15. November 2007

Schule bauen - Bauen schult

Jetzt Forschungsbericht anfordern - Eine frühe, intensive Beteiligungen von Schülern und Lehrern an Baumaßnahmen ihrer Schule im Zusammenspiel mit Architekturwettbewerben kann die Qualität von Schulbauten verbessern, so das Ergebnis einer Studie, die vor wenigen Tagen vorgestellt wurde und nun kostenfrei bestellt werden kann.

Eine frühe, intensive Beteiligungen von Schülern und Lehrern an Baumaßnahmen ihrer Schule im Zusammenspiel mit Architekturwettbewerben kann die Qualität von Schulbauten verbessern, so das Ergebnis einer Studie, die Anfang des November 2007 in der Mainzer Staatskanzlei vorgestellt wurde. Das der Studie zugrunde liegende Projekt wurde im Rahmen des „Dialoges Baukultur“ - einer gemeinsamen Initiative des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur und des Ministeriums für Finanzen in Rheinland-Pfalz - in Abstimmung mit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und den kommunalen Spitzenverbänden - durchgeführt. Die Wüstenrot Stiftung hat die wissenschaftliche Begletiung des Projektes maßgeblich unterstützt. Ihr ist auch die Herausgabe des Forschungsberichtes zu verdanken, der kostenlos bestellt werden kann (Bestellformular. Mehr.. ).

In seiner Begrüßung betonte der Chef der Staatskanzlei Martin Stadelmaier am 5. November vor etwa 100 geladenen Gästen den gesellschaftlichen Anspruch des Dialoges Baukultur: "Die breite Öffentlichkeit können wir nur erreichen, wenn die Diskussion über Baukultur aus den engen Fachzirkeln herauskommt und wenn es gelingt, alle betroffenen gesellschaftlichen Gruppen und Bürger aktiv in diesen Dialog einzubinden. Das Projekt "Schule bauen - Bauen schult“ ist ein anschauliches Beispiel dafür.“

Professor Dr. Gert Kähler plädierte im Anschluss für die Aufnahme der Baukultur in die Lehrpläne der Schulen. Anhand von konkreten Beispielen aus der Umgebung sollten die grundlegenden Regeln der Baukultur, fernab von Bilbao, vermittelt werden. Er mahnte auf der anderen Seite aber auch zum konkreten baulichen Handeln: "Die meisten Schüler werden heute in nicht förderlichen Gebäuden erzogen.“ Da gäbe es dringenden Handlungsbedarf.

"Die Wirkung des Lernumfeldes auf Schülerinnen und Schüler darf nicht unterschätzt werden“, betonte auch Vera Reiß, Staatssektretärin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. Deshalb sei es richtig und wichtig, dass das Modellprogramm "Schule bauen - Bauen schult!“ ins Leben gerufen worden sei. Für die im Jahr 2005 ausgewählten Modellvorhaben seien Zukunftswerkstätten und Architektenwettbewerbe durchgeführt worden. Durch das Instrument der Zukunftswerkstätten konnten Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte bereits in der Planungsphase ihre Ideen, Bedürfnisse und Interessen für die Baugestaltung einbringen.

Georg Adlbert, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung überreichte die Studie offiziell an die Vertreter des Bauministerium und des Ministeriums für Bildung und Jugend. Er betonte die Relevanz der Studie: "Eine funktionale und gut gestaltete Schule als lebenswerter Ort des Lernens ist eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Vorbereitung auf Ausbildung, Studium und Beruf und hat in diesem Sinne eine erhebliche Bedeutung für die Integration der nachkommenden Generationen.“ An der Qualität der Gestaltung von Schulgebäuden und an ihrem baulichen Zustand lasse sich ablesen, welchen Stellenwert eine Gesellschaft der Bildung und Erziehung beimesse.“

Die Verfasser der Begeitstudie, Dr. Christine Halfmann und Stefan Metz, vom Planungsbüro B-Plan in Appenheimmstellten, präsentierten ihre Forschungsarbeit. Die Erkenntnisse aus den sechs Modellprojekten zeigten, dass es möglich sei und sich lohne, bei Schulbaumaßnahmen Planungswettbewerbe mit einer frühzeitigen und intensive Beteiligung von Schülern, Lehrern und Eltern durchzuführen. Aus den Ergebnissen könnten zudem maßgebliche Erkenntnisse für die vielfältigen Bau- und Modernisierungsaufgaben der nächsten Jahre gezogen werden, nicht nur für den Ganztagsschulbau, sondern für den Schulbau allgemein. Die Gesellschaft müsse aber auch bereit sein, zugunsten einer anspruchsvollen Schulanlage mehr zu investieren als nur das Minimum.

Als gelungenes, konkretes Beispiel präsentierte Architekt Marcus Hille seinen Entwurf für die Förderschule in Alzey. Die Erweiterung der Schule war eines der Projekte des Modellprogramms, den entsprechenden Wettbewerb hatte das Büro Hille Architekten in Mainz gewonnen.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Herbert Sommer, Ministerialdirektor im Bauministerium, Oberregierungsrätin im Ministerium für Bildung und Jugend, Katharina von Kap-herr, Ernst Wolfgang Eichler, Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und Georg Adlbert, Geschäftsführer der Wüstenrotstiftung teil. Über das positive Ergebnis der Studie waren sich alle Teilnehmer einig. Ernst Wolfgang Eichler merkte an, dass es gleichwohl zur Selbstverständlichkeit werden sollte, bei allen geförderten Schulbaumaßnahmen Wettbewerbe zu praktizieren, der Nutzen sei für alle Beteiligten offensichtlich. Die Veranstaltung moderierte Dorothee Eisinger vom SWR, Mainz.