01. Juni 2015

Ohne Schwelle - Barrierefreiheit planen und bauen


07/2015
1. Juni 2015

Mainz. In wenigen Monaten soll die Novelle der Landesbauordnung in Kraft treten. Die Belange von Barrierefreiheit und Klimaschutz werden dann noch stärker beim Planen und Bauen verankert. Wie barrierefreies Bauen konkret aussehen kann, darüber sprachen auf Einladung der Architektenkammer, des Bauforums und der Handwerkskammer der Pfalz heute in Kaiserslautern mehr als 150 Architekten, Handwerker, Mitarbeiter der Bauverwaltungen sowie Vertreterinnen großer Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche. Bauministerin Doris Ahnen informierte die Baufachleute über die Hintergründe der geplanten Änderungen. Im Anschluss stand die praktische Umsetzung auf der Agenda.  

„Wir nehmen den Auftrag ernst, Menschen mit Behinderungen vor Benachteiligung zu schützen und auf ihre Integration und die Gleichwertigkeit ihrer Lebensbedingungen hinzuwirken. Deshalb ist die Stärkung barrierefreien Bauens ein wichtiger Schwerpunkt der aktuellen Reform der Landesbauordnung, die voraussichtlich im Herbst 2015 in Kraft treten wird“, so Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen in ihrem Eröffnungsbeitrag.  

Dem stimmte auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ralf Hellrich zu. Er machte deutlich, dass sich das Handwerk intensiv mit der Umsetzung des barrierefreien Bauens auseinandersetzen müsse. „In Deutschland werden immer mehr Menschen immer älter. Da gesundheitliche Beschwerden die Mobilität dieser Zielgruppe oft stark einschränken, erfreuen sich Leistungen, die das selbstbestimmte Leben erleichtern, großer Nachfrage. Dazu gehört auch das Interesse, in altersgerechten und barrierefreien Wohnraum zu investieren. Und das ist sowohl eine Herausforderung als auch ein Geschäftsfeld für das Handwerk“, sagte Hellrich.

„Hinkommen, Reinkommen, Klarkommen“, auf diese kurze Formel brachte Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen, in seinem Impulsvortrag, worauf sich seine Forderungen konkret beziehen. Barrierefreiheit ist Voraussetzung für Inklusion und Selbstbestimmung und damit wesentlich für die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Er machte klar, welche guten Beispiele es bereits gibt, wie die Leitlinien für blinde und sehbehinderte Menschen zum Mainzer Rathaus oder Induktionsanlagen in der Festhalle von Zweibrücken. Und er ließ mit der Aussage „Behindern ist heilbar!“ keinen Zweifel daran, dass es darum geht, die Barrieren zu beseitigen, die eine Behinderung erst ausmacht.

Selbstverständlicher Komfort für alle sei, so Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, ein Ziel, das die Kompetenz und die Kreativität aller herausfordere. Die Architektenkammer beteiligt sich daher seit vielen Jahren unter anderem an der Landesberatungsstelle für Barrierefreies Bauen und Wohnen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem großen Bedarf an altengerechten und barrierefreien Wohnungen machte er deutlich, dass es zunächst darauf ankomme, die Schwellen in den Köpfen abzubauen, die vor den Türen und Duschen fielen dann fast von selbst.  

Die bayerische Architektin Maria Böhmer war dann eine von drei Baufachleuten, die den aktuellen Normenbestand mit konkreten technischen und gestalterischen Lösungen zusammen brachten. Böhmer rief dazu auf, einfache Maßnahmen, die viel zur Barrierefreiheit beitragen, gerade im Wohnungsbau zum Standard zu machen: Breite Türen, reduzierte Schwellen und stufenlose Wege sowohl im Wohnumfeld wie innerhalb des Hauses kosten im Neubau beinahe nur mehr Nachdenken. Badezimmer mit ausreichend Bewegungsflächen und große Küchen wünschen sich viele Menschen. Die zusätzlichen Quadratmeter bieten allen Bewohnern mehr Komfort und Begegnungsräume.

Mit dem Forschungsvorhaben des Bauforums „Aufzug statt Auszug“ wurden kostengünstige Lösungen für die Sanierung von Wohnanlagen der 50er bis 80er Jahre ausgelotet, die im Zuge anstehender Sanierungsmaßnahmen auf eine oft mit den Gebäuden gealterte Bewohnerschaft angepasst werden sollten. Trotz guter sozialer Kontakte im Quartier war es bisher für zahlreiche Mieter aufgrund mangelnder Barrierefreiheit nicht mehr möglich, die Eigenständigkeit zu bewahren. Dipl-Ing. Henning Knauber von der TU Kaiserslautern stellte seine Marktrecherche vor und zeigte Möglichkeiten auf, anstehende energetische Sanierungen mit der Herstellung von Barrierefreiheit bei älteren Gebäuden zu verwirklichen.

Noch konkreter in die Umsetzung ging Heike Eberle. Die Geschäftsführerin eines Bauunternehmens aus Landau präsentierte konkrete Anpassungen von Wohnungen, aber auch von öffentlichen Gebäuden und Außenanlagen.

 

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