Der 24. Jahresempfang der Wirtschaft stand ganz im Zeichen Europas und setzte ein starkes Signal für Dialog, Zusammenarbeit und Gestaltungswillen. Mehr als 3.000 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Medien und freien Berufen waren am 2. Februar 2026 der Einladung in die Rheingoldhalle gefolgt.
04. Februar 2026
Gemeinsam Zukunft gestalten – in Europa

Foto: Kristina Schäfer, Mainz
Europa im Blick
Höhepunkt des Abends war die Rede von Jean-Claude Juncker, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission. Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam die Zukunft Europas gestalten – Innovation, Wirtschaft und Zusammenarbeit“ ordnete er die globalen Herausforderungen ein und warb zugleich für Selbstbewusstsein und Zusammenhalt in Europa. Europa sei ein vergleichsweise kleiner und alternder Kontinent; der Anteil der Europäische Union am weltweiten Bruttoinlandsprodukts liege bei rund 15 Prozent.
Juncker mahnte, den Blick über die eigenen Grenzen hinaus zu richten: „Die Welt ist größer als Europa.“ Angesichts geopolitischer Verschiebungen, eines veränderten transatlantischen Verhältnisses und zunehmender globaler Konkurrenz müsse Europa enger zusammenrücken und strategisch handeln. Dabei machte er deutlich: „Europa braucht sich nicht zu verstecken.“ Entscheidend seien mehr wirtschaftliche Dynamik, ein leistungsfähiger Mittelstand, Investitionen, Bürokratieabbau und ein gestärkter Binnenmarkt. Freihandelsabkommen und internationale Partnerschaften seien zentrale Hebel, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Seine Botschaft war klar: Europa hat das Potenzial – jetzt gilt es, entschlossen zu handeln.
Zugleich unterstrich Juncker die Bedeutung eines geeinten Europas als Schutzschild gegen Populismus und politische Extreme, aber auch als Fundament für Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.




Präsidiales Quartett
In der Gesprächsrunde stellte sich Ministerpräsident Alexander Schweitzer den Fragen der Spitzen aus Wirtschaft und freien Berufen. Er betonte, wie wichtig Zuversicht und positive Perspektiven für das Land seien, und erklärte den Bürokratieabbau ausdrücklich zur Chefsache. Bereits geschnürte Maßnahmenpakete sowie Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität sollten spürbare Impulse setzen – insbesondere auf kommunaler Ebene. Zuvor hatte Dr. Marcus Walden, Präsident der IHK für Rheinhessen in seiner Begrüßung Bürokratieabbau angemahnt. Walden bezeichnete 2026 als ein Jahr der Bewährung. Die Herausforderungen seien erkannt, nun komme es darauf an, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Trotz politischer Ankündigungen spürten viele Betriebe bislang noch zu wenig Entlastung. Walden appellierte an Politik und Verwaltung, den Bürokratieabbau konsequent voranzubringen – auch mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl am 22. März – und mehr Mut zu klaren, pragmatischen Entscheidungen zu zeigen.
Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer, unterstrich den Bedarf an schnellen Lösungen, etwa angesichts hoher Steuer- und Abgabenlasten sowie steigender Energiepreise. Gerade im Bauwesen seien beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren entscheidend. Dem schloss sich Horst Lenz, Präsident der Ingenieurkammer, an und plädierte für einfache, transparente Vergabe- und Wettbewerbsverfahren, die auch kleinen und regionalen Betrieben echte Chancen eröffnen. Er vertrat in diesem Jahr in der reihum wechselnden Besetzung die planenden Berufe.
Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer, lenkte den Blick auf das Gesundheitswesen und betonte zugleich die Bedeutung einer starken Demokratie.




Zwischen Belastung und Zuversicht
Einigkeit bestand darin, dass die wirtschaftliche Lage weiterhin angespannt ist – geprägt von hohen Energiekosten, Bürokratie, Fachkräftemangel und einer schwachen Konjunktur. Zugleich überwog der Optimismus: Die Situation ist herausfordernd, aber keineswegs aussichtslos. Entscheidend sei, Probleme nicht nur zu benennen, sondern sie aktiv und lösungsorientiert anzugehen. Durch das Programm führte gewohnt souverän und pointiert Tanja Samrotzki.
Beim anschließenden Empfang im Foyer der Rheingoldhalle trafen Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Medien und Kultur in zahlreichen Gesprächen aufeinander – ein lebendiges Netzwerk.
Als größter seiner Art in Deutschland, organisiert von 15 Kammern, besitzt der Jahresempfang der regionalen Wirtschaft bundesweite Strahlkraft. Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz ist Mitveranstalterin.






























