15. März 2013

Mehr Kooperation

Vorstandsmitglied Frank Böhme plädiert in der April-Ausgabe des Deutschen Architektenblatts für mehr Kooperation bei den Auswirkungen der demografischen Entwicklung.

Demografie ist in aller Munde, vor allem bei Politikern, meist verwendet mit den Aspekten: Überalterung, Wegzug, Entleerung und Leerstand. Neuerdings wieder stärker mit dem Problem des Mangels an bezahlbaren Wohnungen, gerade in den größeren Städten und Metropolen.

Deshalb betreffen uns die Bevölkerungswissenschaften alle und fordern den planenden und bauenden Berufsstand mit den sich daraus ergebenden Auswirkungen, Perspektiven und Aufgaben sogar besonders heraus!

Leider bleibt es zu oft bei „Sonntagsreden“; dieses Jahr wohl sehr oft als Wahlkampfgetöse. Und draußen vor Ort passiert nicht viel!

Ist der Leidensdruck - sprich Entleerung, Überalterung, Wegzug der Jugend in den schrumpfenden Regionen noch nicht groß genug? Die Wohnungsnot noch zu gering?

Im Planeralltag erfahre ich bei Projekten, wie unbeliebt der Umgang mit den negativen Aspekten der Bevölkerungsentwicklung auf dem Land ist.

Selbst wenn im Rahmen von Förderprojekten die Aufforderung damit verbunden ist, ein Entwicklungskonzept für eine Verbandsgemeinde mit Darlegung der Entwicklungsperspektiven und Aufgabenteilungen aufzustellen, geht im Sinne eines kooperativen Verhaltens miteinander kaum etwas oder sogar gar nichts. Die Kirchtürme scheinen zu wachsen und die Häuser entleeren sich weiter!

Oder neue Themen, wie das kassenmäßige Gesunden durch Windenergieanlagen steht im Vordergrund. Da funktioniert die Gründung von ortsübergreifenden Gesellschaften zur Optimierung und Verteilung von Einnahmen. Warum klappt das bei einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie zur Demografie mit dem Festlegen von Funktionen und Aufgabenteilungen nicht?

An Programmen und Angeboten liegt es nicht! (siehe z.B. www.demografie.rlp.de)

In Kenntnis der Problemlage und weil im Kern planerische Themen betroffen sind, hat der Vorstand im Mai 2012 eine „Arbeitsgruppe Demografie“ gegründet. Darin wurde umfassend zusammengetragen, welche Angebotsvielfalt es zu diesem komplexen Thema seitens der verschiedenen Ministerien gibt.

Was muss und kann konkret passieren - wie kann sich Kammer da einbringen?
Aus der Arbeitsgruppe heraus entstand die Idee, den Arbeitskreis kammerweit zu öffnen. Die regionalen Belange und Aspekte der Demografie zusammen zu führen und Ideen und Projekte mit den Bürgern (und Politikern) vor Ort zu entwickeln.

Aber ist das der richtige Weg, konkrete und umsetzbare Strategien und Maßnahmen zu generieren? Schaffen wir das als Ehrenamtler in der gewünschten Tiefe und Schärfe oder ist dieser Weg von Beginn an zum Scheitern verurteilt?

Wenn man die Aufforderung des aktuellen Buches von Frank Schirrmacher aufnehmen will, die egoistische Ausrichtung durch ein kooperatives Verhalten und Vertrauen zu ersetzen, um so die demografischen Herausforderungen mit der Bevölkerung im Dorf und der Verbandsgemeinde zu bewältigen, dann ist das eine immense Herausforderung, die professionell anzugehen ist. Aufgabe des „Ehrenamtes“ wäre dann die Begleitung des Prozesses.

Anlässlich eines Vortrages von Prof. Dr. Franz Pesch, TU Stuttgart, in Pirmasens vor ca. 150 Zuhörern! mit dem Titel „Schrumpfende Städte“, organisiert durch die Initiative Architektur Südwestpfalz und den anschließenden Gesprächen mit Vertretern der Mittelbehörde und dem Finanzministerium, kam die Idee auf, nicht die Kammer arbeitet alleine hieran, nein die Ministerien, die sich mehr oder weniger kooperierend damit befassen sowie die Entwicklungsagentur/PER Rheinland-Pfalz müssen hier gemeinsam aktiv werden.

Es gibt so viel Kompetenz im Land, die bestens mit den unterschiedlichen Herausforderungen in den Regionen vertraut ist: Dem Leerstand in den Dörfern, der wegbrechenden Infrastruktur, der mangelnden Versorgung, der Überalterung; und andererseits der Zuwanderung, der Nachverdichtungsproblematik im Speckgürtel der Oberzentren, dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Zentren selbst usw. Hier gilt es, zusammen umsetzbare, realistische Strategien zu entwickeln und dies nicht einfach nur von den politischen Akteuren vor Ort zu verlangen!

Wir machen mit!
Das Sozialministerium beabsichtigt in diesem Herbst eine Demografiewoche durchzuführen. Ziel soll eine Sensibilisierung und Aktivierung für das Thema im Land sein - und zwar in allen Bereichen der Demografie! Im Rahmen der interministeriellen Arbeitsgruppe „Demografischer Wandel“ soll eine Woche geplant und mit allen Ressorts und Kooperationspartnern durchgeführt werden. Die Kammer bietet sich hier gerne als ein Kooperationspartner an, mit dem die Themen bespielt werden können. Den Ort bringen wir auch mit: das Zentrum Baukultur!

Die Arbeitsgruppe „Demografie“ des Vorstands bereitet die Themen weiter und vertiefend auf. Wer Interesse an der Mitarbeit hat, melde sich gerne bei der Geschäftsstelle. Das schafft das Ehrenamt!