15. Dezember 2010

Listen, Listen ... meine Güte!

Vizepräsident Ernst Wolfgang Eichler spricht Klartext.

Während Architekten sich früher fast nur dem Planen und Bauen neuer Gebäude widmeten, stehen heute Sanierung und energetische Ertüchtigung vorhandener Substanz bei Auftraggebern längst im Vordergrund und könnten für reichlich Auskommen sorgen.

Aber der Markt ist nicht nur für Architekten interessant, und so stehen wir mittlerweile in Konkurrenz mit Malern, Putzern, Dachdeckern, Fenster- und Heizungsbauern, Zimmerleuten, Schornsteinfegern und und und. Alle bieten ihr mehr oder weniger vorhandenes Wissen feil und umwerben mit dubiosen Zertifikaten und Gütesiegeln die Hausbesitzer.

Diese sehen längst nicht mehr, dass Planung und Überwachung von Baumaßnahmen allein in Hände von Architekten gehören. Denn dank umfassenden Studiums beschränkt sich unser Wissen nicht auf einzelne Gewerke, sondern erfasst übergreifend die komplexen physikalischen und konstruktiven Zusammenhänge beim Sanieren eines Hauses; das zeichnet uns aus.

Aber das Rad drehen wir nicht zurück; unerschöpflichen Werbeetats von Firmen und Verbänden stehen unsere überschaubaren Mittel für Öffentlichkeitsarbeit gegenüber. Umso wichtiger, dass der Einzelne dort zu finden ist, wo dem Bauwilligen im Internet seriöse Angebote außerhalb der Kammerplattform gemacht werden. Ob der Listenflut mag man die Nase rümpfen; doch Verbraucher suchen nicht nur auf unserer Website. Energieberater findet man schnell auch anderswo, z.B. bei EOR.de, und auch die Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) beabsichtigt eine Anbieterliste ins Netz zu stellen. Hier wie dort müssen Architekten an oberster Stelle stehen. Internet-Nutzer vertrauen auf Angebote staatlicher Institutionen, und genau da sollte ich auch ohne weiteres Zertifikat anbieten, was mir schon die Mitgliedschaft in einer Architektenkammer bescheinigt ... meine Güte.

Vizepräsident Ernst Wolfgang Eichler, Alzey