11. Mai 2026

(um)bauen für Gäste III im Alten Sägewerk Bellheim

Gebäudeensemble des Alten Sägewerks Bellheim.
Gebäudeensemble des Alten Sägewerks Bellheim.
Foto: Dr. Christoph H. Nuehlen

Das Alte Sägewerk in Bellheim ist kein schlechter Ort, um über Atmosphäre zu sprechen. Der historische Industriebau mit seinen rauen Wänden und der warmen Holzstruktur verkörpert genau das, worum es bei der Veranstaltungsreihe „(um)bauen für Gäste" im Kern geht: Räume, die etwas erzählen, bleiben im Gedächtnis. Am 11. Mai 2026 kamen dort zum dritten Mal Gastgeberinnen und Gastgeber aus Gastronomie, Hotellerie und Tourismus zusammen und mit ihnen Architektinnen, Fördermittelexperten und Branchenvertreter, die zeigten, wie aus guten Ideen gebaute Wirklichkeit werden kann.

Eva Holdenried, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, begrüßte die Gäste gemeinsam mit Anette Kloos, Beigeordnete des Kreises Germersheim, und Gerald Job, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bellheim. Dann gehörte der Abend den Referenten.

Den Auftaktvortrag hielt Anna Roeren-Bergs, Landesgeschäftsführerin des DEHOGA Rheinland-Pfalz. Sie vertrat den verhinderten DEHOGA-Präsidenten Gereon Haumann und skizzierte unter dem Titel „Gastgewerbe heute – Stärken und Herausforderungen" die Lage einer Branche, die unter wirtschaftlichem Druck steht, unter Fachkräftemangel leidet und gleichzeitig mit veränderten Gästeerwartungen umgeht. Ihr Fazit war jedoch kein pessimistisches: Gerade individuell geführte Betriebe mit klarem Profil und echter Atmosphäre haben Chancen, die Kettenhotellerie und Systemgastronomie strukturell nicht bieten können.

Wie man diese Chancen nutzt, zeigte anschließend Prof. Carolin Seegmüller. Die Innenarchitektin und Architektin führte unter dem programmatischen Titel „Los geht's" durch die entscheidenden Phasen eines Umbau- oder Modernisierungsprojekts, von der Bedarfsermittlung über den konzeptionellen roten Faden bis zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft und Planenden. Seegmüller machte deutlich, dass im Bestand oft mehr steckt, als auf den ersten Blick sichtbar ist, und dass erfolgreiche Projekte nicht zwingend große Investitionssummen voraussetzen. Manchmal reicht ein präziser Blick und ein durchdachter erster Schritt.

Den dritten Impuls lieferte Jean Pascal Pilger von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Er stellte konkrete Förderprogramme vor: Zuschüsse für Investitionen, Mittel für Energie- und Ressourceneffizienz, Finanzierungshilfen bei Betriebsübernahmen und Beratungsangebote für Gründerinnen und Gründer. Dass eine frühzeitige Planung nicht nur inhaltlich, sondern auch im Hinblick auf Förderfähigkeit entscheidend ist, wurde dabei mehr als einmal deutlich.

Nach den Vorträgen löste sich die Veranstaltung in offene Gesprächsrunden auf. Diskutiert wurde, was die Teilnehmenden wirklich beschäftigt: Modernisieren mit überschaubarem Budget, die Suche nach echten Alleinstellungsmerkmalen, Fragen an Architekten und Berater, der Umgang mit Fördermitteln. Die Atmosphäre im Sägewerk tat das Ihre. Viele nutzten den Abend intensiv für Austausch und neue Kontakte.

Die Reihe „(um)bauen für Gäste" richtet sich an alle, die ihre Betriebe weiterentwickeln wollen, ob mit einer ersten Idee, einem konkreten Umbauvorhaben oder dem Wunsch nach strategischer Neuausrichtung. Organisiert wird sie von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Partnern aus Tourismus, Wirtschaftsförderung und Gastgewerbe. Die nächste Ausgabe ist bereits in Planung.