02. Juli 2007

Meinen eigenen Weg gehen

Erfahrungen rheinland-pfälzischer Absolventen im Ausland, aber auch auf benachbarten Berufsfeldern stehen im Mittelpunkt einer kleinen Reihe. Edda Spangenberg hat an der FH in Mainz Innenarchitektur studiert. Sie ging nicht ins Ausland, sondern hat sich als Modellbauerin selbständig gemacht. Die Fragen an Frau Spangenberg stellte Kerstin Mindermann.

Frau Spangenberg, Sie haben Innenarchitektur in Mainz studiert und sind heute selbstständige Modellbauerin für Architektur und Design. Wie kam es dazu?
Bereits kurz vor dem Ende meines Studiums habe ich bei einer Messe- und Ausstellungsbaufirma angefangen zu arbeiten. Nach einem guten Jahr allerdings habe ich beschlossen, dass die Branche, so interessant auch sie sein mag, auf Dauer nichts für mich ist. Die Arbeit für Messen ist sehr kurzlebig und danach wird fast alles entsorgt. Viel interessanter fand ich da die Ausstellungen, die ich mit planen und realisieren konnte. Letztendlich aber hat mir wohl die Wertschätzung meiner Arbeit gefehlt.

Modellbau ist doch auch kurzlebig, oder?
Kann, muss aber nicht. Zum Beispiel habe ich gerade zusammen mit anderen Modellbauern, ein Stadtmodell von Bonn gebaut. Das ist so hergestellt, dass es Jahre hält. Einige Architekten hängen sich ein Entwurfsmodell auch in ihrem Büro an die Wand. Am Erfreulichsten ist es immer, wenn Auftraggeber das Modell in der Werkstatt abholen und sich über das Ergebnis freuen - zufrieden mit ihrem Entwurf aber auch mit der Qualität und Umsetzung des Modells. Das sind Erfahrungen, die ich an meiner momentanen Selbstständigkeit sehr schätze.

War es eine konkrete Entscheidung Modellbauerin zu werden oder eher Zufall?
Eher Schicksal! Ich hatte mich zunächst bewusst dafür entschieden, meinen ersten Arbeitsplatz zu kündigen. Ausgelaugt und auch etwas orientierungslos habe ich mir sechs Wochen Australien gegönnt und mich erst einmal sortiert. Ich finde es wichtig, dass man selbst motiviert ist. Wäre ich nicht weggefahren, sondern hätte mich direkt irgendwo bewerben müssen, ich bin mir sicher, es hätte nicht geklappt.

Und dann sind Sie motiviert aus Australien zurückgekehrt und auf den Arbeitsmarkt „gestürmt“?
Motiviert ja, nur die Orientierung war noch nicht ganz klar. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch beim Theater in Freiburg und habe mich bei ein paar Architekten beworben und dann kam in Gesprächen die Besinnung auf mein Vorpraktikum bei einem Modellbauer in Köln, und dass der Modellbau im Studium immer das Beste war. Am Modell wird klar: Habe ich richtig konstruiert? Passt alles zusammen? Wie wirken die Formen?… Es ist eine ehrliche Darstellungsform und sauber gebaut und abstrahiert in meinen Augen die beste Form der Präsentation. Also habe ich mich bei einigen Modellbauern beworben. Nach interessanten Gesprächen aber ohne Aussicht auf Mitarbeit hat sich eine Modellbauerin bei mir gemeldet und mir die Chance gegeben mich mit „ihrer“ Werkstatt selbstständig zu machen. Mittlerweile sind wir gut befreundet und sie steht mir mit Rat und Tat zur Seite, besonders beim Kalkulieren.

Das heißt, Sie haben eine bestehende Werkstatt übernommen?
Ich habe die komplett ausgestattete Werkstatt gepachtet.

Hätten Sie sich auch ohne dieses Angebot selbstständig gemacht?
Nein, ich denke nicht. Mein erklärtes Lebensziel war es nicht. Und ich habe auch so einige Tage gebraucht bis ich kapiert habe, dass die Werkstatt die Chance für mich ist. Es passte einfach alles!

Haben Sie finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten?
Ja, das passte auch. Dadurch, dass ich über ein Jahr gearbeitet hatte, konnte ich aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Ich-AG gründen - und das war in meinem Fall optimal. Die Förderung geht über drei Jahre, es sei denn man erzielt zu hohe Gewinne. Besonders das erste Jahr hätte ich ohne Förderung nicht so gut überstanden.

Woher bekommt man Informationen zur Selbstständigkeit?
Ich habe bei der IHK ein eintägiges Seminar belegt, das einen guten Überblick vermittelt hat. Und ab da hatte ich Themen, Schlagwörter anhand derer ich weiter recherchieren konnte. Mehr und mehr habe ich auch Leute getroffen, die auch Selbstständig sind.

