18. Mai 2010

Meine Farbe? ... intensiv grau!

Vizepräsident Ernst Wolfgang Eichler spricht Klartext.

Manche Kollegen bevorzugen vermeintlich neutrale Farbtöne wie grau, weiß oder schwarz und bereiten „Farbspezialisten“ Nährboden für deren Kritik, Architekten könnten nicht mit Farben umgehen. Das ist zwar falsch, aber lange und penetrant genug vorgetragen, verfehlt die Botschaft ihre Wirkung nicht. In letzter Konsequenz lassen sich mehr und mehr Bauherren „farbige Träume“ auf Ihr Haus pinseln.

Nicht erst Bruno Taut lehrte uns Anfang des 20. Jahrhunderts, wie wichtig Farbe in der Architektur für das Wohlbefinden der Menschen ist. Farbe war und ist schon immer integraler Bestandteil von Architektur gewesen, und Auftraggeber erwarten mit Recht, dass wir uns des Themas ebenso annehmen wie der Gebäudeform, der Raumproportion oder der Materialwahl. Auch unsere bebaute Umwelt fordert Respekt beim Einfügen von Neuem, und Nutzer von Kindergärten, Schulen, Altenheimen oder Werkstätten, etc. haben ihre spezifischen Bedürfnisse.

Farbharmonien, die sich früher aus der Verwendung regionaler Materialien von selbst ergaben, müssen wir heute suchen und finden; deshalb lernen wir im Studium, Material, Form und Farbe in Einklang zu bringen. Wer das nicht beherzigt, leistet Farbberatern Vorschub, die Fassaden mit Tapetenmustern über-ziehen - ohne Sinn und Verständnis für Architektur. Es gibt Landschaften, wo nichts schöner ist als ein betongraues Gebäude, Häuser die in keiner Farbe schöner sind als Weiss und Bauherrn, die sich einen schwarzen Boden wünschen. Das gilt aber für Tausende anderer Farben analog, die wir nicht aus dem Auge verlieren dürfen.

Besetzen wir das Feld mit unserer Kompetenz neu. Überzeugende Konzepte und überzeugte Bauherrn verhindern nachträgliche Verunstaltungen am besten. Dann bleibt, wo es richtig ist, ein Gebäude auch ... intensiv grau.

Ernst Wolfgang Eichler, Alzey Vizepräsident