13. Juli 2012

Sparkassen Denkmalpreis 2012 vergeben

Vergeben wurden sechs Preise sowie neun Anerkennungen und ein Sonderpreis. Ausgelobt hatten den Preis der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz, die Landesbausparkasse Rheinland-Pfalz (LBS) und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz gemeinsam.

„Denkmale sind ein wesentlicher Teil des kulturellen Gedächtnisses unseres Landes und seiner Identität. Diesen Schatz gilt es zu bewahren und für die Zukunft zu sichern. Mit engagiertem Einsatz für ihr Baudenkmal haben dies die Preisträger des Sparkassen Denkmalpreises Rheinland-Pfalz 2012 vorbildlich beherzigt“, erklärte Kulturstaatssekretär Walter Schumacher anlässlich der Verleihung. Die mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Auszeichnungen wurden in feierlichem Rahmen in Schloß Waldthausen in Budenheim vergeben. Gemeinsam mit den Initiatoren des Denkmalpreises, Sparkassenpräsidentin Beate Läsch-Weber, LBS-Vorstandsvorsitzender Max Aigner und Thomas Metz, Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, überreichte Schumacher sechs Preise sowie neun Anerkennungen und einen Sonderpreis, die eine Fachjury aus 120 Einreichungen ausgewählt hatte.

„Die historischen Zeugnisse unserer Baukultur vermitteln Werte, die Zeiten und Generationen überdauern“, sagte Sparkassenpräsidentin Beate Läsch-Weber bei der Preisübergabe. „Wie überaus lebendig die Denkmalpflege ist, zeigt auch die zweite Auflage des Sparkassen Denkmalpreises nach 2010."

Unbewohnt und doch lebendig
In der Kategorie „Unbewohntes Denkmal“ wurden drei Preise verliehen, jeweils dotiert mit 2.500 Euro, sowie fünf Anerkennungen ausgesprochen. Preisgekrönt ist die Villa Ipser in Zweibrücken. Das vom Verfall bedrohte Jugendstil-Kleinod wurde von der Gesellschaft für Wohnen und Bauen (GeWoBau) Zweibrücken, Architekt Rolf Vogelsang, in sechsjähriger Bauzeit vorbildlich saniert, so die Jury. Neben der Fassadeninstandsetzung und der Rekonstruktion der zerstörten Turmhaube erfuhr insbesondere die reichhaltige Innenausstattung eine detailgetreue Restaurierung. Heute beherbergt die Villa Ipser eine schönheitschirurgische Klinik.

Mit einem Preis ausgezeichnet wurde auch das Weinberghaus Elisenberg bei Mülheim an der Mosel. Die Winzerfamilie Bauer nahm sich des nur zwanzig Quadratmeter großen biedermeierlichen Schmuckstücks hoch oben am Weinberg an und setzte es von Grund auf instand. Es gelang, dem von Vandalismus stark beschädigten Bau seine ursprüngliche elegant-klassizistische Gestalt wiederzugeben, betonte die Jury. Der Pavillion mit Panoramablick über Reben und Mosellandschaft wird heute für Weinverkostungen genutzt.

Ebenfalls mit einem Preis prämiert wurde das Bahnbetriebswerk Gerolstein, mit 38.000 Quadratkilometer eines der größten Technikdenkmale des Landes. Die Anlage mit Lokschuppen, Magazinen, Verwaltungs- und Werkstattgebäuden wurde vom Architekturbüro Planquadrat aus Gerolstein umfassend saniert. Heute dient sie als Bahnmuseum und Heimatstandort der Vulkan-Eifel-Bahn, zugleich wird sie für Veranstaltungen und Event-Gastronomie genutzt. Maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt sei Jörg Petry, Geschäftsführer der Bahnbetriebswerk Gerolstein gGmbH, so die Jury.

