Dies steht auch bei den Büroinhabenden zunehmend an. 2024 waren 30 Prozent der selbständig tätigen Architekturschaffenden über 60 Jahre alt. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der selbständig tätigen Architektinnen. Dennoch belegen Zahlen der letzten Architektenbefragung 2025 bei den unter 40jährigen eine steigende Gründungsbereitschaft, die aber nicht gleichzusetzen ist mit dem Interesse an der Übernahme eines bestehenden Büros.
Werte, Haltung, Mitbestimmung und Sinnorientierung in der täglichen Arbeit nehmen einen zunehmenden Stellenwert bei der Frage ein, ob es sich lohnt, sich selbständig zu machen. Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, Einsatz von BIM und KI verlangen andere Arbeitsweisen. Ganzheitliches Denken und Handeln unter Berücksichtigung partizipativer Ansätze und einer gemeinwohlverträglichen Ausrichtung unserer Arbeit erfordern andere Arbeitsstrukturen. Dies mit dem Wunsch der älteren Büroinhabenden, Verantwortung in jüngere Hände zu übergeben, in Übereinstimmung zu bringen, wird die Kunst bei der Suche nach Büronachfolgern werden.
Als Gegenentwurf hierzu sind in letzter Zeit Konzentrationsprozesse zu beobachten, u.a. getrieben von Finanzinvestoren, die den Planungssektor als ein lohnendes Betätigungsfeld erkannt haben. Vielleicht bietet das „Schlüpfen unter ein großes Dach“ aber auch Chancen und Freiräume für eine solche Transformation der einzelnen Büros? Die Auswirkungen auf die Stellung der Architektenschaft und den Berufsstand in diesen „Holdings“ sollte vom Berufsstand mindestens kritisch begleitet werden.
So oder so braucht es für die Nachfolgeplanung einen strukturierten und geplanten Prozess, der durch die Kammern zielgerichtet unterstützt wird: Schulungen und Seminare zur Bürobewertung, zu Management- und Führungsstrategien und -aufgaben. Die Bayerische Architektenkammer bietet eine spezielle Nachfolgebörse oder ein Mentorenprogramm an. Die AKBW hat seit Jahren das bewährte Format ‚Büroberatung‘. Den kleineren Kammern wie der unsrigen fehlen leider derzeit die hierzu notwendigen Ressourcen. Umso wichtiger ist es, Kooperationen zu bilden und das Fortbildungs- und Beratungsprogramm gezielt auf dieses Themenfeld abzustellen.
Dies sind alles hilfreiche Unterstützungen, jungen oder jüngeren Architektinnen und Architekten aller Berufsrichtungen, den Weg in die Selbständigkeit zu ebnen. Zunehmend spielen Fragen der Werte, Ziele und Formen der Selbständigkeit und der Zusammenarbeit eine wichtige Rolle im Nachfolgeprozess. Die Kammern werden sich dabei auch neuen Gesellschaftsformen, z. B. wie der Genossenschaft öffnen müssen, die dem Wunsch nach alternativen Führungs- und Gesellschaftsformen entgegenkommen. Auch darüber können sich die Kammern für junge Kolleg*innen als interessantes Ziel einer Mitgliedschaft und der Selbständigkeit profilieren.
