28. Juni 2017

Wie DFZ Architekten Dinge entdecken

Zuhörer bei der Präsentation zu den Vorträgen "DFZ-Architekten"
Dr. Annette Ludwig (Bildmitte hinten), Direktorin des Gutenberg-Museums Mainz, spricht sich in der anschließenden Fragerunde für die Umsetzung der Planungen von DFZ-Architekten aus.
Foto: Martina Pipprich, Mainz

Am 21. Juni fand im Rahmen der woche der baukultur ein Vortrag im Gutleut in Mainz statt. Architekt Stephen Kausch, geschäftsführender Gesellschafter von DFZ Architekten hielt seinen Werkbericht.

Stephen Kausch kennt inzwischen Mainz schon besser. Sein Büro DFZ Architekten, er ist einer von vier Partnern, hat 2016 den Wettbewerb zur Erweiterung des Gutenberg Museums gewonnen. Zurzeit laufen die Planungen, die Fachingenieure sind eingeschaltet, die Machbarkeit wird geprüft. Da das Projekt in der Bürgerschaft kontrovers gesehen wird, wobei die Befürworter überwiegen, lag es nahe, weitere Arbeiten des Büros kennenzulernen. Die Kammergruppe Mainz/Mainz-Bingen hat Stephen Kausch zu einem Werkbericht im Rahmen der Woche der Baukultur eingeladen.

Stephen Kausch, 1968 in Peine geboren, studierte Architektur an der Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung in Kiel. Er arbeitet als freier Fotograf, Architekt und hat mehrere Jahre auch in einem Landschaftsarchitekturbüro gearbeitet. Seit 2012 ist er gemeinsam mit Peter Dinse, Johann Zurl und Nicolas Britsch geschäftsführender Gesellschafter der DFZ Generalplaner GmbH, 2013 gründeten die Partner DFZ Architekten GmbH. Das Büro hat 50 Mitarbeiter und besteht bereits seit 40 Jahren.

Die Herangehensweise des Büros charakterisiert er so: "Wir verfolgen keinen rein konservatorischen Ansatz, sondern Stadt verstehen wir als plastischen Organismus, der Veränderung im Sinne zeitgemäßer sozialer und gesellschaftlicher Bedürfnisse zulässt. Die Architektur der Stadt ist das Abbild unserer Zeit. Es gilt Qualitäten aller Zeitschichten eines Ortes zu erkennen und wertzuschätzen. Sinnvolles zu bewahren und in eine Auseinandersetzung mit den Ansprüchen und Bedürfnissen einer heutigen Gesellschaft zu stellen. Das Spannungsfeld zwischen Alt und Neu setzt Vorhandenes in neue Zusammenhänge und stärkt diese zugleich." Die vorgestellten Wohnbauten, Bürogebäude und Bauten für Bildung und Kultur sind oberflächlich betrachtet facettenreich, doch alle folgen dem selbstgestellten Anspruch. Strategie ist mal Collage, mal Weiterbauen, mal Mimikry, auch mal Kontrast.

Ein großer Teil der Projekte des Büros wurden in Wettbewerben mit dem 1. Preis ausgezeichnet und für die Realisierung empfohlen, wie u.a. die Instandsetzung und Modernisierung des Hauses der Kulturen der Welt, der 'Schwangeren Auster' in Berlin, die denkmalgerechte Sanierung und Umnutzung einer ehemaligen Industriehalle in Zürich Oerlikon zu einem repräsentativen Schulungszentrum, der ABB Learning Factory Zürich und das Einschreiben des traditionsreichen Ohnesorg-Theaters als Haus in Haus-Lösung in das Bieberhaus in Hamburg. Wir in Mainz dürfen uns auf ein besonderes Gebäude freuen, der 'Turm' wird in die Stadt wachsen, wie es Stephen Kausch formuliert. Es begeistert ihn auch die gute Öffentlichkeitsarbeit, die Diskussion in der Stadt. Ein Museum mit dem Claim eines Weltmuseums braucht natürlich Symbole und deshalb betont er, dass ein solches Vorhaben nicht rein wirtschaftlich betrachtet werden kann. Es ist im Gesamtzusammenhang viel komplexer. Vom Publikum gab es viel Lob und es wurde für Vertrauen in zeitgenössische Architektur geworben. "Mit großer Leidenschaft suchen wir (DFZ Architekten) nach klaren Lösungen für komplizierte Aufgaben. Gleichzeitig schenken wir auch kleinsten Details die größte Aufmerksamkeit. Dabei begreifen wir Architektur als ein kontinuierliches Wechselspiel von Körper, Raum und Licht im Kontext des Ortes." Stephen Kausch bekennt, dass es für ihn eine große Ehre sei, ein Gebäude für Mainz zu planen und in Mainz zu bauen. Wir sind gespannt!

Kirsten Schewe, Schewe Architekturkommunikation Mainz