Welche Formalitäten sind notwendig?
Das lässt sich nicht in drei Sätzen erklären. In jedem Fall muss man sich beim Finanzamt eine Steuernummer besorgen, zum Arbeitsamt und zur Bank gehen, sich um Versicherungen zum Beispiel eine Betriebshaftpflicht kümmern.

War der Start in die Selbstständigkeit schwer?
Nachdem alle Formalitäten geklärt waren musste ich mich erst einmal im Modellbauhandwerk beweisen, und das war nicht ganz leicht. Wie mache ich Werbung, der Umgang mit Kunden, wie präsentiere ich mich und so weiter. Die erste Zeit alles andere als einfach, aber ich hatte immer das Glück den richtigen Menschen zu begegnen. Annegret Dörr, von der ich die Werkstatt gepachtet habe, hat mich in ihre Maschinen eingewiesen und sie hat mir beim Kalkulieren geholfen. Modellbauer, die ich beim Bauen des Stadtmodells kennen gelernt habe, haben mir handwerkliche Tipps gegeben. Ich bin sehr froh, dass ich hier nicht auf Konkurrenz sondern auf ein faires Miteinander gestoßen bin.

Wie haben Sie ihre ersten Aufträge erhalten?
Das war, glaube ich, noch der gute Ruf meiner Vorgängerin. Ich konnte sagen, ich habe die Werkstatt von ihr übernommen.

Konnten Sie den Kundenstamm ihrer Vorgängerin übernehmen?
Meine erste Werbeaktion war ein Flyer, in dem ich die „Übernahme“ der Werkstatt kundgetan habe, und der ging zunächst an die Adressen, die ich hier vorfand. Es war wichtig für den Startschuss und mit ein paar dieser Architekten arbeite ich jetzt ab und zu zusammen.

Haben Sie noch anders Werbung für sich gemacht?
Ich bin zeitweise mit meinem Flyer im Gepäck durch Köln geradelt und immer wenn mir was auffiel, habe ich geklingelt und mich kurz vorgestellt. Und ich habe versucht Kontakte zu anderen Modellbauer herzustellen, also auch ein freie Mitarbeit angeboten. Das ist sehr interessant, wenn ich Werbung gemacht habe, ist zwar meist von denen, die die Werbung erhalten haben, kein Auftrag gekommen, aber dafür von anderer Seite.

Sind Modelle überhaupt noch gefragt seitdem man mit dem Computer 3D-Perspektiven erstellen kann?
Sie sind gefragt. Vielleicht etwas weniger, aber ein physisches, dreidimensionales Modell, das auf dem Tisch steht, hat eine ganz andere Qualität als ein gerendertes 3D-Bild. Wenn ein Modell funktioniert, funktioniert auch die Architektur.

Was waren die größten Probleme, mal abgesehen davon, dass Sie sich Ihren Kundenstamm erst aufbauen mussten?
Besonders schwierig finde ich die Kalkulation, also das Angebot. Jedes Modell ist anders und das macht es so schwer. Man versucht zu schätzen, wie viele Stunden man an einem Projekt sitzt und rechnet den Materialaufwand dazu. Besonders mit wenig Erfahrung ist das schwer zu schätzen.

Kann man als Modellbauer gut verdienen?
Also reich wird man definitiv nicht. Vielleicht ist es mir deshalb besonders wichtig mir einen Kundenstamm aufzubauen, bei dem ich diese gewisse Freude an der Arbeit finde.

Haben Sie Tipps für all diejenigen, die sich eventuell in ähnlicher Weise selbstständig machen wollen?
Wenn man sich selbstständig macht ist es wichtig alle Informationen, die man irgendwie bekommen kann, mitzunehmen. Es gibt einige Netzwerke die Seminare anbieten, Schnupperkurse auch oft kostenlos. Und man sollte versuchen möglichst viele Kontakte zu knüpfen und die dann natürlich auch zu pflegen.

Welche Eigenschaften sind noch wichtig?
Ich würde sagen, das wichtigste ist: Den Mut haben es zu wagen. Und ein stabiles Umfeld ist goldwert!

Sind Sie zufrieden mit Ihrer Entscheidung sich als Modellbauerin selbstständig zu machen?
Ich bin froh, dass ich mir hier in meiner Selbstständigkeit selbst treu bleiben kann. In vielen Punkten kann ich einfach selbst bestimmen und meine Grenzen ziehen. Ich versuche meine eigenen Arbeitsqualitäten zu definieren, zu gucken, wen ich interessant finde und meinen eigenen Weg zu gehen.