11. April 2019

BIM für Innenarchitekten und im Bestand

Veranstaltungen zum Thema BIM beziehen sich meist auf Planung und Ausführung von Neubauten: Der Vortragsabend in Trier an der Hochschule zeigte, dass BIM genauso gut im Bestand als auch in der Innenarchitektur funktioniert und bereits erfolgreich eingesetzt wird.
Mehr als 90 Teilnehmer lauschten den spannenden Beiträgen zum Thema "BIM für Innenarchitekten und im Bestand". Dank der hohen studentischen Beteiligung mussten noch zahlreiche Stühle in der Aula des Campus´ Gestaltung der Hochschule Trier ergänzt werden. Dass so viele Studierende an dieser Veranstaltung teilnahmen, unterstreicht, dass der Nachwuchs großes Interesse an der Thematik hat und bereits während der Ausbildung mit BIM in Berührung kommt.

Nach der Begrüßung durch Eva Holdenried, Innenarchitektin und Vorstandsmitglied der Architektenkammer RLP, folgte Architekt und Innenarchitekt Ingbert Schilz, Partner Jim Clemes Architekten Trier, mit einer Einführung in das Thema. Jim Clemes Architekten arbeiten schon seit vielen Jahren erfolgreich mit der effizienten Methode und können deshalb auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Anhand ihrer eigenen Erfahrungen und mit anschaulichen Beispielen zeigten Eva Holdenried und Oliver Sommer von stereoraum Architekten, Wörrstadt, im dann folgenden Vortrag "BIM im Bestand und in der Innenarchitektur", dass der Einsatz von BIM auch in kleineren Büros sehr gut möglich und umsetzbar ist. Dabei erläuterten sie anschaulich BIM Basiswissen und die Prinzipien der Zusammenarbeit. Bauen im Bestand gewinnt zunehmend an Bedeutung und stellt besondere Anforderungen an Planung und Bauausführung.
Anhand von BIM Anwendungsfällen erläuterten sie, wie die BIM Methodik sinnvoll eingesetzt und gerade auch beim Bauen im Bestand optimal zum Tragen kommt. Hierzu braucht es eine solide Datenbasis.
Da gerade in Bestandsgebäuden sehr häufig 3D-Daten fehlen, die den As-Built-Zustand verlässlich abbilden, muss zunächst eine Erfassung des kompletten Bestandes und Überführung in ein BIM-Modell erfolgen.
Wenn im Zuge der Modellierung alle erfassten Objekte mit ihren zugehörigen und vor Ort erkennbaren Informationen in der Datenbank abgelegt werden, lassen sich Sanierungen und Umbauten im Bestand wesentlich präziser und effizienter umsetzen. Und noch ein Plus kommt hinzu: diese Informationen bieten große Nutzenpotenziale im Gebäudebetrieb und Facility Management.

Im Anschluss zeigte Professor Martin Schroth vom Fachbereich "Digitales Konstruieren und Entwerfen" der Hochschule Trier, dass die digitale Transformation Einzug in die Lehre der Hochschulen gehalten hat.
Digitales Konstruieren und Entwerfen setzt sich mit analogen und digitalen Wechselwirkungen auseinander, die in einer ambivalenten Beziehung zueinander stehen und stark durch rasante Entwicklungsschübe von CNC Produktionsmethoden der Baubranche geprägt sind.
Auf der Suche nach nicht genutzten Potentialen der aktuellen noch mehrheitlich genutzten 2D CNC Produktion, werden Konstruktionen der Zukunft gesucht, die sich durch Reduktion und Vereinfachung auszeichnen und sich mit Prozessen der Natur vergleichen lassen.
Elemente werden heute 3D entworfen, 2D reduziert und im Anschluss wieder zu einem 3D Konstrukt zusammengefügt. Diese Dialektik verlangt spezifische Kenntnisse der Übertragungsschritte bis hin zur Funktionsweise von CNC Produktion. Nicht dem Maximieren von Elementen und Verbindungen, sondern dem Vereinfachen und Integrieren der einzelnen Bestandteile kommt daher eine wesentliche Betrachtung zu. Der richtige Maßstab der strukturbildenden Elemente und die Entwicklung einer systematischen Herangehensweise an die statische Fähigkeiten der materiellen und konstruktiven Zusammensetzung, spielen dabei die Hauptrolle zu einem vereinfachtem Ansatz. Diese Arbeitsweise lässt nicht nur ein Vielfaches an Alternativen und damit Optimierungen zu, sondern ermöglicht auch materialoptimiert zu Planen und zu Fertigen.

Einen Exkurs zum Thema BIM trug Johann Georg Kottmeir bei, der sein Praxissemester bei Design to Production in Zürich absolvierte. Das Büro entwickelt für namhafte Architektur wie das Centre Pompidou in Metz oder das Mercedes Benz Museum in Stuttgart Konstruktionen mittels Gebäudedatenmodellierung. Hier arbeitete er intensiv an der Modellierung und Programmierung in Rhino, um intelligente Verknüpfungen und eine programmierte Elektroausstattung für eine Wohnbebauung zu generieren.

Beim letzten Vortrag des Abends verdeutlichte Herbert Neisius, Jim Clemes Architekten Trier, mit "BIM-Workflow: Beispiele aus der Praxis" das Potenzial von BIM. Hierbei zeigte er unterschiedliche Tiefen der Zusammenarbeit auf, vom BIG Open BIM Projekt eines Gymnasiums mit Erläuterungen zum IFC Datenaustausch, Durchbruchsplanung und Kollisionsprüfung mit Navisworks, bis hin zur Anbindung an die Datenbank BuildingOne. An einem Krankenhausprojekt erläuterte er parametrische Möbelentwicklung und die Zusammenarbeit in der Cloud. Er demonstrierte live, wie der Ablauf einer Kollisionsprüfung mit Bimcollab funktioniert. Mittels BCF werden Informationen und Änderungsanforderungen systematisch erfasst und abgearbeitet.
Beim letzten Projekt, einem denkmalgeschützen Altbau, lag der Fokus auf der komplizierten Modellierung des Gebäudes, sowie der 3D-Erfassung relevanter Fassaden- und Innenausbauteile mittels Punktwolke. Diese Informationen wurden für die Katalogisierung und Wiederinstandsetzung der einzelnen Bauteile herangezogen.
Der Abend endete mit einer offenen Diskussion und Gesprächen bei Snacks und Bier.