22. August 2011

Vorne gerührt ...

Vizepräsident Ernst Wolfgang Eichler spricht Klartext.

S21 hat gezeigt, dass politische Entscheidungen nur so gut sind wie Ihre Akzeptanz in der Bevölkerung. Diskussionen zu Bebauungen des Frankfurter Römerbergs oder des Dresdner Neumarktes, sowie aktuelle Kritik an fehlenden Visionen und Konzepten der Stadt Mainz als Antwort auf Investorendruck im Bereich der Ludwigsstraße belegen ein grundsätzliches und berechtigtes Bürgerinteresse an Partizipation im Entscheidungsprozess. Ein Blick in die Schweiz zeigt, wie hervorragende Stadtplanung und Architektur mittels direkter Bürgerbeteiligung realisiert werden können. Da entscheiden z.B. die Berner direkt, ob ihr Steuergeld für einen vom Preisgericht prämierten Museumsentwurf ausgegeben werden soll, der ihnen zur An- und Einsicht mit verkleinerten Plänen, Modellfotos und Erläuterungen zugeschickt wurde. Auch die überall errichteten „Bauprofile“, welche Auswirkungen eines Gebäudes auf die Umgebung klar vor Augen führen, beweisen eine bewusst angestrebte öffentliche Diskussion.

Da wirkt es schlicht unbeholfen, wenn bei uns aufkeimender Protest einzudämmen versucht wird mit der Empfehlung, mehr den Architekten zu vertrauen, die zur Beurteilung von Entwürfen jahrelang ihren Blick geschult hätten. „Kind, lass das mal die Erwachsenen machen“ geht auf Dauer nicht gut. Direkt lassen sich Schweizer Handlungsmodelle jedoch nicht übertragen. Zum Entscheiden gehört auch Urteilsfähigkeit, und die gilt es hierzulande zu fördern. Wer den mündigen Bürger im baupolitischen Entscheidungsprozess will, muss transparent und nachvollziehbar Probleme, Lösungsansätze und deren Vor- und Nachteile offenlegen und präsentieren. Nur gut informiert durch die politisch Verantwortlichen können die Menschen Urteilsfähigkeit erlangen und ein Projekt wie die Mainzer Ludwigsstraße … brennt hinten nicht an!

Vizepräsident Ernst Wolfgang Eichler, Alzey