06. Oktober 2016

Prof. Hellmut Kanis zum 95. Geburtstag

Am 5. Oktober 2016 feierte Architekt Professor Hellmut Kanis seinen 95. Geburtstag. Präsident Gerold Reker wünscht dem Jubilar im Namen der Architektenkammer alles Gute zu diesem Tag und für die kommenden Jahre.

Wer Prof. Hellmut Kanis neulich auf unserem Sommerfest nach längerer Zeit einmal wieder begrüßen durfte, sah, dass man sich um sein „Muntersein“ keine Sorge machen muss.

Prof. Kanis schloss sein Studium in Stuttgart 1952 ab. Praktische Erfahrung sammelte er anschließend in verschiedenen Büros, um 1960 eine Lehrtätigkeit an der Ingenieurschule Mainz zu beginnen. 1971 wurde er zum Professor an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz, Standort Mainz, ernannt. Er prägte eine Generation von Architekten in Mainz und darüber hinaus. Gleichzeitig war er als freischaffender Architekt in Mainz tätig.

  Sein über 30 Jahre währendes berufspolitisches Engagement in der Architektenkammer Rheinland-Pfalz begann im Anerkennungsausschuss 1960 bis 1974, von 1972 bis 1977 im Satzungsausschuss und im Ausschuss für Berufsbild und Berufsordnung. Damit prägte er maßgeblich das berufständische und berufspolitische Bild der rheinland-pfälzischen Architektenschaft mit. Über drei Wahlperioden hinweg war er ab 1977 Mitglied der Vertreterversammlung und vertrat dabei gleichzeitig den Wahlbezirk Rheinhessen im Vorstand der Architektenkammer. Seit 1992 ist Prof. Hellmut Kanis Ehrenmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig engagierte er sich im BDA und im dwb.

Über sein berufspolitisches Engagement hinaus, war und ist er auch immer ein konstruktiv- kritischer Begleiter Rheinhessens und im besonderen der Stadt Mainz. Die „Kaniskolumne“ (s.u.) beispielsweise zeugt von seinem dauernden Einsatz, Planen als Vorausdenken zu sehen. Sein Alter hindert ihn nicht, diese Kolumne zu Mainzer Themen selbst zu füttern. In vielen Aktionen nahm er Studierende mit ins Boot, indem er offene Probleme der Stadt Mainz in Studienarbeiten untersuchen ließ, was zu Niederschlag in der Presse und sogar zu Auszeichnungen führte und Studenten praxisnah an Problemstellungen der Stadt oder des Umlandes führte.

Die Geschichte der Rheingoldhalle als Ersatz der alten Kreyßig-Stadthalle, das städte-bauliche Ergebnis zur Standortwahl des Rathauses, die Gründung eines Städtebaubeirates in Mainz, 175 Jahre Frankfurter Hof, Kongresswettbewerb 1979, die Sanierung des Arne-Jacobsen-Rathauses u.v.a.m. unterlegte er mit Anmahnungen in der Öffentlichkeit, mit Einsprüchen und Schreiben an die Fraktionen und mit Skizzen, Kommentaren oder Internet-kolummnen. In vielen Fragen war sein kritischer, geschulter Geist der allgemeinen Haltung weit voraus.

Dabei ist kennzeichnend, dass er nicht polemisierend auftritt, sondern versucht, Barrieren abzubauen. So, wie er auch versuchte, Barrieren im Kontakt mit polnischen Hochschulen und Berufskollegen abzubauen. Das Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen - 1993 während der Eröffnungsfeier des akademischen Jahrs an der Universität Lodz überreicht - zeigte die Wertschätzung.

Barrieren baute er auch im Bereich des Bauens für Behinderte ab. Nicht zuletzt durch sein beharrliches Werben fand er die Unterstützung des Sozialministeriums und der Architekten-kammer für die Einrichtung einer Landesberatungsstelle für barrierefreies Bauen und Wohnen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, die seitdem wirkungsvoll arbeitet.

Dass er 2003 darüber hinaus mit der Ehrenplakette des Sportbundes Rheinhessen für sein Engagement im Behindertensport ausgezeichnet wurde, zeigt, dass er Vieles sportlich nimmt.

Prof. Hellmut Kanis hat sich als Streiter für baukulturelle Qualität bleibende Verdienste um den Berufstand erworben. Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz ist stolz, so verdienstvolle und gleichzeitig konstruktiv-kritische Geister in Ihren Reihen zu haben!

Zu seinem 95. Geburtstag sind ihm Dank und Glückwünsche der Kolleginnen und Kollegen gewiss.

Gerold Reker
Präsident

Kanisolumne: www.kaniskolumne.de