29. Oktober 2014

Experimente im Weinberg

Blick in die Ausstellung mit Publikum
Angeregte Gespräche der Gäste in der Architekturgalerie. Foto: Britta Scherfer
Foto: Britta Scherfer, Kaiserslautern

29. Oktober 2014
17/2014

Kaiserslautern. Die Ausstellung des Architekturpreises Wein macht in der Architekturgalerie Kaiserslautern bis zum 23. November Station. Gezeigt werden insgesamt 14 prämierte Bauten, darunter ein Sonderpreis. Ihn erhielt der Experimental- und Forschungsbau eines Weinbergshauses der TU Kaiserslautern: Mit dem im rheinhessischen Wörrstadt errichteten Bau hatten die Studierenden der Architektur ultradünne, hochfeste Betone gestalterisch und bautechnisch bis an die Grenze geführt. Die Erforschung der Betone erfolgte in Kooperation der Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesens. Staatssekretär Dr. Thomas Griese, Edwin Schrank als Präsident des Weinbauverbandes der Pfalz, und der Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Gerold Reker, haben zusammen mit der pfälzischen Weinkönigin Laura Julier die Wanderausstellung in Kaiserslautern eröffnet. Die von Laura Julier moderierte Gesprächsrunde fragte nach der Zukunft von Tourismus und Weinwirtschaft in Rheinland-Pfalz. 

„Moderne Architektur fördert die Direktvermarktung im Weinbau und spielt auch eine wichtige Rolle im Weintourismus. Wenn Weinkultur auf Baukultur trifft, bedeutet dies eine erhebliche Steigerung der Attraktivität, die letztlich auch zur Steigerung der Wertschöpfung in den ländlichen Regionen beiträgt. Dafür wollen wir unsere Weinbau-Betriebe in Rheinland-Pfalz mit dem „Architekturpreis Wein“ sensibilisieren. Die Ausstellung zeigt, dass der Wettbewerb Früchte trägt. Die ausgezeichneten Gebäude sind tolle Beispiele dafür, wie der Genuss von Wein und Landschaft durch spannende Architektur noch gesteigert werden kann.“  

Wein und Architektur, darin waren sich Edwin Schrank, als Vertreter der deutschen Winzer, und Gerold Reker für die Architektenschaft in der von Laura Julier moderierten Gesprächsrunde einig, ist als Thema auch in der Öffentlichkeit breit angekommen. Weinliebhaber wollen Genuss von Anfang an und erwarten ein entsprechendes Ambiente bei ihrem Besuch der Weingüter. Dies unterstrich auch Edwin Schrank, Weinbaupräsident der Pfalz und Vizepräsident des Deutschen Weinbauverbandes: „Der Deutsche Weinbauverband begrüßt diese Initiative, weil dadurch ein Mehrwert für die Weinbaubetriebe entsteht. Die gute Qualität der Weine kann in entsprechendem Ambiente mit zeitgenössischer Wein-Architektur kombiniert werden. Wir wünschen uns eine Kombination in Natur- und Erdverbundenheit mit den Werkstoffen aus der Natur, die kombiniert mit der Architektur auch das Terroir des Bodens widerspiegeln, und zwar nachhaltig so wie unsere Reben es seit rund 2000 Jahren tun.“

Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz ergänzte in der Gesprächsrunde: „Das tief wurzelnde Thema Qualität hat im deutschen Weinbau in den letzten Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Wie erfreulich, dass dies allmählich auch hinsichtlich des Produktions- und Vermarktungsrahmens passiert. Die Architektur trägt den Menschen oft mehr, als er es wahrhaben möchte. Für den Winzer kann es daher nur von Vorteil sein, wenn er nicht nur in einem guten und angemessenen Umfeld arbeitet, sondern sich seinen Kunden auch so präsentiert, wie der es von einem qualitätsorientierten Anbieter erwartet."

In Kaiserslautern wurden zwei Projekte vorgestellt, die dies eindrucksvoll belegen: Das Weingut von Winning in Deidesheim mit seiner anspruchsvollen Freiflächengestaltung sowie das Experimentalgebäude der TU Kaiserslautern, ein gemeinsames Entwurfsprojekt der Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen unter Leitung der Professoren Dirk Bayer und Bernd Meyerspeer für den Fachbereich Architektur sowie Professor Dr. Jürgen Schnell und Junior-Professor Dr. Christian Kohlmeyer, für den Fachbereich Bauingenieurwesen.

Im September 2012 hatten das rheinland-pfälzische Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, der Deutsche Weinbauverband und die Architektenkammer Rheinland-Pfalz den Architekturpreis Wein nach 2007 und 2010 zum dritten Mal ausgelobt. Die Preise, Auszeichnungen, Anerkennungen und der Sonderpreis wurden durch eine Fachjury mit Vertretern aus der Architektur- und der Weinszene ausgewählt.  

Nach Verleihung und Präsentation auf der INTERVITIS INTERFRUCTA 2013 in Stuttgart war die Ausstellung bereits in Mainz (Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz), Koblenz (Festung Ehrenbreitstein), Bischoffingen (Weingut Abril) und in der Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz in Berlin sowie im  Orgel ART Museum in Windesheim und im Kurfürstlichen Schloss, dem Sitz der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier zu sehen.

 

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