15. Februar 2012

Gemeinsam stark!

Präsident Reker dankt allen Kolleginnen und Kollegen für die Wahl und gibt einen Ausblick auf die kommenden fünf Jahre.

Das Amt des Präsidenten der Architektenkammer Rheinland-Pfalz ist ein wichtiges und schönes. Es ist davon geprägt, Interessen abzuwägen. Meine Vorstandskollegen und ich können auf eine erfolgreiche Arbeit in den vergangenen Wahlperioden zurückblicken. Vor uns stehen fünf Jahre - in denen sich die Kammer fortentwickeln kann - und muss.

HOAI/Vergaben

Die HOAI bleibt ein Dauerthema; sie wird ein ständiger Prozess werden, auf den man sich immer wieder mit neuen Strategien einstellen muss. Dasselbe gilt für die negativen Auswirkungen der bürokratischen Verfahren bei der öffentlichen Auftragsvergabe wie die nur vordergründig transparenten Auswahlkriterien, überzogene Anforderungen an Referenzen und die sogenannte „Leistungsfähigkeit“, die die kleinstrukturierten Büros in Rheinland-Pfalz bis ins Mark treffen und Berufseinsteigern kaum noch Chancen lassen. Die Suche nach der besten Lösung in Wettbewerbsverfahren, um die uns die Welt beneidete, wird in VOF-Verfahren eingebunden mehr als stranguliert.

Strukturwandel

Der Strukturwandel im ländlichen Raum fordert uns. Demografische Entwicklung, Wanderungsbewegungen vom Land in die Stadt, Leerstände, Ausbluten der Dorfkerne sind Themen, die wir zusammen mit politischen Entscheidungsträgern angehen müssen. Die neue Generation der Gestalter muss sich ihrer Rolle als Vermittler an der Schnittstelle von Mobilität und Lokalität bewusst werden.

Energetischer Wandel

In den kommenden Jahren wird der energetische Wandel dem Berufsstand einiges abverlangen. Baukultur bei Infrastrukturbauten ist notwendiger als je zuvor. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden! Ein großes Thema wird weiter das energieeffiziente Bauen einnehmen. Das flächendeckende Zukleben gewachsener Stadtbilder im Zeichen der Energieeinsparung kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Hier gilt es, weiter nach intelligenteren, nachhaltigeren Lösungen zu suchen.

Profil

Architekten, Innenarchitekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten hatten immer eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Heute, in einer Phase mit vielen Umbrüchen, gilt das mehr denn je. Architektur muss man haben, wenn es einem gut gehen soll! Sigurd Trommer, der Präsident der Bundesarchitektenkammer: „In Zeiten der Unsicherheit und beinahe grenzenloser Mobilität sehnen sich die Menschen nach Heimat. Nur noch Städte und Wohnungen, die diese Sehnsucht befriedigen, können Menschen an sich binden.“ Dies gilt es zu kommunizieren. Kommunikation Der Berufsstand muss sich viel stärker in die Gesellschaft hinein bewegen; er muss „zu den Menschen“ gehen; gesellschaftliche Positionen besetzen; in partizipatorischen Verfahren Fach- und Sachverstand einbringen; in Erörterungs-, Beratungs- und Entscheidungsebenen, in Kommunen und Landtagen kompetent - und ohne häufig testierten Eigennutz - mitwirken. Planen heiße vorherdenken, so Trommer. Der Berufsstand muss dabei von der gewohnten Fachdiskussion weg zu einer zielgerichteten Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit in Verwaltung, Politik und Gesellschaft kommen. Dabei ist die Grundregel der Kommunikation zu beachten, dass nicht wichtig ist, was man sagt, sondern das, was der andere versteht. Zur Kommunikation gehört auch das Wohlwollen der anderen (Max Frisch). Das zu entwickeln, zu halten und zu pflegen ist eine große Aufgabe.

Kammerarbeit und Berufspolitik

sind stetiger Einsatz für Ziele. Diese können nur in Angriff genommen werden mit dem Wissen und dem Engagement vor Ort. Berufspolitische Arbeit beginnt in den örtlichen Kammergruppen. „Bürgersinn heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen“, sagt Max Frisch, der bekanntlich Architekt war. Bürgersinn entsteht „vor Ort“. Dieses Engagement gilt es zu bündeln! Gemeinsam sind wir stark! Der erste Schritt beginnt mit der Begegnung von Menschen und endet in Initiativ- und Entscheidungskompetenzen.  

Fordern Sie uns

die Geschäftsstelle, die Vertreter, den Vorstand, das Präsidium, den Präsidenten! Wir sind dankbar für Ihre Hinweise und Initiativen; wir werden sie nach Kräften unterstützen. Unterstützen Sie uns aber auch durch Ihr Interesse, engagieren Sie sich für Baukultur, beteiligen Sie sich an regionalen Programmen, an partizipatorischen Verfahren, bringen Sie Ihren Sach- und Fachverstand in Planungsbeiräten, Stadtteilwerkstätten, Workshops, Foren, Gestaltungsteams ein - dann werden Sie und wir als Architekten, Innenarchitekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten gehört und ernst genommen.

Wahl der Kammergruppen

In der konstituierenden Sitzung der VIII. Vertreterversammlung wurden am 3. Februar 2012 ein neuer Vorstand und ein neues Präsidium gewählt. Im März werden die Vertreter der zwölf örtlichen Kammergruppen folgen. Über die Wahltermine werden alle Kammermitglieder postalisch informiert. Beteiligen Sie sich an der Wahl, nutzen Sie Ihre Stimme, nehmen Sie Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Baukultur in Rheinland-Pfalz, unterstützen Sie die ehrenamtliche berufspolitische Arbeit!

Auf eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit!

Gerold Reker, Präsident