Fachwerkhaus in Neustadt an der Weinstraße

Baujahr Fertigstellung: 2010
Entwurfsverfasser: HAUSS.ROHDE architekten, Haßloch, Architekt Christian Hauss
Mitarbeiterin: Architektin Karin Kopf
Fachplaner: IB für Bauwesen Neustadt an der Weinstraße, Frank Roth
Bauherren: privat


Auf neuer Basis

Ein Bauwerk in Gänze anzuheben, um es auf eine völlig neue, tragfähige und schützende Basis zu stellen, das gehört zu den spektakuläreren und eher unüblichen Bauaufgaben. Hier haben die Eigentümer dennoch zu dieser aufwendigen Lösung gegriffen, weil die Schwellen, auf denen das Fachwerkhaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stand, sowie die unteren Gefache weggefault waren. "Das Haus war in einem erbärmlichen Zustand, ich dachte, da würde keiner mehr einen Groschen für geben", sagt der heutige Mieter. Wie vielerorts war das Straßenniveau im Lauf der Jahrzehnte angehoben, der Sockel des Hauses dadurch verschüttet worden. Im Zuge der Sanierung wurden nicht nur Sockel, Schwellen und Gefache erneuert, sondern unter dem Haus 70 Zentimeter Glasschaumschotter eingebracht, jedoch keine Bodenplatte.
Durch Innendämmung, Wandheizung und Lehmputz wurde ein Raumklima geschaffen, das der Nutzer als "sehr, sehr angenehm" beschreibt. Gegenwärtig versorgt eine Gasbrennwerttherme das Haus mit Wärme. Allerdings wurden die Heizflächen so dimensioniert, dass jederzeit eine Wärmepumpe den Gasbrenner ersetzen, das Haus also mit Energie aus erneuerbaren Quellen beheizt werden kann. Die Außenhülle erfuhr in Abstimmung mit dem Denkmalschutz nur minimale Eingriffe. So konnte ein stimmiges Erscheinungsbild wiederhergestellt werden.

Historische Bausubstanz erfordert spezielle Lösungen

Fachwerkhäuser prägen viele unserer beliebtesten historischen Ortskerne. Doch unter energetischen Gesichtspunkten gelten sie als unattraktiv und problematisch. Bei einer Wandstärke von 14 bis 16 Zentimetern sind die heute üblichen Innenraumtemperaturen nur mit hohem Energieaufwand zu erreichen. Der Fachwerkbau erfordert ein besonderes Fingerspitzengefühl und vor allem Spezialkenntnisse bei der energetischen Sanierung. Das hier vorgestellte Bauprojekt ist insofern nicht einzigartig, sondern beispielhaft für die behutsame und denkmalschutzverträgliche energetische Sanierung eines Fachwerk-Wohnhauses.
Katrin Vetters

  • Jahres-Primärenergiebedarf 118,6 kWh/(m2a)
  • Unterschreitung 33,96 %
  • Transmissionswärmeverlust 0,410 HTW/(m2K)
  • Unterschreitung 40,58 %