29. April 2026

Zimmer. Küche. Bad. Balkon. in Neustadt a.d. Weinstraße

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Foto: ISB

Wie hat sich das Wohnen in Rheinland-Pfalz seit 1949 verändert und welche Antworten braucht es künftig auf Wohnraummangel, steigende Baukosten, Klimaschutz und gesellschaftlichen Wandel? Diesen Fragen widmete sich die Vernissage zur Ausstellung „Zimmer. Küche. Bad. Balkon. – 75 Jahre Wohnraumförderung Rheinland-Pfalz“ am 29. April 2026 in der buergyderuijtergallery in Neustadt an der Weinstraße.

Sieben Jahrzehnte Wohnungsbau, verdichtet auf Grundrissen, Fotografien und Förderdaten. Die Ausstellung, die derzeit in der buergyderuijtergallery in Neustadt an der Weinstraße zu sehen ist, nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise: von der Gründung des Treuhandfonds für Grundpfandrechte im Jahr 1949 bis zur aktuellen Wohnraumförderung durch die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz. Was dabei sichtbar wird, ist mehr als Architekturgeschichte. Es ist auch die Geschichte sich wandelnder Lebenswirklichkeiten, gesellschaftlicher Leitbilder und politischer Steuerungsversuche.

Zur Eröffnung begrüßten Sandra Baumbach, Vorstandsmitglied der ISB, und Bernhard Adams, Baudezernent der Stadt Neustadt an der Weinstraße, ein fachkundiges Publikum aus Politik, Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Wissenschaft und Architektenschaft. Prof. Dr. Regina Stephan von der Hochschule Mainz lieferte mit ihrem Vortrag den historischen Rahmen: ein konziser Überblick über 75 Jahre Wohnraumförderung, der zugleich die Frage aufwarf, wohin die nächsten Jahrzehnte führen könnten.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass bezahlbarer Wohnraum längst kein reines Finanzierungsthema mehr ist. Energetische Sanierung, Kreislaufwirtschaft, Barrierefreiheit, flexible Grundrisse, soziale Durchmischung, all das gehört heute untrennbar zur Debatte. Besonders einig war man sich in einem Punkt: Bauen im Bestand ist kein Kompromiss, sondern eine Haltung. Bestehende Gebäude weiterzuentwickeln, umzunutzen und energetisch zu ertüchtigen schont Ressourcen, begrenzt den Flächenverbrauch und bewahrt gewachsene Nachbarschaften.

Auch das serielle Bauen kam zur Sprache und damit die Frage, ob Effizienz und Baukultur wirklich Gegensätze sind. Joachim Becker, Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, hielt dagegen: "Kostendruck darf nicht zur Entschuldigung für schlechte Räume werden. Wohnen bedeute mehr als ein Dach über dem Kopf, es braucht Qualität, Aufenthaltsraum und ein funktionierendes Quartier."

Den Abend beschlossen Brezeln, Wein und Gespräche, die nahtlos dort weiterführten, wo die Podiumsdiskussion geendet hatte. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Mai 2026 zu sehen, mittwochs und sonntags jeweils von 13 bis 16 Uhr.