04. Februar 2026

Chance Sondervermögen

Joachim Rind
Joachim Rind
Foto: Kirsten Bucher, Frankfurt

Joachim Rind, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, drängt auf Tempo bei der Umsetzung von Investitionen im Rahmen des Sondervermögens „Infrastruktur und Klimaneutralität“. Rheinland-Pfalz stehen rund 4,85 Mrd. Euro zur Verfügung. Ein Interview anlässlich des Jahresempfangs der Wirtschaft 2026.

Herr Rind, jetzt heißt es, ins Umsetzen kommen, aber wo anfangen?

Das Sondervermögen ermöglicht endlich, dringend benötigte kommunale Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Schulen und Kitas kommen allen zugute. Verkehrsräume wie Brücken weisen einen erheblichen Sanierungsstau auf. Städte und Dörfer müssen klimaresilient angepasst und umgebaut werden. Ein großes Feld also.

Wie kann dabei nachhaltig investiert werden?

Bei den Investitionen ist vorausschauende, gute Planung essenziell; der Bauunterhalt der Maßnahmen muss mitgedacht werden. Was nützt eine neue oder top modernisierte Sporthalle, wenn die Gemeinde deren Betrieb nicht stemmen kann? Flexibilität in der Architektur und eine Mischung verschiedener Nutzungen erhöhen beispielsweise die Zukunftsfähigkeit von Gebäuden.

Führen diese umfassenden Überlegungen nicht zu weiteren Verzögerungen von Projekten?

Die Praxis zeigt: Gute Vorbereitung und Bau-Teams mit allen Beteiligten führen zu Beschleunigung und zu höherer Qualität. Dazu braucht es die Planung, Koordination und breitgefächerte Steuerung der Projekte durch unseren Berufsstand.

Gute Vorbereitung und Bau-Teams mit allen Beteiligten führen zu Beschleunigung und zu höherer Qualität

Was verzögert dann die Umsetzung der dringend benötigten Maßnahmen?

Ein stetiger Zuwachs von Prüfungen und Nachweisen in unseren ohnehin stark regulierten Verfahren – sei es bei Bewerbungs- und Vergabeverfahren für Planungs- und Bauaufgaben, Prüfverfahren für Fördergelder, Bebauungsplanverfahren oder Genehmigungsverfahren für Bauanträge. Bearbeitungsaufwand und Zeitverlust stehen in keinem Verhältnis mehr zur reinen Bauzeit. Allerdings hat sich in Rheinland-Pfalz bereits einiges zum Besseren bewegt.

Ein Bau-Turbo?

Ein wichtiger Schritt dorthin. Der Landesgesetzgeber hat im September Baubestimmungen geändert, um das Bauen zu vereinfachen. Das ermöglicht beiden Seiten, den Planenden und den zuständigen Behörden, mehr Verantwortung zu übernehmen und Ermessensspielräume zu nutzen. Aktuell tourt eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem zuständigen Finanzministerium durchs Land, um die Neuerungen den Architektinnen und Architekten wie auch den kommunalen Verwaltungen vorzustellen. Das zeigt: Wir brauchen Politik und intensiven Austausch!

Letzter Absatz kursiv: Die Förderung der Baukultur, des Bauwesens, der Landschaftspflege und der städtebaulichen Entwicklung gehören zum gesetzlichen Auftrag der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Sie vertritt die berufspolitischen Interessen ihrer rund 6.000 Mitglieder und bietet alle Services der Selbstverwaltung sowie Beratung an.

AZ-Beilage zum Jahresempfang der Wirtschaft 2026