18. Juni 2012

Weniger ist mehr – Lebensqualität 2030

12. Bauforum: Die ökologischen, gesellschaftlichen und strukturellen Entwicklungen werden unsere Wohn- und Lebensbedingungen in den nächsten Jahren gravierend verändern. Welche konkreten Auswirkungen ergeben sich daraus, wie können wir die Entwicklung steuern?

Mit diesen Fragen befassten sich Experten aus der Wissenschaft und Politik sowie aus der Bau- und Planungspraxis beim 12. Bauforum am 30. Mai 2012. 160 Teilnehmer konnte der Vorsitzende des Bauforums, Rainer Richarts, begrüßen, die der Einladung an die Fachhochschule Mainz gefolgt waren.

Im Einführungsvortrag spannte der renommierte Umweltwissenschaftler und Ko-Präsi-dent des internationalen Ressourcenpanels Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker den Bogen von den globalen Problemen bis zu Lösungsansätzen auf örtlicher Ebene. Seine Botschaft: Aus diesen gewaltigen Aufgaben und Herausforderungen ergeben sich viele neue Chancen und es können auch „wirtschaftliche Gewinne“ entstehen, wenn wir die Zusammenhänge erkennen und rechtzeitig die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Viel Zeit dazu bleibe uns aber nicht mehr, so sein eindringlicher Appell.

Finanz- und Bauminister Dr. Carsten Kühl wies darauf hin, dass es für ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz insbesondere um die Frage gehe, welche Konsequenzen sich aus den unterschiedlichen Entwicklungen von Stadtregionen und ländlichen Räumen ergeben. Es müsse überlegt werden, welche Infrastrukturen wir uns zukünftig noch leisten können und ob allein neue Formen von Kooperationen und Zweckgemeinschaften ausreichen werden, „die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ zu erhalten. Vielleicht müsse vor dem Hintergrund der Parallelität von Wachstums- und Schrumpfungsregionen die „Gleichwertigkeit“ neu definiert werden.

Mit Fachvorträgen aus der Planungspraxis setzten sich auch Professorin Gerlind Weber aus Wien, Dr. Gutsche aus Hamburg und Professor Jürgen Aring aus Kassel mit diesem Themenkomplex auseinander. Ihr Fazit: Lösungsansätze müssen regional und individuell erarbeitet und umgesetzt werden. Dabei ist der Begriff „Lebensqualität“ neu zu definieren und: Die Zukunft kann nur mit viel bürgerschaftlichem und ehrenamtlichem Engagement gelingen. 

Mit der Präsentation konkreter Projektbeispiele aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm, aus der saarländischen Gemeinde Illingen und der Gemeinde Zwischenwasser in Voralberg wurde deutlich, wie Zukunft gemeinsam mit den Menschen vor Ort gestaltet werden kann. Interessant war dabei die Erkenntnis, dass die Baukultur zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität einen wichtigen Beitrag leisten kann.