24. Juni 2026

So war der Auftakt zur "Woche der Baukultur" 2026

Villa Ludwigshöhe
Foto: Joachim Becker

Der traditionelle Auftakt zur Woche der baukultur der Pfalz fand in diesem Jahr wieder an seinem angestammten Ort, der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben, statt.

Was wäre, wenn wir Gebäude nicht länger als fertige Bauwerke betrachteten, sondern als Materiallager der Zukunft? Mit dieser Frage eröffnete der traditionelle Auftakt zur Woche der Baukultur in der Pfalz, diesmal wieder an seinem angestammten Ort, der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben. Rund 70 Gäste waren gekommen, und bei sommerlichen Temperaturen, mit weitem Blick über die Rheinebene und lebhaften Gesprächen auf der Terrasse zeigte sich schnell, warum dieses Format seit Jahrzehnten einen festen Platz im Kalender der Pfälzer Architektenschaft hat.

Den Abend eröffnete Joachim Becker, Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Er erinnerte daran, dass die Kammer als Selbstverwaltungskörperschaft vom Engagement ihrer Mitglieder lebt und dass der Tag der Architektur seit mehr als drei Jahrzehnten belegt, wie qualitätsvolle Architektur dort sichtbar wird, wo sie entsteht: In Städten und Gemeinden, im Bestand ebenso wie im Neubau.

Ein stiller Moment des Abends galt dem Gedenken an den kürzlich verstorbenen Architekten Gerhard Dürr. Als langjähriger Kammergruppensprecher und Mitbegründer dieses Abendformats hat er die Veranstaltung über viele Jahre entscheidend geprägt. Viele der Anwesenden verbanden mit ihm nicht nur berufliche, sondern auch persönliche Erinnerungen.

Den Mittelpunkt des Abends bildete der Impulsvortrag des Basler Architekten Oliver Seidel (baubüro in situ AG / Zirkular GmbH). Unter dem Titel „Re-Use und zirkuläres Bauen – Bestand als Ressource" führte er anhand realisierter Projekte vor Augen, welches Potenzial in Bauteilen steckt, die allzu oft vorschnell als ausgedient gelten. Dabei ging es nicht nur um Nachhaltigkeit oder CO₂-Bilanzen. Seidel plädierte für einen grundsätzlichen Perspektivwechsel. Bestehende Gebäude und Bauteile sind keine Last, sondern wertvolle Ressourcen. Fenster, Stahlträger, Fassadenelemente, Holzbalken können, klug eingesetzt, ein zweites Leben erhalten. Das spart Material, Energie und Emissionen und eröffnet zugleich neue gestalterische Möglichkeiten. Besonders eindrucksvoll war der Gedanke, die Stadt selbst als „urbane Mine" zu begreifen, als Ort, an dem die Rohstoffe für das Bauen von morgen längst bereitliegen.

Die Gespräche auf der Terrasse zeigten, dass das Thema viele der Anwesenden nicht losließ. Zwischen den historischen Mauern der Villa Ludwigshöhe wurde an diesem Abend nicht nur über Architektur gesprochen, sondern auch über die Frage, wie wir künftig mit unserem baulichen Erbe umgehen wollen. Ein gelungener Auftakt zur Woche der Baukultur an einem Ort, der Tradition und Zukunft verbindet.