02. Juli 2010

Das Runde und die Eckigen

Tag der Architektur 2010: Schönes Wetter, viele Besucher und ein Fußballspiel: Auch der sechzehnte Tag der Architektur zog viele Besucher an. In Mainz, Edenkoben, Kaiserslautern und Trier lockte zusätzlich die woche der baukultur.

Perfektes Sommerwetter nach einem langen, nass-kühlen Frühjahr und 55 Stationen boten beim diesjährigen Tag der Architektur die Folie für ein gelungenes architektouren-Wochenende. Selbst das Fußballspiel gegen England um den Einzug ins Viertelfinale konnten die eifrigsten Tourenfahrer nicht davon abhalten, architektonische Entdeckungen zu suchen. Da kam es, wie es kommen musste: An vereinzelten Stationen hatte der Enthusiasmus fürs Runde auch bei den teilnehmenden Architekten und ihren Bauherren den Kampfgeist und den Durchhaltewillen im Eckigen deutlich geschwächt. Es war auch niemand mit gelben oder roten Karten zur Stelle. So wurden gerade einige der besonders treuen Besucher enttäuscht. Und genau wie in Südafrika hat auch hier der nachträgeliche Videobeweis keine Chance gegen die Entscheidung des Augenblicks. Aber das waren Einzelfälle. An den anderen Stationen waren wieder viele oder sehr viele interessierte Gäste unterwegs. Auch diesmal gab es rekordverdächtige Besucherzahlen in einigen Projekten. Zum Redaktionsschluss sind noch längst nicht alle Rückmeldungen da, aber die Latte liegt seit den ersten Meldungen hoch: Im Westerwald sind knapp 700 Besucher in einem Wohnhaus zu schlagen. Von Menschen, die bei besonders interessanten Projekten trotz des heißen Wetters nach Baukultur Schlage standen, wird von denjenigen berichtet, die dort waren. Auch der sechzehnte Tag der Architektur war also ein guter und als breiteste Lobbyveranstaltung für Architektur und Baukultur in Rheinland-Pfalz ein voller Erfolg.

Foto: strahlend weißes Gebäude vor blauem Himmel, im Vordergrund viele Menschen unter Sonnenschirmen auf dem Rasen, die einem Konzert zuhören.
Rund 700 Besucher zählte das Projekt "Wohnen auf dem Himmelsfeld" in Montabaur beim "Tag der Architektur 2010.
Foto: Andreas Schwickert, Montabaur
Foto: Blick von oben in einen geometrisch gestalteten Garten mit Rasenflächen und schräg-winkligen Betonstufen. Auf den Stufen sitzen Menschen und winken.
Bei sonnigem Wetter ein perfekter Ort, um Architektur zu erleben: der Garten des Hauses Hille-Heijnen in Mainz beim Tag der Architektur 2010.
Foto: Annette Müller, Mainz

Eine kleine, eingeschworene Fangemeinde hat sich inzwischen in Mainz zusammengefunden. Hier wird seit einigen Jahren am Samstag und am Sonntag eine ganztägige Bustour zu den teilnehmenden Projekten angeboten. Grundsätzlich ist dieses Angebot sehr begehrt, diesmal mussten Interessenten vertröstet werden. Und viele, die sich zur Tour angemeldet haben, verwiesen explizit darauf, dass sie in den Jahren davor auch schon dabei waren: Acht Stunden Architektur am Stück wollten sie gerne wieder erleben. Was will man mehr?

woche der baukultur

Den Nerv des Publikums hatte auch die woche der baukultur getroffen: Unter dem Motto „Findet Stadt!“ waren die beiden Vorträge „Baukultur, Spiegelbild gesellschaftlichen Wandels“ von Professor Dr. Werner Durth, Darmstadt, und „Mainz nach 1945 - Stadtplanung zwischen Vision und Wirklichkeit“ von Dr. Rainer Metzendorf ebenso voll besetzt wie die Diskussion „Mainz 2030 - Ein Plan für die Zukunft oder kein Geld für Visionen?“ Das Thema hat beträchtliche Relevanz für eine Stadt mit weit mehr als einer halben Milliarde Euro Schulden. Den Mangel hatte Dr. Metzendorf zuvor eindrucksvoll belegt: Seit dem großflächigen Bombardement im zweiten Weltkrieg hat eine städtebauliche Rahmenplanung die andere abgelöst, folgenlos oder Stückwerk sind sie beinahe alle geblieben. Kosten und Nutzen eines neuen Anlaufs diskutierten die wenige Monate amtierende Bau- und Kunstdezernentin der Stadt Mainz, Vertreter der HWK und der IHK sowie die Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Köln, ein Vertreter der IHK Köln und Dr. Denkel vom Büro Albert Speer & Partner, Frankfurt, mit den Mainzer Architekten, ihrem Kammergruppenvorsitzenden Thomas Dang und dem Publikum. Reinhard Hübsch, SWR, moderierte die Runde.

In Trier ging es neben Führungen und einer Ausstellung gleichfalls in einer Diskussions um die Zukunft. Nicht der Stadt, sondern der Architektenausbildung mit Bachelor und Master. Idylle pur und die perfekte Umsetzung des Mottos „Mehr Schönheit“ prägten den traditionellen Abend auf der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben, mit dem in der Pfalz der Tag der Architektur eingeleitet wird.

Foto: Ein älterer und ein Herr mittleren Alters im Gespräch mit Weingläserm vor einer klassizistischen Gebäudefassade.
Idylle pur: der Terrassenabend zum Auftakt des Tages der Architektur in Edenkoben auf der Villa Ludwigshöhe. Im Gespräch hier Prof. Modersohn, der über "Mehr Schönheit" sprach, und Prof. Hofrichter.
Foto: Annette Müller, Mainz
Foto: Blick von hinten über das Publikum hinweg auf die Diskussionsrunde.
woche der baukultur in Mainz: Den Höhepunkt bildete die Diskussionsrunde "Mainz 2030 - Ein Plan für die Zukunft oder kein Geld für Visionen?
Foto: Kristina Schäfer, Mainz