13. Juli 2017

Referatsleiter bei der SGD Süd

Eine Portrairaufnahme von Matthias Dreyer.
Foto: privat

Matthias Dreyer ist bei der Oberen Landesplanungsbehörde für die Raumordnung und Landesplanung in der Pfalz und in Rheinhessen zuständig. Im Interview spricht er über seine Tätigkeit.

Herr Dreyer, in den vergangenen Jahren haben Sie das System „Raum + Monitor“ mit betreut und eingeführt.
Ja, wir setzen in Rheinland-Pfalz nach wie vor auf Innenentwicklung vor Außen­entwicklung. Zur Führung des Nachweises haben wir das System „Raum + Monitor“ initiiert. Mit diesem kann jede Kommune ihr Flächenpotenzial ermitteln, Flächenreserven im Innen- und Außenbereich erfassen, bewerten und auch in Wert setzten.

Inzwischen ist das Programm nahezu umgesetzt. Wissen Sie schon, welche Aufgabe folgen wird?
Ein Schwerpunkt wird in den nächsten Jahren der Auf- und Ausbau eines Kulturlandschaftskatasters sein. Zur Zeit läuft eine Erprobungsphase gemeinsam mit der Planungsgemeinschaft Westpfalz und dem Verband Region Rhein-­Neckar. Für das Thema sehe ich in den nächsten Jahren einen verstärkten Bedarf. Themen wie Digitalisierung der Heimat, Veranschaulichung der Landschaft in der digitalen Welt, Wertschätzung des kulturellen und des landschaftlichen Erbes, insbesondere auch in Verbindung mit dem lokalen Engagement von Bürgern und Kommunen sind hier einige Schlagworte. Wenn man sich die Internet-Plattformen ansieht, die sich mit Outdoor-Themen oder touristischen Informationen befassen, ist der Wunsch nach Kenntnis des Umfeldes extrem hoch. Selbstredend ist es nicht Aufgabe der Raumordnung, einzelne Objekte zu kennen. Wir sollten aber Prozesse oder Projekte unterstützen, die sich mit dem Kulturgut befassen und so zur Werteinschätzung der Landschaft und des Kulturraums kommen. Dann können wir dies auch auf die raum­ordnerische oder regional- und landesplanerische Ebene projizieren und in unser Instrumentarium aufnehmen.

Vor Ihrer Tätigkeit bei der SGD haben Sie unter anderem für das deutsch-französisch-schweizerische Projekt „Oberrheinkonferenz“ und das EU-Projekt EUREXCTER gearbeitet. Was haben Sie aus diesen internationalen Zusammenarbeiten mitgenommen?
Sehr, sehr viel. Nur ein kleines Beispiel ist die Erkenntnis, dass wir mit dem deutschen Raumordnungsverfahren ein sehr gutes, wenn auch aufwändiges Instrument haben, um durch Aushandlungsprozesse zu allgemein akzeptierten Planungs- und Projektlösungen zu gelangen. Dies ist beispielsweise in Frankreich in der Form wenig verbreitet.
Und aus dem EUREXCTER-Projekt ist eine sehr interessante Initiative hervorgegangen, für die ich gerne Werbung mache: Citta-­Slow. Es handelt sich dabei um einen weltweiten Verbund von Städten und Gemeinden, die versuchen, den Zeitgeist für sich zu interpretieren und gleichzeitig den individuellen Charakter ihrer Gemeinde zu bewahren. Meine Heimatgemeinde Maikammer ist seit diesem Jahr auch Mitglied.