Die X. Wahlperiode der Vertreterversammlung geht in diesem Jahr zu Ende. Grund genug, in der letzten Klausur, zu der sich der Vorstand Ende April in Trier traf, ein bisschen zurück, aber vor allem nach vorne zu schauen. Warum kommt da Sisyphos ins Bild? Vielleicht, weil es eben frei nach Camus, ein Glück sein kann, Steine bergauf zu rollen – und es ein (berufspolitisches) Glück ist, das gemeinsam zu tun.
2022 trat der neue Vorstand noch unter den Vorzeichen einer bis dahin kaum vorstellbaren Pandemie seine Arbeit an. Ein Baupreisschock und Lieferkettenprobleme, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, die Schulbaurichtlinie und das Vergaberecht sowie die Aufstockung der Geschäftsstelle, die die lange überfällige Verbesserung der täglichen Arbeit in der Geschäftsstelle herstellen soll, standen auf der Agenda. Einiges davon ist gelungen: Das Thema Architektur und Schule kommt voran. Die Schulbaurichtlinie wurde durchgreifend novelliert. Zum Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit gab es nicht nur eine erfolgreiche Regionalkonferenz und die Übernahme der Steuerungsgruppe Digitalisierung auf BAK-Ebene, sondern auch in paar Einzelinitiativen aus der Vertreterversammlung und den Kammergruppen heraus. Der bundesweit vor der Gründung stehenden Architektur Kooperative ARKO wird sich Rheinland-Pfalz als Gründungsmitglied anschließen.
Die Juniormitgliedschaft wurde etabliert. In regelmäßigen regionalen Treffen lernen die Juniormitglieder einander und die Kammergruppen gerade kennen. Der Nachwuchsarchitekt:innentag am 23. Oktober 2026 in Karlsruhe, den wir gemeinsam mit den Kammern Baden-Württemberg und Saarland ausrichten, verspricht neue Akzente.
Beim Thema Vergabe sind die Erfolge schwerer zu messen – liegen sie doch manchmal in einem undankbaren „Schlimmeres verhindert“ zu haben. In gutem Gesprächsaustausch mit dem Finanz- und Bauministerium konnten die Randbedingungen für Umbauten bei der Novelle der Landesbauordnung verbessert werden. Die Reihe von sieben Informationsveranstaltungen dazu hat in den letzten Wochen rund die Hälfte aller beruflich tätigen Kammermitglieder erreicht – wie insgesamt die Angebote der Fortbildung sehr gut angenommen und bewertet werden.
Nicht nur das Zentrum Baukultur in Mainz wird mehr und mehr zu einer festen, auch national wahrgenommenen Größe, auch regionale Initiativen etablieren sich immer mehr und arbeiten zusammen, beispielsweise bei den Filmreihen. Neben vielen Einzelveranstaltungen – wie der Diskussionsrunde zur Landtagswahl – oder erfolgreichen Reihen – beispielsweise dem Hambacher Architekturgespräch – hat ein fulminanter Zukunftskongress anlässlich des 75-jährigen Kammerjubiläums im Herbst 2025 Themenfelder für die kommenden Jahre vorbereitet. In diesen Feldern weiter voranzukommen, wird auch Aufgabe eines neuen Kammervorstandes sein. Denn die Wahlen zur XI. Vertreterversammlung, die im Herbst 2026 gewählt wird, wurden schon ausgeschrieben. Kandidaturen sind bis Mitte September möglich. In der ersten Junihälfte finden zur Vorbereitung Wahlversammlungen statt.
So gehen fünf Jahre Kammerarbeit in die Schlussrunde. Waren es besonders dynamische Jahre? Vielleicht, vielleicht scheint es im Rückblick aber auch nur so. Eines ist jedenfalls unbestreitbar: Durch alle Herausforderungen und unterschiedlichen Einschätzungen in konkreten Einzelfragen lebte und lebt die Vorstands- wie die Arbeit der Vertreterversammlung vom Grundkonsens, für die Architektenschaft in Rheinland-Pfalz und in gesellschaftlicher Verantwortung für Baukultur Dinge gemeinsam in die richtige Richtung bewegen zu wollen. Hier und da ist das in gemeinsamer Anstrengung gelungen – trotz oder wegen ganz unterschiedlicher beruflicher wie privater Hintergründe und Erfahrungen.
Ein Dreivierteljahr Zukunftsgestaltung ist noch übrig. Zum Glück können also noch ein paar Steine bergauf gerollt werden. Die Beitragsreform zum Beispiel und die berufspolitische Verankerung von Themen bei der neuen Landesregierung.
Denn die Zukunft bleibt gestaltbar. Wer, wenn nicht die Architektinnen und Architekten selbst, sollten diese Gestaltung in die Hand nehmen?
