16. September 2021

Mehr - (oder weniger) – Verhaltensstarre?

Portraitfoto des Kammerpräsidenten
Kammerpräsident Gerold Reker
Foto: Kristina Schäfer, Mainz

Mögen hätt' ich schon wollen, aber dürfen, habe ich mich nicht getraut ...

Schon bald, im Oktober und November wählen wir die X. Vertreterversammlung. Es geht um viel. Es geht darum, wie sich die Architektenschaft in den kommenden fünf Jahren positioniert, welche Themen nach vorne rücken, wer Sie und mich vertritt und welchen Einfluss auf die Rahmenbedingungen unserer täglichen Arbeit wir damit nehmen wollen.

Das Procedere ist schnell erzählt: Nach der Wahl zur X. Vertreterversammlung folgt die Wahl des neuen Präsidiums, des Vorstands und der Ausschüsse. 48 neue (und oder alte) Vertreterinnen und Vertreter werden weiter die Geschicke der Architektenkammer Rheinland-Pfalz lenken. Aus ihren Reihen werden sie drei Präsidiums-, sieben Vorstandsmitglieder und ein Vorstandsmitglied für den Bereich A+B-Mitglieder wählen. Same procedure?

Wie schnell sich vieles ändern kann, haben die vergangenen zwei Jahre mit Coro­napandemie und Flutkatastrophe gezeigt. Wer hätte zu Beginn der letzten Wahlperiode ab 2017 daran gedacht?
 
Die Anforderungen der Pandemie haben Kammer und Landesgeschäftsstelle gut gemeistert – anfängliche Sorgen hinsichtlich eines konjunkturellen Einbruchs haben sich für die meisten von uns relativiert – leider nicht für alle. Auch die Geschäftsstelle hat bisher ohne Zwischenfall halb in Präsenz und halb im Homeoffice gut funktioniert. Wir haben teils erfreut, teils überrascht gesehen: es lief. 

Doch trotz der steilen Lernkurve, die wir auf allen Ebenen absolviert haben: Die Erfahrung, dass alles plötzlich anders sein kann, bleibt. Und es bleibt die Erkenntnis, dass es gut ist, auf funktionierende Strukturen bauen zu können.

Nun Wahlen der AKRP: Wer will mitwirken? Wer möchte? 

Vor ein paar Wochen - in einem Newsletter der AKBW – war ein nachdenkenswerter Satz des Soziologen Ulrich Schwarz zum allgemeinen Sachstand zu lesen. Er konstatierte: „... verbale Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre. Man will etwas tun, dann kommt das große Aber.“ Nicht nur für die Kammergremien, sondern auch für Klimaschutz, Klimaanpassung, Stadtentwicklung, Mobilität und so vieles mehr gilt genau dies: Alles kann man noch eine Weile auf Corona schieben, auf das Klima, das Wetter, das „Sowieso“. Aber irgendwann kommt der Griff ans Portepee. 

Nüchtern betrachtet, stehen damit die wirklich großen Aufgaben vor uns. Definiert sind sie zuhauf. Klima und Pandemie sind keine rasch zu bewältigenden Ausnahmezustände. Sie sind tiefgehende Einschnitte, die einen kompletten Neuanfang verlangen. Komplexer geht’s nicht! Wir Architektinnen und Architekten stehen für die Lösung komplexer Probleme. Bezeichnen wir uns doch als innovativ, kreativ, aufgeschlossen. Passt da Verhaltensstarre?
 
Wahlen bieten in demokratischen Systemen Chancen, nicht in alten Betten (mit höchstens neuen Bezügen) weiter zu dämmern. 

Unsere immer komplexere Gesellschaft braucht innovative, kompetente und mutige Menschen, die sich den Aufgaben stellen. Hochqualifizierte Angehörige eines freien Berufes (und dazu zählen auch die Angestellten und Beamten) sollten ganz vorne stehen, wenn es um Verantwortung und Vertrauen geht. 

Und was für die Gesellschaft im Ganzen gilt, gilt auch für unsere Kammer: Wir können unsere Stärke zeigen, wenn wir unsere Potenziale einbringen, sie nach draußen tragen: An Entscheidungsprozessen mitwirken (Kandidatur und Mandat) – oder wenigstens Farbe bekennen – (beim Wählen). 

Dabei wird es immer einfacher gemacht. Digital, analog, Briefmarke.... Sie können wie Sie wollen. - Aber wollen – das müssen Sie noch selbst. Verhaltensstarre? Nebulöse Aufgeschlossenheit? Doch nicht bei Ihnen! 

Machen Sie doch einfach mal mit. Sie werden überrascht sein. Es geht! Und Sie werden Freude daran haben!! 

Oder halten Sie`s mit Karl Valentin? „... mögen hätt‘ ich schon wollen, aber dürfen, habe ich mich nicht getraut?“ Sie doch nicht! 
    
Ihr Präsident Gerold Reker