18. April 2019

Oberes Mittelrheintal - ein Stück Heimat

Portrait von Frau Nadya König-Lehrmann
Foto: Verhoeven Kreativagentur

Nadya König-Lehrmann ist seit 2011 die Welterbe-Managerin am Mittelrhein. Im Interview spricht sie über die Region, ihre Baukultur und Potenziale.

Das Obere Mittelrheintal erstreckt sich auf rund 60 km zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz. Als erste deutsche Kulturlandschaft ist die Region im Juni 2002 in die Unesco-Welterbe- Liste aufgenommen worden. Frau König- Lehrmann, Sie sind Geschäftsführerin des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal. Welchen Hintergrund bringen Sie mit?

Seit 2006 bin ich für den Zweckverband als Architektin tätig und kann somit schon viele Jahre die Entwicklungen der Region begleiten und im Rahmen unserer Möglichkeiten steuern. Während und nach meinem Studium an der TU Kaiserslautern habe ich einige Jahre bei einer renommierten Projektentwicklungsgesellschaft gearbeitet und dort das Regionalmanagement von der Pike auf gelernt.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Berufsalltag? Worin sehen Sie aber auch Herausforderungen für Ihre Arbeit?

Mich begeistert die Aufgabenvielfalt, die meine Arbeit und das Welterbetal mit sich bringen. Eine große Herausforderung stellt die Bündelung der unterschiedlichen Interessen der zahlreichen Kommunen und Akteure dar und wie wir diese mit den gemeinsam definierten Zielen in Einklang bringen können. Aber auch die Auswirkungen der demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen beschäftigen mich und mein Team täglich.

Welterbe ist ein Titel, der verpflichtet. Was tun Sie für die Baukultur im Oberen Mittelrheintal?

Unsere Bemühungen zum Erhalt der Baukultur sind vielfältig, denn es gibt unzählige bedeutende Kulturdenkmäler und historische Orte am Oberen Mittelrheintal. Als Architektin kann ich Kommunen und Maßnahmenträger zudem gezielt bei baulichen Entwicklungen beraten.

Der Zweckverband ist neben der SGD Nord, dem Finanzministerium, der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und der Generaldirektion Kulturelles Erbe auch Partner der "Initiative Baukultur für das Welterbe Oberes Mittelrheintal"? Was sind die Ziele der Initiative?

In erster Linie die nachhaltige Entwicklung und Erhaltung des baukulturellen Erbes, sprich die typischen Siedlungsstrukturen zu bewahren und Wege für modernes Leben und Wohnen in historischer Umgebung aufzuzeigen. Durch die Initiative konnte ein Dialog über die Qualität unserer gebauten Umwelt in Gang gesetzt werden, der durch die Veröffentlichung von thematischen Leitfäden, Workshops, Wettbewerbsverfahren, Beratungen und ein starkes Netzwerk mit Leben gefüllt wird.

Das Obere Mittelrheintal wird 2029 Schauplatz der Bundesgartenschau. Welche Chancen ergeben sich daraus für die Region?

2029 klingt noch weit entfernt. Doch jeder, der das Obere Mittelrheintal kennt, weiß um die vielfältigen regionalen Aufgaben, die in den kommenden Jahren zu bewältigen sind. Die BUGA 2029 bietet die große Chance für ein gemeinsames, konzentriertes und fokussiertes Handeln - auch über das Jahr 2029 hinaus.

Was wünschen Sie sich für das Obere Mittelrheintal?

Dass die Region ihre Potenziale - auch durch die BUGA - noch besser nutzt. Dabei muss die Bevölkerung mitgenommen und begeistert werden. Denn nur mit Stolz auf die Heimat und das Welterbe kann ein sensibler Umgang mit der Baukultur und Landschaft gelingen