Jeweils eine Anerkennung wurde dem Engagement für folgende Denkmale zugesprochen: Sakristei des früheren Minoritenklosters in Oberwesel (Architekt: Jäckel Architekten, Oberwesel), Kulturhaus Oberwesel (Architekt: Jäckel Architekten, Oberwesel), Ehemalige Synagoge Odenbach (Architekt: Dr. Klaus Bingenheimer, Darmstadt), Schlossgarten Kirchheimbolanden (Architekt: Architekturbüro Jürgen F. Waldherr, Kirchheimbolanden) und Simultankirche St. Antonius in Hahn (Architekt: Norbert Schug, Horbruch).

LBS-Preis Wohnen im Denkmal
In der Kategorie „LBS-Preis Wohnen im Denkmal“ gab es ebenfalls drei Gewinner, die jeweils 2.500 Euro Preisgeld erhielten: Für die vorbildliche Restaurierung des Barbarahofes in Simmern/Westerwald wurden die Bauherren Angelika und Jeffrey Coble ausgezeichnet. Bei der Restaurierung von Architekt Benjamin R. Batz aus Nisterau kamen nur bautechnisch und denkmalpflegerisch einwandfreie Materialien und Verfahren zum Einsatz, frühere Maßnahmen hatten bereits zu Bauschäden geführt. Mit einer Symbiose aus historischer Authentizität und neuester Technik sei eine Wiederbelebung des 300 Jahre alten Fachwerkgehöftes gelungen, lobte die Jury.

Ebenso preiswürdig und beispielhaft für modernes Wohnen in historischem Ambiente ist der Dalberger Amtshof in Worms-Abenheim. Architekt Rainer Eschmann aus Frankenthal setzte den Renaissancebau im Sinne der Denkmalpflege beispielhaft für den Bauherren Hans-Josef Schäfer und seine Familie instand. Heute erstrahlt das Kulturdenkmal mit prachtvoller Wappentafel und originalen Wandmalereien in seinem ursprünglich herrschaftlichen Charakter.

Für die optimale Umnutzung der ehemaligen Filzfabrik in Speyer, einem Ziegelbau von 1904, zu exklusiven Loftwohnungen wurden die Brüder Eckhard und Christian Neff mit dem LBS-Preis Wohnen im Denkmal ausgezeichnet. Besonders gelungen an der Umnutzung von ADS-Architekten Dück Fritz Morsey aus Speyer sei der Erhalt der historischen Stahlfenster sowie der bautypischen Backsteinfassade, die um zeitgenössisch gestaltete Balkone ergänzt wurde.

Mit einer Anerkennung wurden vier weitere Wohnobjekte prämiert: eine Villa im Landhausstil in Mainz, ein Streckhof aus dem 18. Jahrhundert in Merzkirchen-Portz bei Trier, ein barockes Wohnhaus mit kleinem Fachwerkhaus im pfälzischen Weyher sowie der zu Wohnzwecken umgenutzte Wormser Wasserturm vpn Architekt Willi Stauss aus Worms.

Sonderpreis Herausragendes Engagement
Ein Sonderpreis für herausragendes ehrenamtliches Engagement in der Denkmalpflege wurde dem Bauverein Historische Stadt Oberwesel e.V. verliehen. Der rund 400 Mitglieder starke Verein hat sich in besonderer Weise um die historische Baukultur in Oberwesel, vor allem um den Erhalt der imposanten Oberweseler Stadtbefestigung verdient gemacht. Neben Spenden und Eigenleistung gehört hierzu eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. „Der Bauverein zählt zu den Vereinigungen, die eine Vorreiterrolle im bürgerschaftlichen Engagement für das Kulturerbe spielen. Der außergewöhnliche Einsatz und die sichtbaren Erfolge seit mittlerweile fast zwanzig Jahren verdienen höchste Anerkennung“, so Laudator Thomas Metz, Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Der langjährige Vereinsvorsitzende und Mitbegründer Herbert Jäckel nahm den Preis entgegen.

Alle Preisträger und Anerkennungen sind in der Dokumentation zum Preis ausführlich beschrieben: Mehr...

Gezeigt werden sie auch im 1. Halbjahr 2012 im Rahmen einer Ausstellung im Zentrum Baukultur in Mainz.