17. Oktober 2019

Strategien der Moderne

Strategien der Moderne in Kaiserslautern
Foto: Kristina Schäfer, Mainz

Wanderausstellung macht Station in Kaiserslautern

Die große Wanderausstellung der Architektenkammer und des Finanzministeriums zum runden Bauhausjubiläum macht letzte Station im Neuen Rathaus Kaiserslautern. „Bauhaus dehäm“ – so kommentierte dann auch Moderator Holger Wienpahl die Tatsache, dass die Schau „Strategien der Moderne am Beispiel einer Stadt: Kaiserslautern“ nach den Stationen in Mainz und Trier nun in der pfälzischen Industrie- und Universitätsstadt angekommen ist. Baudezernent Peter Kiefer begrüßte die zahlreichen Gäste im vollbesetzten Ratssaal. In seinem Grußwort hob er die architektonische Bedeutung des 22-stöckigen, zwischen 1963 und 1968 errichteten Rathauses hervor, das seinerzeit das höchste Rathaus Europas war. Es zählt zu den Hauptwerken des Architekten Roland Ostertag. Darüber hinaus ist das Neue Rathaus selbst ein thematischer Teil der Ausstellung, gehört es doch zu den prägnanten Gebäuden Kaiserslauterns, anhand derer die architektonische und städtebauliche Entwicklung von 1800 bis in die Gegenwart nachgezeichnet wird.

Herbert Sommer, Leitender Ministerialrat des Finanzministeriums, unterstrich in seiner Rede, dass die letzte Station auch der Höhepunkt der Wanderausstellung sei und einen ganz besonderen Blick auf Kaiserlautern erlaube. Sein besonderer Dank galt der Bau AG für die Übernahme der Restaurierung der zeitgenössischen Gipsmodelle, die das Herzstück der Ausstellung sind.

Kurator Prof. Dr. Matthias Schirren begrüßte zu Beginn seines Vortrages einen ganz besonderen Gast: Dr. Ulrich Hussong. Der Historiker und Archivar ist ein Enkel des Architekten Hermann Hussongs, der als Stadtbaurat die Geschichte des Städtebaus in Kaiserlautern maßgeblich prägte. Schirren erklärte, dass ein Artikel Hussongs über seinen Großvater überhaupt erst den Anstoß gab, Leben und Werk des bedeutenden, aber fast vergessenen Stadtbaumeisters zu erforschen.

Hussong hat in Kaiserslautern Großes geschaffen und das mit einer Gestaltungskraft, die uns heute noch staunen lässt.
Gerold Reker

Im Zentrum der anschließenden Gesprächsrunde standen die beeindruckenden Bauten Hermann Hussongs. Immerhin zwölf große Siedlungen plante er in Kaiserslautern. Einige davon sind auch heute noch im Besitz der gemeinnützigen Baugesellschaft Kaiserslautern (Bau AG). „Es ist unsere Aufgabe, die historischen Gebäude für die Nachwelt zu erhalten“, erklärte Geschäftsführer und Vorstand Thomas Bauer. Kammerpräsident Gerold Reker hob hervor: „Hussong hat in Kaiserslautern Großes geschaffen und das mit einer Gestaltungskraft, die uns heute noch staunen lässt.“ Auf die Frage, was für den Kurator unter den doch sehr unterschiedlichen Hussong-Bauten das Meisterwerk sei, kam die Antwort prompt: „Die Stadt als Kunstwerk“. Die vielen Nuancen, mit denen Hussong auf die Stadt einging, seien ganz erstaunlich: „Man lernt bei ihm, wie man mit viel Feingefühl planen kann“, fasste Schirren abschließend zusammen.

Die Ausstellung im Kaiserslauterner Rathaus ist noch bis zum 20. Dezember 2019 zu sehen.