Kalkulieren, aber richtig! Wirtschaftlichkeit im Architekturbüro

Stundensätze sind in der HOAI nicht vorgegeben. Diese sind frei zu verhandeln. Als Inhaber müssen Sie daher diese selber herleiten. Im Stundensatz müssen sich sämtliche Kosten einschließlich kalkulatorischer Ansätze abbilden und darüber hinaus alle sog. nicht honorarfähigen Leistungen. Nur mit "Produktivstunden" und umsatzwirksamen Stunden können Sie letztendlich Ihre Honorare und den erforderlichen Soll-Jahresumsatz erwirtschaften.

Seminar:
18002

Termin:
30. Januar 2018 10:00 Uhr - 31. Januar 2018 16:30 Uhr

Referent:
Hansjörg Selinger, Wirtschaftsingenieur, Rottweil

Teilnehmergebühr:
360,- € / 430,- € Gäste

Veranstalter:
Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Hindenburgplatz 6
55118 Mainz

Ort:
Hotel INNdependence
Gleiwitzer Straße 4
55131 Mainz
Anfahrt

1. Tag: Wirtschaftlichkeit im Architekturbüro, Einnahmen, Kosten,  Kennzahlen, Richtwerte

Für Architektinnen und Architekten ist die Wirtschaftlichkeit des eigenen Büros die tragende Säule ihrer freiberuflichen und unternehmerischen Aktivitäten. Mit dem Unternehmen “Architektur- / Ingenieurbüro“ müssen Sie Ihr Geld verdienen, Rücklagen bilden - und dort wo Mitarbeiter eingebunden sind, Arbeitsplätze sichern. Vor dem Hintergrund des Marktes, der wirtschaftlichen Turbulenzen und der aktuellen HOAI, müssen Sie sich noch mehr als bisher mit den wirtschaftlichen Disziplinen beschäftigen.

Im Seminar lernen die Teilnehmenden, wie sie ihre wirtschaftliche Situation darstellen, überwachen und Trends erkennen, um rechtzeitig auf Änderungen reagieren zu können – für sich selbst, das Büro sowie zu steuerlichen und bankspezifischen Schnittstellen. Die Teilnehmenden erhalten im Verlauf der Veranstaltung zahlreiche Hinweise zur Datenerhebung und Wirtschaftlichkeitsüberwachung. Sie können darüber hinaus Zusammenhänge erkennen, wie auf Basis spezifischer Ausgangsdaten (die im Büro schon vorhanden sind) eine Vielzahl differenzierter Betrachtungen abgeleitet und interpretiert werden können.

Typische Fehler: Vernachlässigung von kalkulatorischen Kosten, keine Einrechnung von Wagniszuschlägen und von Gewinnzuschlägen, kein kalkulatorische Ansatz für bereits abgeschriebenes Anlagevermögen, keine Rücklagenbildung (um bspw. Vorleistungen finanzieren zu können und Eigenkapital für Anschaffungen ansparen zu können), keine kalkulatorische Zinsen, kein Unternehmergehalt.

Ein unzureichend berechneter Soll-Jahresumsatz täuscht falsche Werte vor, insbesondere bei der Ermittlung der Stundensätze, die Sie jetzt selbst zu ermitteln haben.

Beachten Sie hierbei den Zusammenhang: Bürokosten sind die Vorgabe für die Kalkulation der Stundensätze,  die Stundensätze sind wiederum die direkte Vorgabe für Ihr Projekt-Controlling – mit oder ohne EDV!

