15. September 2016

Stadt + Landschaft

Das „Weißbuch Stadtgrün“ stand im Mittelpunkt des Erfahrungsaustauschs der Stadtplaner und Landschaftsarchitekten am 7. September 2016. Hierzu hatte die Architektenkammer Mario Kahl als Referenten eingeladen, der als stellvertretender Geschäftsführer des BDLA in Berlin der geeignete Fachreferent und Kommunikator dieses relativ neuen Themenbereiches ist.

Das "Weißbuch Stadtgrün" war das zentrale Fachthema, das die Architektenkammer, vertreten durch die die Vorstandsmitglieder, Frank Böhme (Stadtplanung) und Hermann-Josef Ehrenberg (Landschaftsarchitektur), für den Erfahrungsaustausch der Stadtplaner und Landschaftsarchitekten im Herbst 2016 ausgesucht hatten. Weil das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Jahre 2015 in einem sog. "Grünbuch Stadtgrün" eine Bestandserhebung, den aktuellen Wissensstand zum Thema Stadtgrün zusammengefasst und publiziert hatte, wird nun in einem diskursiven Prozess ein Weißbuch erarbeitet werden, das konkrete Möglichkeiten für die Umsetzung formuliert. Es handelt sich um ein ressortübergreifendes Projekt, bei dem zahlreiche Fachreferate der relevanten Ministerien, Aninstitute und andere Gremien erstmals das Stadtgrün zum integrativen und interdisziplinären Gegenstand der Bau- und Umweltpolitik machen sollen. Die Bundesregierung will damit eine EU-communication "Grüne Infrastruktur" aufgreifen und in nationales Politikhandeln umsetzen.

Hierzu hatte die Architektenkammer Mario Kahl als Referenten eingeladen, der als stellv. Geschäftsführer des BDLA in Berlin der geeignete Fachreferent und Kommunikator dieses relativ neuen Themenbereiches ist. In einem kurzen Einleitungsteil zeigte Mario Kahl die Schmucksteine des Deutschen Landschaftsarchitekturpreises der vergangenen Jahre. Man muss wissen, dass der Landschaftsarchitektur-Preis - bereits seit 1977 als BDLA-Preis dotiert - große Tradition hat und ein hohe fachliche und repräsentative Reputation genießt.

Mario Kahl hatte einige Bilder der letzten Jahre mitgebracht, alles Beispiele des Stadtgrüns, ob rekultivierte Gewerbe- und Verkehrsstandorte, Außenanlagen und Plätze, Uferzonen oder Parks. Alles Stadtgrün, manchmal klein und bescheiden, oft aber auch groß und wuchtig. Wie auch immer, er zeigte eine Vielfalt an Möglichkeiten, die allesamt als grüne Infrastruktur definiert werden. Und damit schuf er dann auch den Übergang aus der Bestandserhebung des Grünbuchs zur konzeptionellen Politikagenda des Weißbuches. Die Verhandlungen und Abstimmungen sind zwischenzeitlich weit fortgeschritten; es wird in wenigen Wochen erscheinen und als kompaktes, max. 30 Seiten starkes Handbuch den öffentlichen Willen der Politik zum Ausdruck bringen.

Auf die Fragen nach Nutzen und Umsetzung des Weißbuches musste die Diskussionsrunde noch auf viele Vermutungen und Wünsche setzen. Über eines sind sich alle einig gewesen: das Weißbuch und speziell der zum Ausdruck gebrachte politische Wille für Grün in der Stadt tragen vielleicht entscheidend für eine Fortführung und Beschleunigung eines qualifizieren Fachdialogs und der Planungsqualität bei. Es wird die verwaltungsinterne Kommunikation befördern und damit - hoffentlich - auch die fachliche Anbindung und Verbindlichkeit von Grün in der Stadt befördern. Das zeigte auch die rege Diskussion anschließend. Ja, alter Wein in neuen Schläuchen mag der ein oder andere vermuten. Aber der politische Wille war noch nie so explizit formuliert, auch wenn nach wie vor die mangelhafte finanzielle Ausstattung der Nachsorge und Pflege der Grünflächen dieses politische Petitum zu einer freiwilligen Leistung im kommunalen Haushaltsvollzug verkommen lässt.

Kaiserslautern, den 08.09.2016

Hermann-Josef Ehrenberg

Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz