10. April 2017

Fachlose als Regelverfahren

Bei einer Diskussionsrunde am 4. April im Zentrum Baukultur unter dem Titel "Mittelstandsfreundliche Kommune" brachen die Mainzer Dezernenten Marianne Grosse und Christopher Sitte eine Lanze für mittelstandsfreundliche Vergaben.

"Dann können wir ja eigentlich nach Hause gehen", fasste die Moderatorin Alexandra May die ersten beiden Statements der Mainzer Baudezernentin Marianne Grosse und ihres Kollegen aus dem Wirtschaftsdezernat, Christopher Sitte, am 4. April im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz in Mainz zusammen. Beide hatten sich zu Vergabeformen bei Bauleistungen bekannt, die die Trennung von Planung und Ausführung ebenso respektieren wie die kleinteilige, mittelstandsfreundliche Ausschreibung der Bauleistungen.

Genau dies und darüber hinaus einen maßvollen Umgang mit den zu erbringenden Planungsreferenzen, idealerweise die Auslobung von Architekturwettbewerben, hatte Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, zuvor in seiner Begrüßung gefordert. Hintergrund der Einladung zum Diskussionsabend mit dem Titel "Die mittelstandsfreundliche Kommune" waren Systemvergaben für den Bau von Kindertagesstätten.

Tim von Winning, Baubürgermeister der Stadt Ulm, brachte als Erfahrungsbericht zwei Bauvorhaben in die Diskussion ein. Zwar betonte er, wie ähnlich die Bedingungen in Mainz und Ulm seien, doch zeigte der Vergleich bei genauem Hinsehen erhebliche Unterschiede. Die vielfach angeführten Preisvorteile konnte man in Ulm nicht nachweisen, im Gegenteil. Die zeitliche Dimension war weniger klar kalkulierbar, da hier im Fall der Funktionalausschreibung die Planung außerhalb des betrachteten Zeitraums stattfand.

Die zweite Gesprächsrunde mit den beiden Vorsitzenden der beiden großen Stadtratsfraktionen Hannsgeorg Schönig und Dr. Eckart Lensch, der Kammervizepräsidentin Edda Kurz und dem stellvertretenden Kreishandwerksmeister Stefan Korus nahm dann, trotz des scherzhaften, frühen Schlusswortes der Moderatorin, doch noch Fahrt auf. Der Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, Hans-Jörg Friese, nahm in seinem Schlusswort darauf Bezug und schlug gerne in das wiederholt vorgetragene Gesprächsangebot der Dezernenten, wie der beiden Fraktionsvorsitzenden, hinsichtlich der künftigen Gestaltung von Vergabeverfahren ein.

Klar wurde: Es ging den beiden Kammern in der Debatte nicht darum, regionale Anbieter aus Architektenschaft und Bauhandwerk zu bevorteilen, sondern im Gegenteil, strukturelle Nachteile für die kleinteiligen Betriebe und Büros bei öffentlichen Vergabeverfahren zu verhindern. Die Auftragsart, das Volumen und die Komplexität eines Auftrages, so das Fazit, sollten zu den gewählten Markteintrittshürden passen. Denn die regionalen Betriebe halten auch die Wertschöpfung in der Region. Sie auszuschließen führe langfristig zum Abfluss von Wirtschaftskraft, Kompetenz und Innovationskraft, so die Kammervertreter.