Wirtschaftskennzahlen eines Architektur- und Ingenieurbüros:

1.) Expresskalkulation: Sie berechnen Ihre Daten über Faustformeln und Richtwerte

2.) Vertiefte Kalkulation:

  • Auftragsbestand, Projekt-Budget-Planung
  • Honorar-, Leistungs- und Rechnungsabgrenzung per Zeitschnitt
  • Kostenarten / Schnittstelle DATEV
  • Kalkulatorischer Soll-Jahresumsatz, einschließlich Unternehmergehalt, Abschreibungen,   kalkulatorische Kosten und Zuschläge
  • Tilgung und Eigenkapitalrückführung
  • Liquiditätsumsatz zur Auffangung der effektiven Privat- und Bürokosten
  • Verhältnis von Honorar zu Kosten
  • Kapazitätslinienverlauf, Konformitätsfaktorenverlauf
  • Liquiditätsplanung, Hinweise zum Reporting
  • Umsatz- und RentabilitätsvorschauRohgewinn, Cash flow, Reingewinn, steuerliches und wirtschaftliches Ergebnis

 Umsatz- und Gewinnanalyse

          aus der Einnahme-Überschussrechnung § 4 Abs. 3 EStG, Bilanz § 5 bzw. § 4 Abs.1 EStG

Vergleich unterschiedlich strukturierter Architekturbüros aus der Praxis   

  • Umsatzverläufe (Einnahmen, Kosten, Gewinn, ...)   
  • Diagramm- und Trendlinienverläufe
  • Umsatz-Gewinn-Verhältnis, Personalkosten
  • Geometrische Verschneidungen
  • Erkennen von Zusammenhängen und Beurteilung
  • Steuerliche Ergebnisse: Glättung / Bereinigung / Abschichtung zur Ableitung der wirtschaftlichen Ergebnisse

 2. Tag: Kalkulation und Controlling im Planungsprozess! Welche Stundensätze sind zu kalkulieren, um die Wirtschaftlichkeit für die Projekte und das Büro zu sichern

Inhaberinnen und Inhaber eines Architektur- und Ingenieurbüros sind jetzt noch mehr aufgefordert als bisher, ihre eigenen Stundensätze zu ermitteln.

Welche Stundensätze müssen Sie ansetzen? Wie sind diese zu berechnen, ja nachzuweisen, um diese bspw. einem Bauherrn gegenüber besser belegen zu können? Welche müssen im Rahmen eines Projekt-Controllings im Büro angesetzt werden?

Die Teilnehmenden erfahren, warum sie statt allgemein üblicher Stundensätze, die ohne großes Nachfragen akzeptiert werden, besser ihre eigenen Ansätze überprüfen und hierbei zwischen zugestandenen und für das Büro erforderlichen Stundensätzen unterscheiden.

Bitte beachten: Das Projekt-Controlling baut auf den Daten auf, die die Teilnehmenden vorgeben – unabhängig davon, ob mit oder ohne EDV!

Als Teilnehmer dieser Veranstaltung sollen Sie in die Lage versetzt werden, die für Ihr Büro individuell erforderlichen  Kalkulationsdaten ermitteln zu können.

Stundensatzkalkulation

  • Jahresarbeitsstunden
  • Stundenerfassung, Wert einer Bürostunde, Einflussparamete
  • Vergleichsaufstellung unterschiedlicher Büros (Gründer, etablierte Büros)
  • Personalkosten
  • Honorarfähige Leistungen
  • Einfluss der Bürokosten und der nicht honorarfähigen Leistungen auf den Stundensatz
  • Mehr- / Minderaufwendungen im HOAI-Vergleich
  • Erforderliche Honorar- und Umsatzleistung / Büro / Inhaber und Mitarbeiter.
  • Individueller Stundensatz  Inhaber und Mitarbeiter
  • Mittlerer Bürostundensatz

Controlling, Steuerung der Projektwirtschaftlichkeitsüberwachung

  • Honorarauftrag und Leistungsphasen
  • Mitarbeitereinsatzplanung
  • Projekt- und Bürostunden
  • Stundenleistungen, Soll-Ist-Vergleich
  • Projektüberwachung

 Differenzierung zwischen Leistungserbringen und Erwirtschaften

  • Modelle zur Projektsteuerung
  • Diagrammdarstellungen
  • Überwachung von Umsatz und Kosten

In den einstündigen Mittagspausen besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Mittagessen. (Das Mittagessen ist in der Seminargebühr enthalten.)

16 Unterrichtsstunden