Nachtragsmanagement - Nachweis und Prüfung aus baubetrieblicher Sicht

Baurechtliche Grundlagen | Grundsätze der Kalkulation in der Bauwirtschaft | Vergütungsanpassungen gemäß VOB/B | Vergütungsanpassungen gemäß neuem Bauvertragsrecht im BGB ab 2018 | Mengenänderungen und Gemeinkostenausgleich | Teilkündigung und Gesamtkündigung | Sonderfälle im Nachtragsmanagement | Streitlösung am Bau.

Seminar:
19517

Termin:
06. Juni 2019 10:00 Uhr - 17:30 Uhr

Referent:
Frank A. Bötzkes, Dipl.-Wirtsch.-Ing., ö.b.u.v. Sachverständiger für Bauablaufstörungen, Braunschweig

Teilnehmergebühr:
80,- €

Veranstalter:
Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Hindenburgplatz 6
55118 Mainz

Veranstaltungsort:
Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Hindenburgplatz 6
55118 Mainz
Anfahrt

Die Seminarreihe „Basiswissen für Absolventen in der Praxis (AiP)“ richtet sich vorrangig an alle Hochschulabsolventen, die in absehbarer Zeit eine Eintragung in die Architektenliste beabsichtigen.

Inhalt:

 

Die Geltendmachung von Nachtragsforderungen ist heute üblich, da es immer wieder zu erforderlichen Änderungen oder zusätzlichen Leistungen bei der Ausführung kommt, die bei der Ausschreibung nicht bekannt waren. Da die Nachtragsforderungen nach Vertragsabschluss außerhalb des Wettbewerbs geltend gemacht werden, hat die VOB/B das Prinzip der Preisfortschreibung „Guter Preis bleibt guter Preis, schlechter Preis bleibt schlechter Preis“ entwickelt. Hierüber gibt es immer wieder Streit, wie die Preisfortschreibung durchzuführen ist. Seit den höchstrichterlichen Urteilen zur Preisspekulation im Jahr 2008 wird teilweise auch diskutiert, das Modell der Preisfortschreibung durch eine Preisbildung auf der Grundlage tatsächlicher Ist-Kosten zu ersetzen.

Mit dem neuen Bauvertragsrecht, welches ab dem 01.01.2018 gemäß BGB anzuwenden ist, wurde das einseitige Anordnungsrechts des Auftraggebers, welches es bisher nicht im BGB, sondern nur in der VOB/B, gab, eingeführt. Als Folge dieses Anordnungsrechtes wurde dann im BGB auch die Vergütung dieser Nachtragsleistungen geregelt. Darin ist die Vergütung mit der Formulierung „tatsächlich erforderliche Kosten“ vorgegeben worden, welche grundsätzlich anders ist als die Preisfortschreibung gemäß VOB/B. Aus baubetrieblicher Sicht stellt sich nun die spannende Frage, wie die Rechtsprechung diese Formulierung auslegen wird.

Im Seminar werden die Grundlage und Schwierigkeiten der Preisfortschreibung gemäß VOB/B und die Vergütung gemäß „tatsächlich erforderlicher Kosten“ gemäß BGB ab 01.01.2018 an konkreten Beispielen erläutert. Hierdurch sollen Auftragnehmer in die Lage versetzt werden, berechtigte Nachtragsforderungen angemessen geltend machen zu können sowie Auftraggeber, solche Forderungen angemessen prüfen zu können.

Weiterhin wird aus baubetrieblicher Sicht erläutert, wie Vergütungsanpassungen bei Mengenabweichungen und ein Gemeinkostenausgleich zu berechnen sind. Schließlich wird aus baubetrieblicher Sicht erläutert, wie die Eskalation des Bauvertrages, die Kündigung, abzurechnen ist.

Inhalt:

1) Baurechtliche Grundlagen

  • VOB und BGB
  • Nachweis- und Prüfungspflichten

2) Grundsätze der Kalkulation in der Bauwirtschaft

  • Kostenelemente der Kalkulation
  • Preisermittlung bei Zuschlagskalkulation und Kalkulation über die Endsumme
  • Urkalkulation, Auftragskalkulation, Nachtragskalkulation

3) Vergütungsanpassungen gemäß VOB/B

  • § 1 Abs. 3 und 4 VOB/B: Leistungsbestimmungsrecht des Auftraggebers
  • § 2 Abs. 5 VOB/B:  Grundsätze der Preisfortschreibung bei geänderten Leistungen (Über- und Unterkalkulation)
  • Lohn- und Stoffpreisänderung durch Bauzeitverschiebung
  • § 2 Abs. 6 VOB/B: Besondere Vergütung für zusätzliche Leistungen
  • Praxisbeispiele

4) Vergütungsanpassungen gemäß neuem Bauvertragsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ab 2018

  • § 650a BGB: Bauvertrag
  • § 650b BGB: Änderung des Vertrags; Anordnungsrecht des Bestellers
  • § 650c BGB: Vergütungsanpassung bei Anordnungen
  • ortsübliche und angemessen Vergütung gemäß § 632 BGB
  • tatsächliche Kosten und tatsächlich erforderliche Kosten gemäß § 650c BGB

5) Mengenänderungen und Gemeinkostenausgleich

  • § 2 Abs. 3 VOB/B: Mengenänderungen
  • Fortschreibung der Gemeinkosten für Bauzeitverlängerung

6) Teilkündigung und Gesamtkündigung

  • § 2 Abs. 4 VOB/B: Selbstübernahmen durch den Auftraggeber
  • § 6 Abs. 7 VOB/B: Kündigung bei 3-monatiger Unterbrechung
  • § 8 Abs. 1 VOB/B: Freie Kündigung durch den Auftraggeber
  • § 8 Abs. 3 VOB/B: Kündigung durch den Auftraggeber aus wichtigem Grund
  • § 9 VOB/B: Kündigung durch den Auftragnehmer

7) Sonderfälle im Nachtragsmanagement

  • § 2 Abs. 7 VOB/B: Pauschalpreise
  • § 2 Abs. 8 VOB/B: Leistungen ohne Auftrag
  • § 2 Abs. 9 VOB/B: Planungsleistungen
  • § 2 Abs. 10 VOB/B: Stundenlohnarbeiten

8) Streitlösung am Bau

  • Wirtschaftsmediation, Schlichtung, Adjudikation, Schiedsgutachten, Schiedsgericht

In der ca. einstündigen Mittagspause (nach Absprache zwischen Referent und Teilnehmern) besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Mittagessen im Restaurant des Landtages. (Das Mittagessen ist nicht in der Seminargebühr enthalten)

Themenbereich:
1.3 Öffentliches und privates Baurecht (8 Stunden)

siehe Satzung "Grundsätze über Inhalt und Umfang der Fortbildungsmaßnahmen für Absolventen in der Praxis (AiP)" MEHR

Zur Information:
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