25. Oktober 2013

Sommerfachreise Demografie und Wohnen

Gruppenfoto mit Minister Dr. Kühl in der Mitte nach dem Besuch eines Generationen übergreifenden Wohnprojektes in Maikammer.
Nach dem Besuch eines Generationen übergreifenden Wohnprojektes in Maikammer: Minister Dr. Kühl in der Mitte der Teilnehmergruppe.
Foto: Andreas Gröhbühl, VdW

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels einerseits und einer in Stadt und Land sehr unterschiedlichen Wohnraumversorgung hatten die Architektenkammer Rheinland-Pfalz und die Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Wohnungsunternehmen den rheinland-pfälzischen Bau- und Finanzminister Dr. Carsten Kühl Ende August zur ersten Sommerfachreise eingeladen.

Von Mainz aus ging es zunächst nach Koblenz, dann mit Wittlich und Meckel über die Südeifel nach Trier und von dort über das nordpfälzische Glan-Münchweiler nach Maikammer und Neustadt:

Eine wahre tour d‘horizon zwischen prekären Quartieren, komfortablen Wohnanlagen mit Pflegestützpunkt, vorsichtiger, zeitgenössischer Dorferneuerung und städtischer Wohnraumknappheit: Stagnation und Schrumpfung wurden ebenso ins Auge gefasst wie gelungene Wohnmodelle für ältere Menschen und erfolgreiche Quartiersentwicklungen.

Der Minister, das Präsidium der Kammer und die Spitzen der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Wohnungsunternehmen trafen an den Stationen der zweitägigen Reise mit Landtagsabgeordneten aller Fraktionen, den Landräten Gregor Eibes (Bernkastel-Wittlich) und Theresia Riedmaier (Südliche Weinstraße) dem Trierer Oberbürgermeister, den Baudezernenten der Städte Koblenz und Trier, zahlreichen Verbands- und Ortsbürgermeistern, Bauherren, Architekten und Bewohnern zusammen.

Ausdrücklich sollten die Fragen des demografischen Wandels bezogen auf den Wohnungsbau in Rheinland-Pfalz im Fokus stehen. Und weil es zwar hier und da ein paar interessante Ansätze, insgesamt aber mehr Fragen als Antworten gibt, lag der Schwerpunkt auf einer Sondierung der Problemlagen. Den Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner werden, das wurde deutlich, die Aufgaben auch im demografischen Wandel nicht ausgehen - sofern ihre Expertise eingebunden wird. Der Entwurf des neuen Landeswohnraumförderungsgesetzes zeigt Wege auf, Baukultur kommt dort erstmals als einzubeziehende Qualität vor; dies mit Leben zu füllen, wird Ziel der nächsten Jahre sein. 

Der Investitionsbedarf in den Universitätsstädten des Landes ist offenkundig. Wie das historische Beispiel der „Weißen Siedlung“ in Koblenz zeigt, kann es bei aller Knappheit, die auch heute wieder herrscht, nicht um eine reine Mengenlösung gehen. Langfristig problemlösend sind nur Investitionen in eine qualitative Stadtentwicklung. Die Koblenzer Siedlung aus den 70er Jahren hat sich in der Zwischenzeit zum sozialen Brennpunkt entwickelt, aufwendige Sanierungsmaßnahmen sind dringend erforderlich. Mit einer konsequenten Quartiersentwicklung und erheblichen Bauinvestitionen, aber auch mit nichtinvestiven, sozialen Maßnahmen ist es dagegen in Neustadt-Branchweiler gelungen, eine solche Entwicklung ins Positive zu wenden. Ganz anders stellt sich die Situation in den ländlichen Regionen des Landes dar: In den von Stagnation oder Schrumpfung betroffenen Kommunen, existieren Leerstand und Mangel nebeneinander: Ein schwacher Immobilienmarkt und niedrige Mieten stellen erhebliche Investitionshindernisse dar. Energetische Sanierungen und Investitionen in Barrierefreiheit werden nicht im erforderlichen Maß durchgeführt. Verbandsgemeinden wie Glan-Münchweiler arbeiten intensiv daran, Leerstände in den Ortskernen zu vermeiden. Trotzdem fehlen im Hinblick auf barrierefreies, bezahlbares und dazu städtebaulich wie architektonisch hochwertiges Wohnen in der Breite beispielgebende Projekte. Hier mit Pilotprojekten einzuhaken, Instrumente und Strategien zu entwickeln, sollte im Rahmen des neuen Wohnraumfördergesetzes gelingen - so jedenfalls die Forderung der Kammervertreter.