Initiative „Besser mit Architekten – Energieeffiziente Gebäude“

Informationsveranstaltung am 29. März 2017 in Mainz


Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz hat am 29. März 2017 ihre Mitglieder zu einer Informationsveranstaltung über Fördermittel des Bundes und deren Anwendung in der Praxis in das Atrium Hotel Mainz eingeladen. Die Veranstaltung im Rahmen der Initiative „Besser mit Architekten – Energieeffiziente Gebäude“ wurde in Kooperation mit der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der KfW Bankengruppe bereits zum zweiten Mal in Rheinland-Pfalz und insgesamt zum 20. Mal durchgeführt.

Präsident Gerold Reker eröffnete die mit ca. 70 Teilnehmern sehr gut besuchte Veranstaltung. Er betonte, dass die Aspekte Energieeffizienz, Bezahlbarkeit und gestalterischer Anspruch nicht in gegenseitige Konkurrenz zueinander treten dürften. Hierzu sei eine ganzheitliche Betrachtung vonnöten. Ein Ansatz, den Architekten in der Praxis standardmäßig verfolgen. Die drei im Anschluss präsentierten Projekte würden dies auf überzeugende Weise veranschaulichen.

Dr. Thomas Griese, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Umweltministerium, verwies auf die Bedeutung des Gebäudesektors, in dem große CO2-Einsparpotenziale bestehen. Rund 65 Prozent der Wohngebäude im Land seien energetisch nicht auf dem neusten Stand. Rheinland-Pfalz strebe bis 2030 einen klimaneutralen landeseigenen Gebäudebestand an. In diesem Zuge stellte Griese das Wärmekonzept für Rheinland-Pfalz vor, in dem acht Themenbereiche identifiziert werden, die für die Umsetzung der Wärmewende in Rheinland-Pfalz von herausgehobener Bedeutung sind. Abschließend betonte Griese, dass es für die Umsetzung der Energiewende und für die Qualitätssicherung Architekten brauche, aber auch hohe Aus- und Fortbildungsstandards. Er erhoffe sich von der Veranstaltung Impulse nicht nur für mehr Energieeffizienz, sondern auch für die Wertschöpfung im Land.

Joachim Laurich, der bei der KfW für die Verbändebetreuung zuständig ist, berichtete von den aktuellen Aktivitäten. Ohne die Unterstützung von Architekten geht es nicht, so Laurich, da diese als Bindeglied zwischen Bauherren und KfW eine zentrale Rolle spielen. Laurich wies auf das KfW-Partnerportal für Architekten hin, auf dem Informationen u.a. zu relevanten Förderprodukten und Anwendungen wie z.B. die Online-Bestätigung zu finden seien.

Markus Merzbach (KfW) stellte im Folgenden die aktuellen Förderprogramme der KfW vor, die für die energieeffiziente sowie barrierefreie Gebäudeplanung sowohl als Kredit oder als Investitionszuschuss abgerufen werden können. Er betonte, dass der Schwerpunkt der Förderung die Sanierung bestehender Gebäude sei.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde gezeigt, wie die ambitionierten und ökologischen Ziele der Energieeinsparung konkret am einzelnen Objekt umgesetzt werden können. Beispiele dazu lieferten Mitglieder der Architektenkammer Rheinland-Pfalz aus ihrer Planungspraxis.

Der Architekt Nicolas Hölscher (raumwandlerARCHITEKTEN) stellte die in Trier befindliche Kettenhaus-Bebauung vor.Die Besonderheit bei diesem Projekt ist, dass, um das Grundstück zu erwerben, die Entwurfszustimmung durch einen Gestaltungsbeirat notwendig war. Das Konzept sieht vor, dass an Vorder- und Rückfassade Vorsprünge ausgebildet werden, die als Vordach oder als Terrassenüberdachung genutzt werden können. Die Gartenfassaden sind in unterschiedlichen Winkeln gedreht und zur Südsonne hin orientiert. Dadurch konnte ein höherer Energieeintrag gewährleistet werden. Zudem war dies auch eine Antwort auf die Umsetzung von mehr Privatsphäre jedes einzelnen Hauses. Die Gebäude sind hocheffizient gedämmt und erreichen durch die Ausstattung mit Luft-Wasser-Wärmepumpen und geregelten Lüftungsanlagen Effizienzhausklassen von 70 und 55.

Das zweite Projekt wurde durch Herrn Prof. Heribert Gies vorgestellt. Es handelt sich um ein Wohn- und Geschäftshaus in Mainz, welches 2015 mit dem BDA-Architekturpreis Rheinland-Pfalz ausgezeichnet wurde. Die Jury sprach in ihrer Begründung von „einer ausgefallenen Lässigkeit“. Das Gebäude mit einer tragenden Gebäudehülle wird im Inneren von einer Stützenreihe in Sichtbeton und zwei Kernen mit Nebenräumen gegliedert. Trennende Innenwände in Leichtbauweise und eine feste Möblierung ergänzen diese Struktur, wobei die Tiefe der Stützenreihe so dimensioniert ist, dass sie verschiedene Funktionen aufnehmen, was dem Haus eine Nutzungsflexibilität verleiht. Das Haus wurde im KfW-70-Standard realisiert.

Der Architekt Tobias von Pastau (mz³ architekten ingenieure) stellte das in Mainz befindliche Projekt „Reihenhäuser pws_20“ vor. Von den insgesamt drei Reihenhäusern sind zwei vermietet. Das dritte wird durch den Bauherrn selbst genutzt. Aufgrund der Selbstnutzung einerseits und der Vermietung andererseits bestand die Herausforderung darin, den „Spagat“ zwischen hohen Qualitätsansprüchen und möglichst geringen Baukosten zu meistern. Hierbei spielten die KfW-Fördermittel eine wichtige Rolle. Diese waren für den Bauherrn ursprünglich kein Thema. Durch den Hinweis des Architekten, dass mittels Förderung zusätzliches Geld zur Verfügung stünde, mit dem sich gestalterischer Anspruch, energetische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen ließen, konnte der Bauherr für das Ziel KfW-70-Standard gewonnen werden. Die Anforderungen wurden letztlich mit Gas-Brennwerttechnik, Solarunterstützung und kontrollierter Wohnraumlüftung erfüllt.

Die Veranstaltung schloss mit einer angeregten Podiumsdiskussion. Die Planer übernähmen als Wissensmultiplikatoren die wichtige Aufgabe, Bauherren die Chancen energieeffizienten Bauens aufzuzeigen und diese in Finanzierungsfragen zu beraten.

Herr von Pastau empfiehlt seinen Kollegen, ihre Bauherren proaktiv und offensiv über die Fördermöglichkeiten zu informieren. Hierzu rät er allen Architekten, sich das dafür nötige Wissen anzueignen. Ein erfolgreicher Antrag erhöht den finanziellen Spielraum des Bauherrn und damit die gestalterischen Optionen für den Planer. Als Anregung gab Herr von Pastau auf den Weg, dass die KfW sich überlegen sollte, eine Staffelung bei der Sanierungsförderung zuzulassen. Das heißt, nicht das vollständige Erreichen eines Effizienzhausstandards sollte die Vorbedingung für die Fördermittelzusage sein. Vielmehr sollte das Prinzip gelten, dass man sich mit einer Palette an Maßnahmen stufenweise dem Effizienzhausstandard nähern kann. Je näher man dem Standard käme, desto höher wäre die Förderung.

Herr Merzbach und Herr Laurich ermunterten die Anwesenden, sich stets auch mit kritischen Rückmeldungen an die KfW zu wenden, damit diese ihre Angebote kontinuierlich optimieren kann.


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