Mit Kreativität, Mut zur Farbe und viel Eigenleistung
Wie inspirierend dieser Ansatz sein kann, bewies die Umwandlung einer ehemaligen Scheune im pfälzischen Albisheim. Gemeinsam mit dem Basler Architekturbüro Piertzovanis Toews entwickelten die Bauleute über mehrere Jahre ein ebenso mutiges wie persönliches Wohnkonzept. Das großzügige Raumvolumen, das rohe Bruchsteinmauerwerk und das historische Holzfachwerk blieben erhalten. Kräftige Farbakzente – eine rote Treppe, eine grüne Küche und ein blau gefasstes Schlafzimmer – verleihen den Räumen eine unverwechselbare Identität.
Historische Substanz, zeitgemäße Architektur
Dass Denkmalpflege und zeitgemäßes Wohnen hervorragend zusammenpassen, zeigte auch ein Quereinhaus in Nothweiler. Mit großer Sorgfalt revitalisierte MECKLER+PARTNER das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert und entwickelte daraus zwei großzügige Ferienwohnungen, die historische Substanz und modernen Komfort überzeugend verbinden.
Auch im Westerwald wurde das Potenzial des Weiterbauens sichtbar. In Caan verwandelten heltwerk_architekten ein baufälliges Bruchsteinhaus mit Scheune in ein Wohn- und Arbeitsensemble. Nach dem Haus-im-Haus-Prinzip entstand innerhalb der historischen Gebäudehülle ein eigenständiger Holzbau – ein präziser Eingriff, der Alt und Neu klar ablesbar miteinander verbindet. Hinter dem ehemaligen Scheunentor befindet sich heute das Architekturbüro, darüber ein großzügiger Wohnbereich mit offener Galerie.
Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen Programms lag auf Kindertagesstätten. Sie verdeutlichten, welchen Beitrag Architektur für hochwertige Bildungsräume leisten kann. Tageslicht, Materialität, der Bezug zum Freiraum und kindgerechte Maßstäbe standen dabei ebenso im Fokus wie Nachhaltigkeit und flexible Nutzungskonzepte.
Auftakt, Ausstellungen und Architektouren
Den Auftakt zum Baukulturwochenende bildete die traditionelle Veranstaltung auf der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben. Rund 70 Gäste diskutierten dort unter der Leitfrage „Was wäre, wenn wir Gebäude nicht länger als fertige Bauwerke betrachteten, sondern als Materiallager der Zukunft?“ über zirkuläres Bauen und die Zukunft der Baukultur. Die Verbindung aus fachlichem Austausch, inspirierendem Ort und sommerlicher Atmosphäre unterstrich einmal mehr den besonderen Stellenwert dieses Formats.
Bereits im Vorfeld stimmten Preview-Ausstellungen im Schaufenster Baukultur Koblenz und im Zentrum Baukultur Mainz auf das Architektourenwochenende ein. Ergänzt wurde das Programm durch Bustouren in den Regionen Mainz und Koblenz, die ein breites Spektrum an Projekten erschlossen – vom Wohnungs- und Bildungsbau über Bürogebäude bis hin zu beispielhaften Umnutzungen und innovativen Holzbauprojekten.
Starkes Signal für die Baukultur
Der Tag der Architektur 2026 hat erneut gezeigt: Gute Architektur ist weit mehr als ein fertiges Gebäude. Sie entwickelt Bestehendes weiter, schafft Identität, schont Ressourcen und eröffnet neue Perspektiven auf unsere gebaute Umwelt. Dass sich Jahr für Jahr Tausende Menschen für diese Themen begeistern, ist ein starkes Signal – für die Baukultur und für die gesellschaftliche Relevanz der Architektur.