26. Juli 2022

Ideen für mehr Nachhaltigkeit

Der 3. Hackathon widmete sich dem Thema "Digitalisierung als Werkzeug für mehr Nachhaltigkeit"
Der 3. Hackathon widmete sich dem Thema "Digitalisierung als Werkzeug für mehr Nachhaltigkeit"
Foto: Markus Kohz, Mainz

Hackathon nimmt digitale Werkzeuge in den Fokus

Erleichtert es uns der digitale Zwilling des späteren Gebäudes nachhaltig zu planen und zu bauen? Oder hilft er nur bei der Bilanzierung von Nachhaltigkeit im Sinne eines Nachweises? Wieviel Technik müssen wir beim Planen und Bauen einsetzen? So viel oder so wenig wie möglich oder nur so viel wie nötig? Mit diesen Fragen eröffnete Joachim Rind, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, den Hackathon am 21. Juli 2022 im Erbacher Hof in Mainz.

Die Impulse für den Tag lieferten Prof. Dr. Steffen Feirabend, HFT Stuttgart und Werner Sobek AG, Prof. Elisabeth Endres von der IB Hausladen GmbH und Rebekka Ruppel, CEO pom+Deutschland: Von der „Digitalisierung als Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit“, ging es über zum Thema „HighTech in der Planung von LowTech-Gebäuden“ und zu den „Chancen der urbanen Mine“.

Der 3. Hackathon - von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), deren Wissensstiftung mit Unterstützung  der Bundesarchitektenkammer und der Bundesstiftung Baukultur ausgerichtet, war ein voller Erfolg, aber eigentlich kein „richtiger“ Hackathon. Denn der, ein Kofferwort aus „Hacken“ und „Marathon“, zielt auf den improvisierten Umgang mit Technik und Daten in einem zeitlich begrenzten Rahmen ab. Im eigentlichen Sinn entwickeln beim Hackathon mehrere gegeneinander antretende Teams Software. Dazu gereicht werden jede Menge Kaffee und Pizza, um mit möglichst wenig Schlaf durchprogrammieren zu können.

Um partizipative Wissensgenerierung ging es aber auch beim Mainzer Wissenshackathon. Hierzu stellten die Entwickler digitaler Planungswerkzeuge zunächst ihre Lösungen in fünfminütigen Pitches vor. Die Softwareangebote zur Optimierung von Nachhaltigkeit reichten von Energiesimulationen auf Gebäude- und Quartiersebene über Tools zur Ökobilanzierung und für einen niedrigen CO2-Fußabdruck bis hin zu Programmen zur Klimawandelanpassung durch ein Mehr an Resilienz. Daneben gab es Software zu Lebenszyklusbetrachtungen und zur Maximierung von Zirkulariät sowie Produktkataloge für die Verwendung nachhaltiger Materialien und Programme, die das Gebäude als Materiallager nachvollziehbar machen.

Ausgehend von dieser Fülle an Möglichkeiten, Nachhaltigkeit digital zu unterstützen, ging es schließlich in den kollaborativen Teil der Veranstaltung über. In zwei Gruppen beleuchteten die Teilnehmenden wesentliche Aspekte der vorgestellten Werkzeuge und nahmen eine methodische Einordnung nach Zielsetzung, Einsatz in den verschiedenen Leistungsphasen, Benutzerfreundlichkeit, Marktgängigkeit, Kosten und Schnittstellen vor. Die Ergebnisse beider Arbeitsgruppen wurden von Dr. Elena Wiezorek, Hauptgeschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, und Prof. Dr.-Ing. Angèle Tersluisen von der TU Kaiserslautern einerseits und von Eva Holdenried, Innenarchitektin und Vorstandsmitglied der Architektenkammer, andererseits vorgestellt.

Doch damit nicht genug. Damit die Ergebnisse allen am Bau Beteiligten zugänglich gemacht werden können, wird die Wissensstiftung der DGNB diese in Form von Steckbriefen veröffentlichen, kündigte Dr. Christine Lemaitre, geschäftsführender Vorstand der DGNB, an. Lemaitre, die auch den Tag moderierte, lud weitere Entwickler dazu ein, es den Pitchenden nachzutun und ihre Tools ebenfalls einzureichen. So könnte auf der Seite der Wissenstiftung schon bald ein ganzes Bündel solcher Steckbriefe und Möglichkeiten abrufbar sein. Planende könnten hier dann ein passendes Tool ohne großen Rechercheaufwand finden.

Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow, Präsident der HafenCity Universität Hamburg (HCU) und Professor für Ökonomie und Digitalisierung, blickte abschließend noch einmal „von außen“ auf die digitalen Perspektiven der Baubranche. Sein Fazit: „Resilienz ist möglich, wenn wir auch die wirtschaftliche und soziale Dimension von Nachhaltigkeit berücksichtigen.“

Ob es noch einen „richtigen“ Hackathon geben wird? Einige Gäste des Tages haben genau das vorgeschlagen. Denn wie die tatsächliche Anwendung der Programme auf konkrete Gebäudemodelle funktioniert, wo es blinde Flecken und Schnittstellenprobleme gibt, diese Probe aufs Exempel wäre für beide Seiten eine spannende und herausfordernde Erfahrung: für die planende und für die programmierende Profession …