25. Juni 2026

Architekturkooperative ARKO gegründet

ARKO-Gründungsveranstaltung
Mit ihrer Gründungsveranstaltung am 24. Juni 2026 in Wiesbaden hat die Architekturkooperative ARKO den entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Genossenschaft vollzogen.
Foto: AKH/Andreas Henn

Gemeinsam für digitale Souveränität im Planen und Bauen

Mit einer Gründungsveranstaltung am 24. Juni 2026 in der Wiesbadener Casino-Gesellschaft ist die Architekturoperative ARKO offiziell gestartet. Die neue berufsständische Genossenschaft unterstützt Architekt:innen und Ingenieur:innen dabei, die Herausforderungen der Digitalisierung gemeinschaftlich, unabhängig und im Interesse des Berufsstands zu gestalten.

Ziel ist der Aufbau einer treuhänderischen Dateninfrastruktur, die Datensouveränität sichert, Urheberrechte schützt und gemeinsame Standards für das digitale Planen und Bauen schafft. Die Initiative wurde von sechs Länderarchitektenkammern vorbereitet und wird von allen 16 Kammern unterstützt.
 

Digitale Selbstbestimmung stärken

In seiner Einführung ordnete Dr. Martin Kraushaar, Hauptgeschäftsführer der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, das Vorhaben in einen größeren Kontext ein. Der Berufsstand befinde sich an der Schnittstelle von Bau- und Kreativwirtschaft und sei durch Plattformökonomie, Künstliche Intelligenz und die zunehmende wirtschaftliche Nutzung von Daten tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt. Planungsdaten seien heute eine zentrale Ressource. Gleichzeitig steige die Abhängigkeit von Softwareanbietern und digitalen Plattformen. Insbesondere kleine und mittlere Büros stünden vor wachsenden Herausforderungen: Daten entstehen dezentral, einheitliche Standards fehlen und die rechtlichen Anforderungen nehmen kontinuierlich zu.

„Die ARKO soll die digitale Selbstbestimmung des Berufsstands sichern und durch transparente, standardisierte Datenstrukturen die Qualität des digitalen Planens und Bauens stärken“, betonte Kraushaar. Ziel sei es, die Kontrolle über eigene Daten zu bewahren und Abhängigkeiten von proprietären Plattformen zu reduzieren.


Die „DATEV der Baukultur“

Holger Zimmer, Vizepräsident der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, unterstrich den genossenschaftlichen Ansatz des Projekts. „Wir wollen die DATEV der Baukultur werden – und dies beginnt genau hier und heute“, sagte er.
Geplant ist ein digitales Ökosystem, das die freie Berufsausübung stärkt und den Arbeitsalltag erleichtert. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Datenstandards, hochwertige Bauwerksdaten, Datenqualität und Datenkuratierung sowie digitale Schnittstellen für den Austausch mit Auftraggebern, Behörden und weiteren Projektbeteiligten. Perspektivisch könnten beispielsweise Nachweispflichten in Vergabeverfahren vereinfacht oder Projektdaten in geschützten Datenräumen nur einmal erfasst und mehrfach genutzt werden.

Genossenschaft als bewährtes Modell

Dr. Michael Roth vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV), der den Gründungsprozess rechtlich begleitet hat, erläuterte die Vorteile der Genossenschaft als Organisationsform. Sie stehe für demokratische Mitbestimmung, Selbstverwaltung und begrenzte Haftungsrisiken. Gleichzeitig ermögliche sie allen Mitgliedern, die Entwicklung der Organisation aktiv mitzugestalten.
Passend dazu erinnerte Kraushaar an den Genossenschaftspionier Hermann Schulze-Delitzsch und dessen Leitgedanken: „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.“

Impulse aus Brüssel

Über die Zukunft von Urheberrechten, Datensouveränität und fairen Verwertungssystemen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz diskutierten die Teilnehmenden mit dem Europaabgeordneten Axel Voss, der digital aus Brüssel zugeschaltet war.

Voss bezeichnete KI als grundlegende Infrastruktur und plädierte für klare Rahmenbedingungen, die Kreativschaffende schützen und zugleich Innovation ermöglichen. Auf europäischer Ebene setzt er sich für eine Modernisierung des Urheber- und Lizenzrechts, Vergütungsmodelle für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte durch KI-Systeme sowie eine bessere Kennzeichnung von Urheberschaften ein. Die Gründung der ARKO bewertete er ausdrücklich positiv: „Sie sind auf dem richtigen Pfad.“

Von der Idee zur Plattform

Wie die technische Umsetzung erfolgen soll, erläuterten Jens Bredehorn und Dr. Dennis Geesen von vrame Digital GmbH. Vorgesehen ist ein Co-Creation-Prozess, in dem fachliche Anforderungen und technische Entwicklung eng verzahnt werden.

Zunächst sollen die grundlegenden technischen Bausteine entstehen – von der Dateninfrastruktur über die Benutzer- und Projektverwaltung bis hin zu standardisierten Datenmodellen. Darauf aufbauend werden schrittweise konkrete Anwendungen entwickelt. Ein Fachbeirat soll künftig Projekte identifizieren, bewerten und fachlich begleiten, während der Aufsichtsrat die strategische Weiterentwicklung der Plattform verantwortet.

Erster Aufsichtsrat gewählt

Im Rahmen der Gründungsversammlung beschlossen die Mitglieder die Satzung und erklärten ihren Beitritt zur Genossenschaft. Insgesamt zählt ARKO 84 Gründungsmitglieder sowie 13 investierende Mitglieder.

Anschließend wurde der erste Aufsichtsrat gewählt. In der konstituierenden Sitzung bestimmten die Mitglieder Dr. Martin Kraushaar zum Vorsitzenden. Eva Holdenried und Carsten Nielsen wurden zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, Manfred Sautter zum Schriftführer. Weitere Mitglieder des Gremiums sind Fabian P. Dahinten, Thomas Eckert, Christoph Schild und Magdalena Schwalke.

Aufbauphase bis 2027

Mit der Gründung beginnt nun die Aufbauphase der Genossenschaft. Bis Anfang 2027 sollen die organisatorischen, technischen und fachlichen Grundlagen weiterentwickelt werden. Auch die Bundesarchitektenkammer wird sich aktiv in den weiteren Aufbau einbringen. BAK-Vizepräsident Stephan Weber hat seine Bereitschaft erklärt, den Fachbeirat der ARKO zu leiten.

Die Gründungsveranstaltung machte deutlich: Die Digitalisierung verändert das Planen und Bauen grundlegend. Mit ARKO setzt der Berufsstand auf Zusammenarbeit, gemeinsame Standards und eine unabhängige digitale Infrastruktur – von Planenden für Planende.

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