03. Dezember 2015

Wege zu mehr Wohnungsbau

Es diskutierten:
Moderatorin Alexandra May, Staatssekretär Prof. Dr. Salvatore Barbaro, Kammerpräsident Gerold Reker, Albrecht Bähr, Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege RLP, und Jan Eitel, Geschäftsführer der Trierer EGP GmbH  
Foto: Kristina Schäfer, Mainz


Immer weiter steigende Baukosten seien eine ganz wesentliche Ursache für das zu geringe Wohnungsbauvolumen, so die Aussage von Experten des Bundes und des Landes, der Immobilien- und der Bauwirtschaft, von Architekten und Wissenschaftler beim Kompaktkongress „Wege zu mehr Wohnungsbau“ am 19. November im Zentrum Baukultur.

Im Mittelpunkt des Kongresses stand das zu geringe Wohnungsbauvolumen in Schwarmstädten. Neben der Problemanalyse prägte die Suche nach Lösungswegen die Veranstaltung. Staatssekretär Prof. Dr. Salvatore Barbaro brachte die Herausforderung folgendermaßen auf den Punkt: „Es ist Ziel der Landesregierung, schneller zu bauen, ohne allerdings die Sicherheit und Qualität der Bauten außer Acht zu lassen. Ein gewisses Maß an Komfort, an Standards und einer entsprechenden Gestaltungsqualität ist notwendig. Wir brauchen guten, bezahlbaren Wohnraum für alle.“

Seit dem Jahr 2000 sind die Baukosten im Wohnungsbau um nahezu 40 Prozent gestiegen. Dies zeigte ein Positionspapier des Aktionsbündnisses „Impulse für den Wohnungsbau“. Die Gründe liegen nur zum geringeren Teil in den Material- und Lohnkosten. Die wirklichen Kostentreiber sind die staatlichen Regulierungen durch Bauauflagen, Energiegesetze oder höhere Steuern.

Einen sehr konkreten Schritt zu einem neuen sozialen Wohnungsbau in Rheinland-Pfalz schlug Kammerpräsident und Sprecher des Aktionsbündnisses Gerold Reker in der abschließenden Diskussion vor: Unter dem Motto „Schnell - Bezahlbar - Seriell“ rief er die Akteure im geförderten Wohnungsbau - im Wesentlichen Land, Kommunen und Wohnungswirtschaft - gemeinsam mit den Architekten zu einer Innovationswerkstatt auf. Er schlug ein kompaktes Verfahren vor, um konkret in die Kommunen übertragbare Modellplanungen zu entwickeln. Die Anpassung an die jeweilige städtebauliche Situation soll durch Umsetzungsworkshops begleitet werden. Ziel sei die Etablierung eines selbst lernenden Modells. „Die Suche nach praktikablen, dabei ebenso schnellen wie finanzierbaren Lösungen, hat seit Beginn der Diskussion um Flüchtlinge und Asylbewerber größte Dringlichkeit erhalten“, so Reker. Vor dem vermeintlichen Primat von Kosten und Fristen dürfte die Qualitätsdiskussion nicht weichen. Städte seien soziale Räume. Falsche planerische Entscheidungen evozierten hohe Folgekosten.