19. Oktober 2015

Cortenstahl in Oppenheim

Gruppe beim Empfang im Weingut
Die Abf
Foto: Kristina Schäfer, Mainz

Thema des dritten Ortsgespräches am 2. Oktober 2015 war die Abfüllhalle des Weingutes Bürgermeister Carl Koch in Oppenheim.

Die Abfüllhalle im Weingut Bürgermeister Carl Koch war vor einigen Jahren von Gehbauer Helten Architekten aus Oppenheim an das bestehende Ensemble gartenseitig angefügt und 2007 mit einer Anerkennung im Rahmen des ersten Architekturpreises Wein ausgezeichnet worden.

Die Jury lobte damals: „Sprache und Ausformung der neuen Abfüllhalle sind vollständig von der historischen Bausubstanz abgesetzt und kontrastieren mit ihr, ohne ihr jedoch ihr Recht zu nehmen. Die facettenreiche Farbigkeit des Cortenstahls führt in ihrer Patinierung den lebendigen Materialeindruck des Altbaus organisch fort“.

Wie es zum Cortenstahl kam erläuterete Achim Gehbauer so: „Was war es, was uns am Ende auf die Idee brachte, die Abfüllhalle mit dieser Form und mit dieser Fassade zu bauen? War es das Bild von rostigen Fassreifen, war es das Format der Weinkiste oder war es am Ende gar der rötliche Korkton der Chinarinde? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass es im nüchternen Zustand geschah, und dass die einfache Antwort am Ende von komplexen und vielschichtigen Überlegungen stand, und dass auch das Vorgenannte eine kleine Rolle spielte. Und: dass es nicht gelungen wäre, wenn wir nicht auf Weinbauherrenseite so etwas wie Offenheit und Vertrauen in unsere gestalterische Kraft gespürt hätten.“ Seitens der Denkmalpflege wurde und wird das Projekt und sein Zustandekommen kritisch bewertet. Nicht zuletzt genau wegen dieser Materialität der Fassade. Dem Ortsgespräch gelang es, die Reibungspunkte der jeweiligen Argumentationslinien deutlich zu machen. Klar wurde auch: Die Diskurse sind partiell unterschiedlich. Genau dies machte das dritte Ortsgespräch hochspannend. Die Reihe, die jeweils an einem konkreten Ort das Verhältnis von zeitgenössischer Intervention und Denkmal beleuchtet, wird im Frühjahr 2016 in Boppard fortgesetzt. Dazu laden die Generaldirektion Kulturelles Erbe und die Architektenkammer Rheinland-Pfalz ein.