28. September 2016

Ergebnisse der Strukturuntersuchung 2016

Im Frühjahr wurden die selbstständigen Mitglieder der Architektenkammern aller Bundesländer online zu ihrer Personal- und Auftragsstruktur sowie zu den Kosten und Erträgen ihrer Büros im Jahr 2015 befragt. Die Auswertung durch die HommerichForschung liegt nun vor. Die Zahlen belegen bereits Geahntes, zeigen aber auch Überraschendes.

Im Frühjahr 2016 wurden durch das Hommerich-lnstitut die selbständigen Mitglieder der Architektenkammern aller Bundesländer online zu ihrer Personal-und Auftragsstruktur sowie zu den Kosten und Erträgen ihrer Büros im Jahr 2015 befragt. ln die Befragung einbezogen waren alle in der Kammer vertretenen Berufsgruppen, d. h. Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner. ln Rheinland-Pfalz nahmen 330 von 2.310 freiberuflich tätigen Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen an der Befragung teil. Damit lag die Rücklaufquote bei 14,3 Prozent.

Bürogröße und Personalstruktur

Die als Büroinhaber tätigen Befragten führen deutlich überwiegend (83%) kleine Unternehmen, mit weniger als 5 tätigen Personen. 12% sind teilzeittätige Inhaber eines Büros ohne weitere Mitarbeiter. Als Vollzeit tätige Inhaber ohne Mitarbeiter sind 31 % der befragten Kammermitglieder tätig. Bei 40% handelt es sich um (Mit-)Inhaber kleiner Büros mit zwei bis vier tätigen Personen.
Die Zahl der Mitarbeiter ist im letzten Jahr in der Mehrzahl der Büros (68%) konstant geblieben. 27% der Büros haben in 2015 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Offene Stellen hatten 2015 insgesamt 42% aller Büros zu besetzen. Die Personalsuche gestaltete sich häufig schwierig: 66% der Büros, die offene Stellen zu besetzen hatten, berichten von Problemen bei der Besetzung dieser Stellen (dies entspricht 28% aller Büros).

Auftragsstruktur der Büros: Art der Auftraggeber
Aufträge öffentlicher Auftraggeber sorgten im Jahr 2015 für einen durchschnittlichen Anteil von 18% am gesamten Umsatz der befragten Büros. Von Seiten der nicht öffentlichen Auftraggeber hatten Privatpersonen in 2015 den höchsten Anteil am Umsatz der befragten Büros. Durchschnittlich 49% des gesamten (durch öffentliche wie nicht-öffentliche Aufträge erwirtschafteten) Umsatzes der Büros waren auf private Bauherren zurück zu führen.

Umsätze im Berichtsjahr 2015
Der Pro-Kopf-Umsatz im Referenzjahr 2015 lag im Mittel bei 57.853 € (Median). Mit zunehmender Größe der Büros steigen die Pro-Kopf-Umsätze. In Ein-Personen-Büros lag der Umsatz je Einzelunternehmer im Mittel bei 46.690 € (Median). In Büros mit zwei bis vier tätigen Personen betrug der Pro-Kopf-Umsatz im Schnitt 52.920 €. Büros mit fünf bis neun tätigen Personen setzen im Jahr 2015 im Mittel 63.708 € je Inhaber/Mitarbeiter um. In Büros mit zehn und mehr tätigen Personen lag der Umsatz Pro-Kopf bei 80.561 €.
Seit der ersten Befragung zum Berichtsjahr 2011 ist der Pro-Kopf-Umsatz stetig gestiegen: von 45.000 € in 2011 und 54.128 € in 2013 auf nunmehr 57.853 €.

Überschüsse im Berichtsjahr 2015
Die Überschüsse je Inhaber haben sich seit dem ersten Berichtsjahr 2011 positiv entwickelt. In 2011 lag der Median für alle Büros noch bei 30.000 €, in 2013 45.000 € und in 2015 bei 48.000 €. In durchschnittlich 23% aller Büros lag der 2015 erwirtschaftete Umsatz je Inhaber/Partner bei max. 30.000 €. Der Überschuss errechnet sich aus dem Gesamtumsatz eines Büros abzüglich der Gesamtkosten exklusive Inhabergehalt. Bei Betrachtung der verschiedenen Bürogrößen
zeigt sich, dass sich vor allem kleine Büros häufig in einer kritischen wirtschaftlichen Lage befinden. 45% der Ein-Personen-Büros erwirtschafteten im Jahr 2015 einen Überschuss von max. 30.000 €.
Im Zeitverlauf zeigt sich folgende positive Entwicklung: Der Anteil der Büros mit einem Überschuss pro Inhaber von max. 30.000 € sank von 51% in 2011 um 33% in 2013 auf 23%. Noch immer stehen damit jedoch bei knapp ¼ der Büros am Jahresende maximal 30.000 € je Inhaber bereit, aus denen dieser sein Jahresgehalt einschl. aller Sozialversicherungsbeiträge finanzieren muss.

Wettbewerbe

15% aller befragten Büros haben im letzten Jahr an Wettbewerben teilgenommen. Während eine Wettbewerbsteilnahme bei Ein-Personen-Büros und kleinen Büros eher die Ausnahme darstellt, kommt sie bei großen Büros mit zehn und mehr tätigen Personen deutlich häufiger vor.
Die häufigsten Wettbewerbsarten, an denen diese Büros teilgenommen haben, waren nicht-offene Wettbewerbe mit Vorauswahl des öffentlichen Sektors (24%), offene Wettbewerbe des öffentlichen Sektors (23%) und nicht-offene Einladungswettbewerbe des privaten Sektors (22%).
In 29% der Fälle verlief die Wettbewerbsteilnahme erfolgreich, endete also mit einer Beauftragung. 67% der Wettbewerbsteilnahmen waren erfolglos und in 4% der Fälle war der Ausgang des Wettbewerbs zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht bekannt.

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Zusamenfassung Rheinland-Pfalz der HommerichForschung: MEHR

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