neu bauen“, sagte er mit Blick auf den Flächenverbrauch. Stattdessen gelte es, Potenziale zu nutzen – etwa durch die Umnutzung leerstehender landwirtschaftlicher Gebäude oder den Ausbau bislang ungenutzter Dachgeschosse. Allein in Mainz gebe es rund 3.000 Dächer mit Ausbaupotenzial.

Ergänzend informierten Kurzvorträge über die Eintragungsvoraussetzungen in die Architektenliste, die (Junior-)Mitgliedschaft, die Berufshaftpflichtversicherung und das Versorgungswerk. Bei sommerlichen Temperaturen boten kühle Getränke und Eis Gelegenheit zum persönlichen Austausch, bevor das Trio Nardis den Abend musikalisch ausklingen ließ.