Spezielle Probleme der Beurteilung im denkmalgeschützten Bestand

Geöffnetes Modul des Lehrgangs Schäden an Gebäuden. Grundlagen Denkmalschutz; Grundlagen nachhaltige Sanierung und Schadensbeseitigung; Untersuchungen und Beurteilungen im denkmalgeschützten Bestand; Praxisbeispiele.

Seminar:
1770A18

Termin:
24. Mai 2018 10:00 Uhr - 17:30 Uhr

Referent:
Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Gänßmantel, ö.b.u.v.SV für mineralische Werkstoffe des Bauwesens, Dormettingen

Teilnehmergebühr:
180,- Euro Mitglieder, 215,- Euro Gäste

Veranstalter:
Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Hindenburgplatz 6
55118 Mainz

Ort:
Hotel INNdependence
Gleiwitzer Straße 4
55131 Mainz
Anfahrt

Viele historische Gebäude stehen unter Denkmalschutz; oftmals muss daher nach den Forderungen der Denkmalpflege die bauzeitliche oder die für die Entwicklung des Gebäudes in späterer Zeit hinzugefügte Substanz erhalten werden. Dieses Ziel kann dabei in der Bewahrung des vollständigen Gefüges, der besonders einer Denkmalensemblebeeinflussung verpflichteten Erhaltung einer Fassadengliederung oder der Bewahrung einer Ansichtsüberlieferung liegen, ist aber nicht vordergründiger Anlass.

Bauen im Bestand unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Denkmalschutzes lässt sich in der Praxis mit unterschiedlichen Vorgehensweisen realisieren. Meinungsverschiedenheiten zwischen Behörde und Eigentümer des Denkmals gibt es häufig über die Intensität des praktizierten Denkmalschutzes. Aus diesem Grund ist es stets wichtig, vorher das infrage kommende Konzept festzulegen, das sich grundsätzlich auch an dem angestrebten Nutzungskonzept orientieren sollte. Daher können u.a. die aktuellen bauphysikalischen Anforderungen von Bedeutung sein.

Bei Bestandsgebäuden ist die Berücksichtigung des Wärmeschutzes nur ein Schutzaspekt bei der Erhaltung. Feuchte- und Schlagregenschutz sowie die Lage des Gebäudes müssen ebenso beachtet, Randbedingungen für Innen- und Außenklima und für die Konstruktion bezüglich eines ausreichenden Tauwasserschutzes müssen festgelegt werden. Bei Bestandsgebäuden unter Denkmalschutz müssen daher vielfach besondere Kompromisse auf der Basis des vorhandenen Bestandes gefunden werden. Dabei darf gleichzeitig der größtmögliche Erhalt denkmalkonstituierender Bausubstanz nicht außer Acht gelassen werden.

Wie in der Medizin kann die richtige „Therapie“ – besonders eines Gebäudes unter Denkmalschutz – nur nach ausreichender Anamnese und Diagnose ausgewählt werden. Erst wenn man den Bestand kennt, kann man das am besten geeignete Konzept auswählen und damit den gewünschten Zustand des denkmalgeschützten Gebäudes herstellen. Diese Gebäudeanalyse umfasst sämtliche Maßnahmen, die an einem Gebäude zur Erfassung des Ist-Zustandes, zur Klärung der Ursachen vorhandener Bauschäden und der daraus abzuleitenden Planung der Sanierungsmaßnahmen unter gleichzeitig Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen erforderlich sind.

Die Ergebnisse aus den Zustandsuntersuchungen liefern dabei die Grundlagen für die Aussagen zur Gebrauchstauglichkeit und zur Tragfähigkeit. Ziel ist es, die vorhandenen Bauschäden zu erfassen sowie den baulichen Zustand zu beschreiben und zu bewerten, um daraus die erforderlichen Maßnahmen zur denkmalgerechten Schadensbeseitigung und Ertüchtigung des Denkmals für eine weitere Nutzungsphase abzuleiten. Ebenso ist die Analyse der vorhandenen Baustoffe und Konstruktionsmerkmale zu berücksichtigen.

Für die Beurteilung des denkmalgeschützten Bestandes werden verschiedene Methoden und Verfahren angewandt, die im Seminar behandelt werden:
 

  • Beobachtungen beruhen auf einer einmaligen oder in bestimmten Intervallen wiederholten visuellen Feststellung über das Erscheinungsbild von Schäden (z. B. mikrobieller Befall).
  • Messungen sind erforderlich, um Werte über mechanische, physikalische, chemische Einwirkungen usw. zu erfassen (z. B. Rissbreitenmessung).
  • Prüfungen sind meist aufwendige Verfahren z. B. zur Ermittlung von Baustoffeigenschaften, Festigkeiten, Rohdichten usw. Zerstörungsfreie oder –arme Prüfverfahren sind bei vertretbaren Kosten und vergleichbarer Aussagekraft vorzuziehen.
  • Berechnungen werden z. B. zur Beurteilung der Standsicherheit und der Tragfähigkeit, aber auch zur Bewertung bauphysikalischer Funktionen durchgeführt.
  • Die meisten Berechnungsverfahren arbeiten mit stationären Randbedingungen (konstante Lasten, Klimabedingungen usw.); in der Praxis trifft man jedoch instationäre, d. h. schwankende oder variable Randbedingungen an. Daher werden Simulationen mit geeigneten Computerprogrammen auf der Basis vorhandener Kenndaten bzw. der gewonnen Prüf- und Messergebnisse eingesetzt.
  • In besonderen Fällen (z. B. zur Untersuchung des Schall- oder Brandschutzes u. Ä.) können auch experimentelle Verfahren angewandt werden, mit denen das Baustoff- oder Bauteilverhalten für den konkreten Fall nachgestellt wird.


Anhand von Fallstudien und Praxisbeispielen werden die Beurteilungsmethoden und deren Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt und diskutiert. Dabei werden auch die Erfahrungen aus der Bestandsbewertung im Rahmen bestehender Förderprogramme wie das KfW-Förderprogramm Nr. 151 / 430 Effizienzhaus Denkmal bewertet.

8 Unterrichtsstunden